Anpfiff
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Wiesbaden zerlegt Cottbus - Siebenfacher Donner über der Lausitz

Es war ein kalter Februarabend in Cottbus, aber was sich im Stadion der Freundschaft abspielte, brachte selbst den hartgesottensten Bratwurstverkäufer ins Schwitzen. "1:7", stand am Ende auf der Anzeigetafel - und die "Freude" der 11.079 Zuschauer hielt sich in etwa auf dem Niveau einer Steuererklärung im Hochsommer. Der VfB Wiesbaden demonstrierte am 31. Spieltag der 3. Liga, wie man mit chirurgischer Präzision ein Fußballspiel seziert, während die BSG Cottbus vergeblich nach dem Notausgang suchte.

Schon nach sieben Minuten fiel das erste Tor - und das ausgerechnet durch einen 17-Jährigen. Esteban Eximeno, der junge Innenverteidiger der Wiesbadener, köpfte nach einer Ecke den Ball ins Netz. "Ich wollte eigentlich nur klären", grinste der Teenager nach dem Spiel, "aber dann war der Ball halt drin." Ein Satz, der in Cottbus wohl noch eine Weile nachhallen wird.

In der 15. Minute legte Georgios Ninis nach, der Grieche mit dem goldenen rechten Fuß. Nach feiner Vorarbeit von Emilio Bermudez traf er aus 18 Metern - so präzise, dass selbst der Linienrichter kurz den Kopf schüttelte. Und als Martin Richter in der 28. Minute nachlegte, ahnte man: Das wird kein Fußballabend für Feingeister, sondern ein Lehrfilm in Effizienz.

3:0 zur Pause, 23 Torschüsse insgesamt für Wiesbaden, nur 5 für Cottbus. Und doch: Die Ballbesitzstatistik zeigte 50,8 Prozent für die BSG. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", erklärte Trainer Jörg Sachtler mit todernster Miene, "leider war der Ball dabei oft auf dem Weg ins eigene Tor."

Die zweite Hälfte begann, wie die erste endete - mit Wiesbadener Spielfreude. In der 65. Minute durfte sich Oliver Lutz in die Torschützenliste eintragen, nach Pass von Ignacio Helguera. Lutz, der ohnehin den Cottbuser Strafraum als sein Wohnzimmer betrachtete, zeigte sich gnädig: "Ich hätte auch noch zwei machen können, aber irgendwann tut’s ja weh."

Dann, ein kurzer Hoffnungsschimmer für die Lausitzer. Rechtsverteidiger Timo Pohl - 35 Jahre, graue Schläfen, aber Herz aus Stahl - zog in der 70. Minute einfach mal ab. Der Ball zischte ins linke Eck, 1:4. Das Stadion jubelte, als wäre der Klassenerhalt sicher. "Ich hab’ gedacht, jetzt drehen wir’s noch", sagte Pohl später und lachte bitter.

Doch Wiesbaden hatte andere Pläne. Richter, dieser unaufhaltsame Mittelstürmer, schnürte in der Schlussphase gleich noch einen Doppelpack (84. und 91. Minute). Sein drittes Tor feierte er nicht einmal mehr. "Da wollte ich eigentlich schon rausgehen", scherzte er, "aber der Ball kam halt nochmal zu mir."

Und als ob das alles nicht genug wäre, setzte der eingewechselte Mathias Seitz in der 94. Minute den Schlusspunkt - eiskalt nach Vorlage von, natürlich, Richter. 1:7, und das völlig ohne Überheblichkeit, einfach aus sportlicher Konsequenz.

Wiesbadens Trainer Abdul-Mannan Aslam wirkte nach dem Spiel fast verlegen. "Wir haben einfach unser Spiel gespielt. Die Jungs waren hungrig. Vielleicht zu hungrig." Auf die Frage, ob man auswärts öfter so auftreten wolle, grinste er: "Wenn’s nach mir ginge, ja - aber so viele Tore kriegen wir sonst nie rein, wenn wir verlieren."

Bei Cottbus dagegen herrschte betretenes Schweigen. Nur Keeper Markus Blum, der trotz sieben Gegentoren einer der Besseren war, fand Worte: "Manchmal fliegen dir die Dinger halt um die Ohren. Ich hab aufgehört zu zählen - nach dem vierten."

Statistisch wirkte die Partie wie ein schlechter Witz: 23 Torschüsse für Wiesbaden, 5 für Cottbus, aber nahezu gleich viel Ballbesitz. Ein Paradebeispiel dafür, dass Prozentzahlen keine Tore schießen. Und während Wiesbaden mit breiter Brust Richtung Aufstiegsränge blickt, muss Cottbus die Scherben zusammenkehren.

"Wir werden das intern aufarbeiten", versprach Trainer Sachtler, der sich nach Abpfiff mit verschränkten Armen ans Geländer lehnte. Einer seiner Betreuer soll leise gesagt haben: "Wenn wir morgen laufen lassen, laufen sie bis nach Wiesbaden."

Fazit: Wiesbaden spielte, als wäre das Tor ein Magnet - und Cottbus stand wie ein Haufen Büroklammern davor. Es war ein Abend, an dem alles passte - zumindest für die Gäste. Und irgendwo zwischen den enttäuschten Gesichtern auf den Rängen konnte man einen Fan murmeln hören: "Na gut, wenigstens war das Flutlicht schön."

13.04.643990 08:35
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