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Ein kalter Freitagabend in Herne, Flutlicht, 42.599 Zuschauer, die anfangs noch hofften, am Ende aber vor allem den Kopf schüttelten. Westfalia Herne verliert am 9. Spieltag der 1. Liga Deutschland deutlich mit 2:5 gegen den VFL Stuttgart - und das, obwohl es nach 45 Minuten noch 1:1 stand. "Wir haben uns in der Pause noch gegenseitig Mut zugesprochen", seufzte Hernes Trainer Jayden Sabo später. "Aber dann kam Stuttgart zurück - mit Vorschlaghammer und Feingeist." Dabei fing alles so verheißungsvoll an. In der 12. Minute schickte Vicente Galan seinen Flügelkollegen Pol Oliveira mit einem butterweichen Pass auf die Reise. Oliveira, 33 Jahre jung und immer noch trickreicher als so mancher 20-Jährige, zog trocken ab - 1:0 für Westfalia. Das Stadion bebte, jemand zündete in der Kurve ein bengalisches Herz, und die Fans träumten kurz von einem großen Abend. Doch wer Stuttgart kennt, weiß: Die Schwaben haben ein Faible für Comebacks. In der 39. Minute war es Joshua Rausch, der nach Vorlage von Henry Prentiss den Ball in den Winkel drosch. Torwart Raul Tonel streckte sich vergeblich, die Herner Defensive diskutierte noch, wer eigentlich für Rausch zuständig war. "Ich dachte, das war abseits", sagte Innenverteidiger Thijmen Shuck später mit einem Grinsen, das zwischen Selbstironie und Resignation pendelte. Halbzeitstand: 1:1 - und alles offen. Nach dem Seitenwechsel wurde es wild. Wieder Oliveira, diesmal in der 57. Minute, wieder eiskalt. Manuel Jorge hatte clever durchgesteckt - 2:1, Jubel, Hoffnung, Euphorie. Und dann kam der Einbruch. Nur fünf Minuten später tanzte Luis Contreras durch die Mitte, bekam erneut von Prentiss den Ball serviert und schob zum 2:2 ein. Zwei Minuten später, in der 64., traf auch noch Rechtsverteidiger Ingo Zabaleta - ausgerechnet er, sonst bekannt für Grätschen, nicht für Kunstschüsse. Vorlage von Uwe Schubert, 2:3. Das war der Moment, in dem Herne auseinanderfiel. "Wir wollten weiter offensiv bleiben", erklärte Trainer Sabo später. "Leider haben wir vergessen, dass man dafür auch den Ball braucht." Stuttgart hatte nun Oberwasser, Ballbesitz knapp über 51 Prozent, und die Westfalia-Abwehr wirkte zunehmend wie ein Kartenhaus im Wind. In der 83. Minute krönte William Lujan seine starke Partie mit dem 2:4, erneut nach Vorlage von Prentiss, der an diesem Abend gefühlt überall war. Nur vier Minuten später setzte Joker Carl Derlei den Schlusspunkt - 2:5. Fünf verschiedene Stuttgarter Torschützen hatten in Herne getroffen, eine Demonstration mannschaftlicher Geschlossenheit. "Wir wollten einfach Spaß haben", grinste VFL-Coach Venni Mislintat in der Pressekonferenz. "Und wenn Spaß bedeutet, fünf Tore zu schießen - dann nehmen wir das mit." Sein Gegenüber Sabo hielt dagegen: "Manchmal ist Fußball wie ein schlechter Witz - nur dass am Ende keiner lacht." Statistisch gesehen war das Spiel enger, als das Ergebnis vermuten lässt. Herne hatte 10 Torschüsse, Stuttgart 15. Der Ballbesitz lag nahezu gleichauf. Doch die Stuttgarter nutzten ihre Chancen eiskalt, während Herne an der eigenen Effizienz scheiterte. Oliveira war zwar mit zwei Treffern der beste Mann der Westfalen, aber seine Kollegen wirkten oft einen Schritt zu spät - oder einen Gedanken zu langsam. In der 80. Minute sah Stuttgarts Ernesto Vaz noch Gelb, aber das störte den Lauf der Gäste kaum. Im Gegenteil: Kurz darauf wechselte Mislintat noch den jungen Derlei ein, der prompt traf. "Er hat gesagt, ich soll einfach rauf und Spaß haben", erzählte Derlei später lachend. "Also hab ich das gemacht." Während die Stuttgarter Fans nach Schlusspfiff sangen und tanzten, standen die Herner Spieler lange auf dem Rasen, ratlos, erschöpft, vielleicht auch ein bisschen trotzig. Torwart Tonel klopfte Oliveira auf die Schulter, als wolle er sagen: "Mehr konnten wir heute nicht tun." Ein Spiel, das zeigt: Leidenschaft reicht manchmal nicht. Wer 5 Gegentore kassiert, hat taktisch wie mental Fragen zu beantworten. Stuttgart dagegen klettert mit diesem Sieg in der Tabelle weiter nach oben - und darf sich nach einem Abend voller Spielfreude und Präzision wieder als Torfabrik fühlen. Und Herne? Vielleicht hilft Humor. "Wir haben immerhin zweimal getroffen", sagte Coach Sabo mit einem schmalen Lächeln. "Das ist doppelt so viel wie letzte Woche. Fortschritt ist Fortschritt." Ein Satz, der hängen bleibt - irgendwo zwischen Galgenhumor und Hoffnungsschimmer. 22.04.643987 01:28 |
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