// Startseite
| Elfmeter |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Ein kalter Februarabend, Flutlicht über der Weidener Au, knapp 3000 Zuschauer, die ihre Hände an Pappbechern mit Glühwein wärmten - und ein Spiel, das Herz, Humor und Nerven verlangte. SpVgg Weiden besiegt BW Wesselburen mit 4:2 (3:2) und liefert dabei alles, was ein Freitagabendspiel braucht: Tore, Tempo, eine gelbe Karte und einen leicht beleidigten Außenverteidiger. Schon nach elf Minuten bebte das Stadion, als Innenverteidiger Esteban Collantes - normalerweise eher fürs Zerstören zuständig - nach einer Ecke von Paul König das 1:0 einköpfte. "Ich hab einfach die Augen zu und gehofft, dass keiner im Weg steht", grinste Collantes später. Trainer Daniel Meiner kommentierte trocken: "Wenn Esteban trifft, dann ist Vollmond oder wir führen. Heute war beides." Doch der Spaß war nur von kurzer Dauer. Wesselburen zeigte sich frech und suchte immer wieder die Lücken über die Flügel. Der Ballbesitz sprach mit 52 Prozent knapp für die Gäste, die ihre Überlegenheit in der 25. und 26. Minute in zwei Tore ummünzten: Erst traf Rechtsverteidiger Georg Michael nach Vorarbeit von Marko Bruns, dann revanchierte sich Bruns selbst - nach einem schönen Zuspiel von Horst Schiller. 2:2 nach 26 Minuten - und auf der Weidener Trainerbank wurde hektisch mit den Armen gefuchtelt. "Ich hab kurz überlegt, ob ich das Coaching-Handbuch noch mal lese", scherzte Meiner später. Doch Weiden ließ sich nicht beirren. Der junge Marvin Engel, 20 Jahre jung, hatte schon in der 19. Minute das 2:0 erzielt - ein wuchtiger Schuss aus 18 Metern, bei dem Wesselburens Keeper Oskar Moser nur irritiert in den Nachthimmel blickte. Und als alle dachten, dass die Gäste nun das Momentum hätten, schlug der erfahrene Finn Wahl in der 29. Minute eiskalt zurück. Nach feiner Vorarbeit von Oskar Schütz drosch der 35-Jährige den Ball zum 3:2 unter die Latte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Wahl später zu und lachte. "Aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich, das war Absicht." Mit 3:2 ging es in die Pause. Die Statistik zur Halbzeit: 12:7 Torschüsse für Weiden, 48 Prozent Ballbesitz, aber deutlich mehr Zug zum Tor. Die Zuschauer waren sich einig - langweilig war’s nicht. "Das ist besser als Netflix", rief ein Fan mit Schal und Bier in der Hand, während die Spieler in die Kabine trotteten. Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel etwas kontrollierter, aber nicht weniger unterhaltsam. In der 48. Minute machte Kevin Braun den Deckel (fast) drauf. Nach einem präzisen Pass von Fabio Iniguez schlenzte der Routinier den Ball ins lange Eck - 4:2. Braun, 34, jubelte mit einer Geste, die irgendwo zwischen "Ich hab’s euch doch gesagt" und "Jetzt reicht’s aber" lag. "Ich wollte heute einfach mal wieder Spaß haben", sagte er in der Mixed Zone. "Und Tore schießen macht ja bekanntlich Spaß." Wesselburen versuchte danach, das Spiel noch einmal zu drehen, scheiterte aber an der kompakten Weidener Defensive und an Torwart Ben Maass, der in der Schlussphase zwei gefährliche Schüsse von Jesus Kolb entschärfte. Der bekam in der 71. Minute sogar Szenenapplaus - für einen Schuss, der so knapp vorbeiging, dass einige Fans schon jubelten. Einziger Wermutstropfen für die Gastgeber: Paul König musste in der 84. Minute verletzt raus. Kurz zuvor hatte er noch eine Flanke gesetzt, die fast zum fünften Tor geführt hätte. Sein Ersatz, Janos Lantos, kam und brachte Ruhe ins Spiel. "Paul ist ein harter Hund", erklärte Trainer Meiner. "Wenn der liegen bleibt, ist was." Schiedsrichter Tobias Riegel hatte wenig Mühe mit der Partie, verteilte nur eine Gelbe - an Wesselburens Elias Nickel, der nach einem rustikalen Einsteigen in der 32. Minute mehr den Mann als den Ball traf. "Ich hab den Ball klar gespielt", verteidigte sich Nickel später - was wohl nur er so sah. Nach 96 Minuten war Schluss, und Weiden durfte jubeln. Vier Tore, 23 Torschüsse, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe - da blieb wenig zu meckern. Trainer Meiner fasste es passend zusammen: "Wir haben’s heute einfach ein bisschen ernster genommen. Und ja, das hat geholfen." Wesselburens Coach - Namen wollte er keinen nennen, aber der Gesichtsausdruck sprach Bände - murmelte beim Abgang nur: "Wir waren eigentlich die bessere Mannschaft." Vielleicht. Aber auf der Anzeigetafel stand nun mal 4:2. Und das ist im Fußball bekanntlich das einzige Argument, das zählt. Ein Abend, wie ihn die Verbandsliga liebt: ehrlicher Kampf, sechs Tore und ein Publikum, das selbst beim Abpfiff noch sang. Nur der Glühwein war am Ende alle - aber das ist wohl das geringste Problem in Weiden. 14.10.643990 09:37 |
Sprücheklopfer
Es wird nicht ganz zur Routine, weil ich ja mittlerweile auch die Mütter gewechselt habe.
Felix Magath auf die Frage, ob Geburten ab dem fünften Kind schon zur Routine werden