Anpfiff
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Weiche Flensburg dreht das Spiel: Späte Leidenschaft gegen Bremen belohnt

Es war ein Abend, an dem der Wind über die Förde pfiff, als wolle er selbst Fußball spielen. 14.136 Zuschauer in Flensburg froren, jubelten und staunten über ein Spiel, das zunächst nach hanseatischer Effizienz roch - und dann in nordfriesische Leidenschaft umschlug. Weiche Flensburg gewann am 12. Spieltag der 3. Liga Deutschland (1. Div) mit 2:1 (1:1) gegen den SV Bremen - eine Partie, die so ziemlich alles bot außer Langeweile.

Schon nach zwölf Minuten schien der Plan der Gäste aufzugehen. John Pelletier, der 33‑jährige Routinier im Bremer Angriff, nutzte die erste echte Chance eiskalt. Nach feinem Zuspiel von Nelio Henrico zimmerte er den Ball unter die Latte, als wolle er demonstrieren, dass Erfahrung manchmal schneller ist als jugendlicher Elan. "Ich wollte einfach mal zeigen, dass man mit 33 noch laufen kann", grinste Pelletier später - Schweiß auf der Stirn, aber kein bisschen Reue im Ton.

Weiche-Trainer Basti Schaaf raufte sich an der Seitenlinie die Haare und brüllte: "Weiter, Jungs, das war nur der Anfang!" - und er sollte recht behalten. Denn die Hausherren, deren Taktik von Beginn an offensiv ausgelegt war, fanden nach einer halben Stunde ihren Rhythmus. Besonders der 21‑jährige Portugiese Jose Maria Costinha wirbelte auf der rechten Seite, als hätte man ihn mit Espresso übergossen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen traf er kurz vor der Pause endlich: In der 41. Minute setzte er sich nach einem feinen Pass von Rechtsverteidiger Filippo Celico durch und schlenzte den Ball ins linke Eck - 1:1, Stadionglück.

"Ich hatte vorher schon zwei Chancen. Da dachte ich: Wenn der nächste nicht reingeht, häng ich die Schuhe an den Nagel", scherzte Costinha nach dem Spiel.

Zur Halbzeit war klar: Bremen hatte mit 54 Prozent Ballbesitz zwar mehr vom Spiel, aber Flensburg mehr vom Mut. Die Gäste wirkten taktisch solide, fast zu brav. Trainer Jack Schlakowski hatte seine Mannschaft auf "ausgewogen" eingestellt - ein Wort, das in der 3. Liga oft gleichbedeutend ist mit "nicht Fisch, nicht Fleisch".

Nach Wiederanpfiff schien Bremen zunächst wieder Kontrolle zu übernehmen. Dieter Römer zog aus 20 Metern ab, Weiche‑Keeper Hanns Schön musste sich lang machen. Doch dann kam die 52. Minute - und mit ihr der Moment des Abends: Der Schotte Bailey Moffat, von der linken Seite hereingezogen, traf nach Zuspiel von Gijs Cure flach ins rechte Eck. 2:1 für Weiche Flensburg, und das Stadion bebte so laut, dass man den Wind plötzlich nicht mehr hörte.

"Ich hab einfach draufgehauen", lachte Moffat später in der Mixed Zone. "Und ehrlich - ich glaube, der Ball hat sich selbst entschieden, reinzugehen." Trainer Schaaf klopfte ihm auf die Schulter und murmelte: "Endlich mal einer, der nicht nachdenkt, bevor er schießt."

Bremen versuchte danach, den Druck zu erhöhen. Pelletier, Viola und der junge Berndt Scherer feuerten aus allen Lagen, insgesamt 14 Torschüsse standen am Ende für die Gäste zu Buche. Doch Flensburgs Defensive hielt stand - angeführt von Innenverteidiger Knud Fleischer, der in der 88. Minute noch einen Schuss von Scherer mit dem Gesicht blockte. "Ich hab den Ball gar nicht kommen sehen", meinte Fleischer später grinsend, "aber Hauptsache, er ging nicht rein."

Die Schlussphase war pure Nervenarbeit. Schaaf hüpfte an der Seitenlinie, als wolle er selbst einwechseln. Schlakowski hingegen stand stoisch da, die Hände tief in der Manteltasche, und beobachtete, wie seine Mannschaft den Ball sicher in den eigenen Reihen zirkulieren ließ - aber kaum noch gefährlich wurde.

Als Schiedsrichter Lenz nach 94 Minuten abpfiff, rissen die Flensburger die Arme hoch, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen. Und in gewisser Weise hatten sie das: zumindest die kleine Meisterschaft des Willens.

"Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", sagte Schaaf noch vor dem Kabineneingang. "Wir haben weniger Ballbesitz, weniger Torschüsse, aber mehr Herz. Und manchmal reicht das."

Bremens Coach Schlakowski suchte nach Worten - und fand immerhin Humor: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Tja, das ist wohl Fußball."

Am Ende bleibt ein Abend, der zeigt, dass Statistiken eben nicht alles sind. 45 Prozent Ballbesitz, zwölf Torschüsse, zwei Tore - die Zahlen von Flensburg erzählen nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte schrieb der Wind, die Leidenschaft und ein Team, das sich einfach weigerte, aufzugeben.

Und irgendwo hinter der Nordtribüne summte ein Fan in dicker Jacke: "Weiche, du bist so hart!" - was an diesem Abend wohl niemand besser hätte sagen können.

26.05.643987 16:18
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic
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