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42783 Zuschauer im "Estadio Libertad" in Caracas sahen ein Spiel, das anfangs nach einem Heimtriumph roch, am Ende aber zum amerikanischen Exporterfolg wurde. Real Caracas verlor das Play-off-Hinspiel der Amerikaliga mit 1:2 gegen Washington City - trotz früher Führung und jeder Menge Leidenschaft, gelber Karten und kleiner Dramen am Spielfeldrand. Schon in der ersten Minute schien klar: Das wird kein gemütlicher Fußballabend. Pierre Silvestre von Caracas holte sich gleich Gelb ab - offenbar, um sicherzugehen, dass der Schiedsrichter seine Nummer kannte. "Ich wollte einfach Präsenz zeigen", erklärte der Linksverteidiger nach dem Spiel mit einem Grinsen, "vielleicht ein bisschen zu viel Präsenz." Caracas begann mutig, angetrieben vom quirligen Daniel Gebhardt und dem erfahrenen Xavi Eusebio im Mittelfeld. Eusebio war es dann auch, der in der 21. Minute das Stadion erzittern ließ: Nach einem feinen Doppelpass mit Alex Barros zog er aus 18 Metern ab - 1:0! Trainer Eiko Henke sprang jubelnd an die Linie, die Fans auf den Rängen sangen, als wäre das Rückspiel schon entschieden. Doch Washington City hatte andere Pläne. Die Mannschaft von Levi Ackermann - ja, der mit dem stoischen Blick und der fast unheimlichen Ruhe - blieb offensiv, spielte geduldig und lauerte auf die Lücke. "Wir wussten, sie gehen früh drauf. Also warteten wir einfach, bis sie müde wurden", sagte Mittelfeldmotor Achilleas Christou später trocken. Kurz vor der Pause fiel dann der Ausgleich: In der 44. Minute bediente Christou den jungen Stürmer Maurice Haupt, der mit einer Mischung aus Wucht und jugendlichem Übermut den Ball über die Linie drückte. 1:1 - und Real Caracas stand plötzlich ratlos da. Nach der Pause versuchte Henke mit zwei Wechseln (Benito für Stephan, Silvestre für Celine) Stabilität zu schaffen, doch Washington City übernahm die Kontrolle. Mehr Ballbesitz (54 Prozent) und 15 Torschüsse sprachen eine klare Sprache. Caracas kämpfte, kam aber selten gefährlich vors Tor. Gallardo scheiterte mehrfach, einmal spektakulär am langen Arm von Keeper Carlos Martinez. In der 72. Minute dann der Stich ins Herz der Gastgeber: Washingtons Routinier Guy Duchesne nutzte eine Unachtsamkeit in der Defensive eiskalt aus. Nach Vorarbeit von Matthew Combe schob er den Ball mit der Gelassenheit eines Mannes, der schon Hunderte solcher Situationen erlebt hat, ins rechte Eck - 1:2. Henke tobte an der Seitenlinie, forderte mehr Einsatz. "Wir haben Herz gezeigt, aber kein Zielwasser getrunken", sagte er später. Tatsächlich: 11 Torschüsse, kein Treffer mehr. Stattdessen Gelb für Gebhardt (51.) und Stephan (52.), dazu eine Verletzung von Linksverteidiger Benjamin Celine, der humpelnd vom Feld musste. Washington City blieb cool, spielte die Partie routiniert zu Ende. Trainer Ackermann zeigte sich nach dem Spiel typisch unbeeindruckt: "Ein Hinspiel ist nur die halbe Reise. Aber ich mag Flüge, bei denen wir vorne sitzen." Seine Spieler lachten, Duchesne nickte nur und murmelte: "Business Class, Baby." Bei Real Caracas dagegen hingen die Köpfe. Torwart Sergio Cortes, der mehrfach stark parierte, versuchte, das Positive zu sehen: "Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können. Im Rückspiel müssen wir nur eins tun - treffen." Die Statistik unterstreicht den Unterschied: Washington City war nicht zwingend überlegen, aber zielstrebiger. 15 Schüsse aufs Tor, zwei Treffer. Caracas 11 Schüsse, ein Tor. Ballbesitz 54 zu 46 Prozent für die Gäste, Zweikampfquote leicht zu deren Gunsten. Und so endete ein Abend, der für Caracas als Aufbruch begann und mit Ernüchterung schloss. Doch wer die Südamerikaner kennt, weiß: Im Rückspiel werden sie nicht klein beigeben. "Wir fliegen nach Washington, um das Ding zu drehen", versprach Kapitän Barros. "Und diesmal lassen wir die Gelben im Schrank." Ein Augenzwinkern zum Schluss: Wenn Leidenschaft allein Spiele gewinnen würde, hätte Real Caracas gestern 5:1 gewonnen. Aber Fußball bleibt ein Spiel der Effizienz - und Washington City hat gezeigt, dass Präzision manchmal lauter spricht als Pathos. Das Rückspiel verspricht Spannung, Emotionen - und vielleicht wieder eine frühe Gelbe, nur um sicherzugehen, dass der Schiedsrichter wach ist. 03.01.643991 14:18 |
Sprücheklopfer
Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund