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Manchmal genügt ein einziger Moment, ein einziger Schuss, um ein Spiel zu entscheiden. Im mit 40.000 Zuschauern restlos gefüllten Stadion von Waidhofen war es am Dienstagabend Joshua Carsley, der in der 50. Minute den Ball so trocken ins Netz drosch, dass selbst die Anzeigetafel kurz zuckte, bevor sie das 1:0 anzeigte - den einzigen Treffer des Abends. Der SV Waidhofen besiegte damit die favorisierten Veilchen Wien in einem zähen, aber hochintensiven Duell des 31. Spieltags der 1. Liga Österreich. Schon in den ersten Minuten war klar, dass sich hier zwei Mannschaften nichts schenken würden. Wien, von Trainer Olgaar Olgaarson defensiv eingestellt, wollte Ruhe in die Partie bringen. Waidhofen dagegen spielte, als hätte man heimlich beschlossen, alle Laufwege des Abends in die erste Viertelstunde zu packen. "Wir wollten gleich Druck machen, sonst schlafen die Jungs in der Kabine wieder ein", grinste Coach Brigitte Temmel später süffisant. Die ersten Chancen gehörten tatsächlich den Gästen. Wilhelm Rausch prüfte in der 2. Minute Waidhofens Keeper Rui Costinha, der mit einer akrobatischen Parade klärte. Danach verflachte das Spiel ein wenig - nicht etwa, weil es langweilig war, sondern weil beide Teams offenbar das Mittelfeld als Niemandsland betrachteten. In den Rängen hörte man schon nach einer halben Stunde den ersten ironischen Zwischenruf: "Vielleicht schießt ja einer mal aufs Tor!" Dann die Szene, die alles änderte: Fünf Minuten nach der Pause. Duarte Castano, der quirlige Linksfuß, tänzelte am Flügel, ließ zwei Wiener stehen und spielte einen Pass, der so präzise war, dass Carsley nur noch den Spann hinhalten musste. 1:0. Jubel, Rauch, Konfetti. "Ich hab einfach draufgehauen", gab der Torschütze später zu. "Wenn ich nachdenke, geht’s meistens daneben." Die Veilchen reagierten - und zwar mit Wut im Bauch. Olgaarson brüllte an der Seitenlinie, seine Spieler schossen, flankten, dribbelten - und verzweifelten. 13 Torschüsse insgesamt, doch keiner fand den Weg ins Tor. In der 53. Minute wieder Rausch freistehend, doch Costinha war erneut da. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft ich den Ball abgewehrt hab", lachte der Torhüter nach Abpfiff. Wien hatte mehr Ballbesitz (54 Prozent) und die leicht bessere Zweikampfquote, aber das reichte nicht. Manchmal ist Fußball eben kein Zahlenspiel, sondern eine Frage der Nerven. Und die behielten die Hausherren. Selbst als Dirk Peters in der 73. Minute nach überhartem Einsteigen Gelb sah und Wien alles nach vorne warf, blieb Waidhofen cool. "Wir haben das Pressing einfach ignoriert", witzelte Temmel. "Das ist wie bei der Steuererklärung - wenn man’s lange genug liegen lässt, erledigt es sich von selbst." In der Schlussphase versuchte Olgaarson alles. Er brachte den jungen Oskar Burkhardt für den ausgepowerten Yannik Konrad, ließ sogar in der 90. Minute den Ersatztorhüter Marvin Thiele für Hans Haag aufs Feld - ob taktisch oder symbolisch, blieb unklar. "Vielleicht wollte er ein Zeichen setzen", murmelte ein Wiener Fan auf der Tribüne. "Oder er hat einfach gewürfelt." Waidhofen verteidigte den knappen Vorsprung mit einer Mischung aus Leidenschaft und Leichtsinn. Carsley schoss in der 81. Minute noch einmal knapp vorbei, Fynn Schneider prüfte Haag kurz vor Schluss, und auf der Gegenseite drosch Quinter De Maere den Ball in der 88. Minute so weit über das Tor, dass ein Ordner ihn beim Parkplatz wiederfand. Als Schiedsrichterin Sabine Langer abpfiff, lagen sich die Waidhofener Spieler in den Armen, während die Veilchen mit hängenden Köpfen vom Platz trotteten. Die Statistik sprach zwar für Wien, das Ergebnis aber für Waidhofen - und das ist bekanntlich die einzige Zahl, die am Ende zählt. "Wir haben gekämpft, aber das Runde wollte heute einfach nicht ins Eckige", seufzte Olgaarson. Temmel hingegen strahlte: "Ein hässlicher Sieg ist immer noch schöner als ein schöner Verlust." Und so endete ein Abend voller Laufduelle, Gelber Karten und verpasster Chancen mit einem simplen Fazit: Ein Tor genügt, um 40.000 Menschen glücklich zu machen - na ja, außer den Wiener Gästen natürlich. Schlusswort: Waidhofen jubelt, Wien grübelt, und irgendwo in der Statistikabteilung reibt sich jemand die Augen. Wer so wenig Ballbesitz hat und trotzdem gewinnt, beweist, dass Fußball eben doch kein Rechenspiel ist - sondern eine Frage des richtigen Schusses zur richtigen Zeit. 03.09.643993 02:43 |
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Mario Basler