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In Maturín erlebten 29.011 Zuschauer am Donnerstagabend ein Spiel, das man am besten mit dem Begriff "temperamentvolles Patt" beschreibt. AD Monagas und Real Caracas trennten sich 2:2 - ein Ergebnis, das für beide Seiten zu gleichen Teilen Triumph und Ärgernis war. Zwei Mannschaften, die lieber das Risiko als den Rückpass suchen, lieferten sich ein Duell, das taktisch ausgewogen begann und dramatisch endete. Schon die ersten Minuten ließen erahnen, dass hier niemand auf Sicherheit spielen wollte. Monagas trat wie gewohnt offensiv auf, Coachname? Fehlanzeige in der Statistik, aber seine Körpersprache an der Seitenlinie sprach Bände: Hände in den Taschen, Stirn in Falten, als hätte er geahnt, dass dies ein langer Abend werden würde. Real-Trainer Eiko Henke dagegen stand ruhig, fast stoisch, nur gelegentlich rief er: "Ruhig, Männer, ruhig!" - was in der 28. Minute prompt ignoriert wurde. Denn da schlug der erst 19-jährige Vitor Andrade für Caracas zu. Nach Vorlage des routinierten Laurent Lenentine drückte er den Ball aus spitzem Winkel ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Andrade später, "aber dann dachte ich: Warum nicht einfach mal probieren?" - ein Satz, der wohl in die Vereinschronik aufgenommen wird, gleich hinter "Tor ist Tor". Doch Monagas ließ sich nicht lange bitten. Rechtsaußen Ernst Uggla, mit 33 Jahren der wohl erfahrenste Unruhestifter auf dem Platz, wirbelte die Caracas-Abwehr mehrfach durcheinander. In der 45. Minute servierte er den Ball mustergültig für Vitor Pacos, der eiskalt vollstreckte. 1:1 - und der Halbzeitpfiff kam wie eine kurze Gnadenpause nach einem offenen Schlagabtausch. "Wir wussten, dass sie über die Flügel gefährlich sind", erklärte Henke später, "aber dass Uggla noch so schnell ist, hat mich fast nostalgisch werden lassen." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: mit Offensivdrang und leichtem Chaos. Monagas kontrollierte mit 51 Prozent Ballbesitz hauchdünn das Geschehen, während Caracas mit schnellen Vorstößen konterte. In der 64. Minute war es wieder Vitor Pacos, der nach einem durchdachten Pass von Mittelfeldmann Liam Pare die Führung für Monagas erzielte. Das Stadion bebte, und der Stadionsprecher drohte kurz, heiser zu werden. Doch wer dachte, das sei die Entscheidung, hatte die Rechnung ohne Iker Peyroteo gemacht. Der zentrale Mittelfeldspieler von Caracas, sonst eher als Ballverteiler bekannt, traf in der 84. Minute nach Vorlage des eingewechselten Routiniers Phillip Stephan - ein Treffer, der ebenso elegant wie frustrierend für die Gastgeber war. "Ich habe den Ball einfach gespürt", sagte Peyroteo, "und dann nicht mehr nachgedacht." Die letzten Minuten waren ein Festival der Nervosität. Caracas drückte, Monagas konterte, und irgendwo dazwischen verlor der Schiedsrichter kurz den Überblick, als gleich drei Spieler gleichzeitig den Ball reklamierten - in völlig unterschiedliche Richtungen. Statistisch gesehen war das 2:2 fast zwangsläufig: 14 Torschüsse für Monagas, 12 für Caracas, die Tacklingquote nahezu ausgeglichen. Selbst der Ballbesitz unterschied sich kaum. "Das war wie ein Spiegelbild", meinte Monagas-Verteidiger Oscar Mocana, "man wusste nie, ob man gerade angreift oder verteidigt." Trainer Henke wirkte nach dem Abpfiff zufrieden, aber nicht glücklich. "Wir haben Moral gezeigt, aber ich hätte lieber drei Punkte als Komplimente." Auf der anderen Seite grinste Uggla in die Mikrofone: "Zwei Tore vorbereitet, kein Krampf - ich nenne das einen guten Abend." Vielleicht war es genau dieses Gleichgewicht, das das Spiel so charmant machte. Zwei Teams, die sich nichts schenkten, zwei Vitors, die trafen, als hätte das Schicksal Humor, und ein Publikum, das sich am Ende in den Armen lag, weil niemand wirklich verloren hatte. Oder, wie ein alter Fan auf der Tribüne murmelte, während er seine Fahne zusammenrollte: "Wenn schon kein Sieg, dann wenigstens Unterhaltung." Und Unterhaltung, das bekam man an diesem 13. Spieltag der 1. Liga Venezuela reichlich - mit Tempo, Technik und einer Prise Fußballwahnsinn, wie man sie nur in Südamerika findet. 26.10.643990 02:03 |
Sprücheklopfer
Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport und nichts für Tunten.
Axel Kruse nach einer roten Karte