Jamaica News Bulletin
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Villagers retten Punkt in wildem 2:2 gegen Bull Bay

Falmouth - 67.150 Zuschauer, tropische Abendluft und ein Spiel, das man eher auf einem Kindergeburtstag als in der 1. Liga Jamaica erwartet hätte: Die Falmouth Villagers und Bull Bay trennten sich am 8. Spieltag 2:2 - ein Ergebnis, das beiden Teams schmeichelt und den neutralen Beobachter bestens unterhielt.

Schon in der siebten Minute bebte das Stadion, als Jose Maria Longas nach einem butterweichen Pass von Connor Fairchild das Leder aus 16 Metern in den Winkel drosch. "Ich dachte, er flankt", grinste Longas später, "aber dann war der Ball plötzlich im Tor. Da musste ich einfach so tun, als hätte ich es geplant." Falmouth führte, die Fans tanzten, Trainer Hermann Tüllinghoff klatschte zufrieden - doch die Freude hielt keine zehn Minuten.

Denn Bull Bay konterte mit karibischer Leichtigkeit. Fehmi Karaer, quirlig wie ein Kolibri, nutzte in der 13. Minute die Lücke in der Falmouth-Abwehr und traf nach Vorlage von Otto Dahlstrom zum 1:1. "Unsere Abwehr hat kurz Siesta gemacht", knurrte Tüllinghoff später, "und Bull Bay hat uns dafür die Rechnung präsentiert."

Es kam noch dicker: In der 32. Minute rauschte ein gewisser Felix Afzelius - eigentlich rechter Verteidiger und sonst eher bekannt für taktische Fouls als für Traumtore - in den Strafraum und versenkte den Ball eiskalt im langen Eck. 2:1 für Bull Bay, und im Gästeblock wurde getanzt, als gäbe es Freibier.

Doch Falmouth wäre nicht Falmouth, wenn sie nicht mit dem Selbstverständnis einer Hafenstadt zurückkämen. Kurz vor der Pause (43.) legte Amaury Sancho von rechts einen präzisen Pass auf den Fuß von Ashton Bradshaw, und der Stürmer traf flach zum 2:2. Der Jubel war ohrenbetäubend, und Bradshaw brüllte in Richtung Trainerbank: "Das war für dich, Hermann!" - worauf Tüllinghoff nur trocken meinte: "Dann mach mir in der zweiten Halbzeit noch eins, Ashton."

Das tat er zwar nicht mehr, aber langweilig wurde es trotzdem nicht. Nach der Pause folgte ein offener Schlagabtausch: 18 Torschüsse der Villagers, 9 von Bull Bay, dazu ein Ballbesitz von 53 zu 47 Prozent - die Statistiker im Presseraum rieben sich die Hände. Besonders der junge Robert Desjardins prüfte den Bull-Bay-Keeper Andrew Gayheart gleich mehrfach (10., 16., 48., 50.). "Ich hab ihn warmgeschossen", witzelte Desjardins nach Abpfiff, "vielleicht sollte ich Torwarttrainer werden."

Bull Bay blieb über die Flügel gefährlich, vor allem Fehmi Karaer und Juanito Mendez sorgten immer wieder für Unruhe. Doch Falmouths Torwart Ernesto Ferrer, ein Fels in der Brandung, hielt mit stoischer Ruhe. In der 77. Minute versuchte es sogar Innenverteidiger Julian Kaufmann mit einem Kunstschuss, der aber eher an einen Rückpass erinnerte. Dafür sah er in der Nachspielzeit Gelb, weil er Ashton Bradshaw umsäbelte - "reines Missverständnis", wie er später behauptete.

Hermann Tüllinghoff wechselte klug: Erst kam Felix Bachmann zur Pause für Fairchild, dann in der 73. Minute der junge Lucas Huxley, der prompt in der 86. Minute einen gefährlichen Distanzschuss abfeuerte. "Das war sein Bewerbungsschreiben für mehr Einsatzzeit", kommentierte Tüllinghoff mit einem Schmunzeln. Auf der anderen Seite brachte Bull-Bay-Trainer Sports Mann frisches Offensivpersonal - "Ich wollte einfach noch ein Tor sehen, egal von wem", sagte er nach dem Spiel lachend.

Taktisch war es ein Spiel zweier Philosophien: Bull Bay offensiv, Flügel-orientiert, immer auf Risiko; Falmouth balanciert, mit langen Bällen in Halbzeit eins und Kurzpassspiel in Halbzeit zwei. Gegen Ende pressten beide Teams hoch, als wollten sie noch den Sieg erzwingen, doch die Beine waren schwer und die Präzision längst auf Urlaub.

Nach 90 Minuten blieb es beim 2:2 - ein Resultat, das wohl niemanden so richtig glücklich machte. "Wir hätten gewinnen können, vielleicht sogar müssen", meinte Falmouths Kapitän Armandos Fotilas, "aber am Ende war’s wohl gerecht." Bull-Bay-Coach Mann sah’s ähnlich: "Ein Punkt auswärts ist wie ein kaltes Bier - nicht genug, aber immerhin etwas."

Und die Fans? Die Villagers-Anhänger sangen sich fröhlich durch die Nacht, während die Gäste mit einem Schulterzucken in den Bus stiegen. Alles in allem ein Spiel, das zeigte, warum man Fußball liebt: Dramatik, Tore, Fehlpässe und ein Hauch von Chaos - gewürzt mit karibischem Charme.

Oder, wie es ein alter Fan am Ausgang formulierte: "Wenn das hier 0:0 ausgegangen wäre, hätte ich mein Ticket zurückverlangt."

Einverstanden - bei diesem 2:2 bekam jeder, was er wollte: Spannung, Spektakel und ein bisschen Sonne fürs Fußballherz.

18.08.643990 22:05
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