Canadian Soccer
+++ Sportzeitung für Kanada +++

Victoria City verliert das blaue Wunder

Die 40.000 Zuschauer im Victoria-Stadion hatten sich am Freitagabend auf einen packenden Fußballabend gefreut - sie bekamen ihn, wenn auch anders, als es sich die meisten Heimbesucher gewünscht hatten. Am Ende stand ein deutliches 1:3 gegen die Quebec Blues auf der Anzeigetafel, und das Ergebnis war ebenso klar wie verdient.

Schon nach sechs Minuten lag Victoria City hinten. Quebecs rechter Flügelstürmer André Paré nutzte die erste Unaufmerksamkeit der Heimabwehr gnadenlos aus. Nach einer geschmeidigen Vorarbeit von Pascal Parent schob Paré den Ball aus kurzer Distanz ins Netz - 0:1. "Wir wollten druckvoll starten", grinste Paré später, "aber dass es gleich so klappt, war selbst für uns überraschend."

Nur vier Minuten später traf Diego Sousa zum 0:2. Kobe Piersens hatte sich auf der linken Seite Platz verschafft, flankte butterweich in die Mitte, wo Sousa mit der Gelassenheit eines Routiniers vollendete. Das Publikum stöhnte kollektiver als bei einem Kinovorfilm.

Victoria City wirkte in dieser Phase wie eine Band, die das falsche Lied anstimmt - viel Rhythmus, aber keine Melodie. Dabei hatten sie mit über 54 Prozent Ballbesitz statistisch die Oberhand. Doch was hilft der schönste Walzer, wenn der Tanzpartner ständig über die eigenen Füße stolpert? Zwei kümmerliche Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände.

In der 37. Minute keimte kurz Hoffnung auf. Pedro Brito, der linke Mittelfeldmann der Hausherren, fasste sich ein Herz, zog nach innen und hämmerte die Kugel nach Vorlage von Luke Adams unhaltbar in den Winkel. Ein herrlicher Treffer - und das Stadion erwachte. "Da dachte ich: Jetzt kippt das Ding!", erzählte Brito später. Doch kaum hatte Victoria City das Feuer entfacht, goss Quebec eiskaltes Wasser darüber.

Vier Minuten nach Britos Anschluss, in der 41. Minute, erhöhte ausgerechnet Quebecs linker Verteidiger Matthijs Coster auf 1:3. Nach feinem Zusammenspiel mit Olivier Krieger rauschte der Ball an Freund und Feind vorbei ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Coster schmunzelnd zu, "aber manchmal entscheidet der Fußballgott eben für dich."

Danach war die Partie im Grunde entschieden. Quebec stand kompakt, lauerte auf Konter, und Victoria fand keine Lücke. Trainer Lutz Lindemann, der im blauen Anzug an der Seitenlinie eher wie ein Dirigent denn ein Coach wirkte, war sichtlich zufrieden: "Das war erwachsen, das war effizient. Wir haben nicht nur schön gespielt, wir haben auch die Tore gemacht - ein seltenes Phänomen im modernen Fußball."

Die Gastgeber dagegen suchten nach Erklärungen. Torhüter Bruno Marchand, der trotz der drei Gegentreffer zu den Besseren gehörte, seufzte: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Vielleicht sollten wir mal tauschen." Trainerkommentare blieben spärlich, was vermutlich besser so war.

Statistisch gesehen war der Abend eine kleine Lehrstunde in Effizienz. Quebec brachte 19 Torschüsse zustande, Victoria nur zwei. Trotz des leicht höheren Ballbesitzes der Heimelf hatten die Blues immer das Gefühl, eine Klasse fokussierter zu sein. Ihre offensive Ausrichtung, gepaart mit aggressivem Zweikampfverhalten, zahlte sich aus. Selbst nach dem beruhigenden Vorsprung blieb das Team spielfreudig, wechselte klug - Polikarp Iwanow ersetzte den müden Nikoloudis, später kam Oldie Oscar Sancho, um das Mittelfeld zu beruhigen, und am Ende durfte Nachwuchsstürmer Olivier Young noch ein paar Minuten Profiluft schnuppern.

Bei Victoria City hingegen blieb die Bank still. Das Team spielte brav, fast zu brav. Kein Pressing, kein Risiko, kein Aufbegehren. "Wir wollten kontrollieren, nicht rennen", murmelte ein Spieler beim Verlassen des Rasens. Leider kontrollierte nur einer - und das war der Gegner.

Als Schiedsrichter Andrews nach 95 Minuten abpfiff, applaudierten die Quebec-Fans ausgelassen, während die Heimanhänger in betretenes Schweigen verfielen. Manche pfiffen, andere schüttelten nur den Kopf.

"Wir haben Lehrgeld bezahlt", sagte Pedro Brito, bevor er in der Kabine verschwand. "Aber wenigstens ein schönes Tor geschossen - das nehmen wir mit."

Ein schöner Trost, gewiss. Doch wenn Victoria City in dieser Liga bestehen will, muss mehr kommen als gepflegtes Ballgeschiebe. Quebec Blues zeigte an diesem Abend, wie man mit Mut, Tempo und einem Hauch Frechheit auch auswärts die Musik bestimmt. Und Victoria? Die übt wohl vorerst weiter - am besten mit Metronom.

18.03.643994 21:18
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Unsere Chancen stehen 70:50.
Torsten Legat
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager