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59.000 Zuschauer hatten sich an diesem kühlen Januarabend im Stuttgarter Stadion eingefunden, um den VFL zum achten Spieltag der 1. Liga Deutschland gegen den SC Verl anzufeuern. Sie bekamen ein Spektakel - allerdings eines, das am Ende vor allem die Gäste feierten. 1:3 hieß es nach 90 intensiven Minuten, in denen Verl clever, abgezockt und mit erstaunlicher Kaltschnäuzigkeit auftrat. "Wenn man so verteidigt, als wäre der Ball radioaktiv, dann verliert man halt", knurrte Stuttgarts Trainer Venni Mislintat nach dem Spiel. Der Satz passte zur Stimmung auf der heimischen Bank, denn nach einer engagierten, aber naiven Vorstellung blieb nur Frust. Es begann eigentlich vielversprechend: Schon in der zweiten Minute prüfte Carles Herreros den jungen Verl-Keeper Jacob Mayer mit einem satten Schuss aufs kurze Eck. Doch der 19-Jährige, blutjung und furchtlos, parierte mit einer Selbstverständlichkeit, als würde er seit zehn Jahren Bundesligaluft schnuppern. "Ich hab einfach nur gehofft, dass er mich trifft - und das hat er", grinste Mayer später. In der 38. Minute dann die kalte Dusche: Johann Naumann setzte sich auf der linken Seite durch, flankte halbhoch in den Strafraum, und Sascha Kirsch, der Routinier im Verl-Angriff, nahm den Ball direkt. Zack - 0:1. Der Jubel im Gästeblock war ohrenbetäubend, und der VFL wirkte kurz wie eingefroren. In der Pause muss Mislintat deutliche Worte gefunden haben, denn nach dem Seitenwechsel kamen die Stuttgarter mit Wut im Bauch zurück. Es dauerte nur bis zur 53. Minute, ehe Gleb Schalimow nach feinem Zuspiel von Noach Van Duzen den Ausgleich erzielte. Das Stadion explodierte - doch die Euphorie hielt kaum sieben Minuten. Denn kaum hatte Stuttgart seine Offensivformation auf "alles nach vorn" gestellt, schlug Verl eiskalt zurück. Der eingewechselte Marco Erdmann, 19 Jahre jung und offenbar ohne Nerven, traf in der 60. Minute nach einer butterweichen Flanke von Tobias Franke zum 1:2. "Ich hab gar nicht gesehen, dass er drin war", gestand Erdmann hinterher lachend. "Aber die Jungs haben so geschrien, da wusste ich’s." Nur sieben Minuten später dann der endgültige Nackenschlag: Wieder Kirsch, wieder eiskalt. Diesmal nach Vorarbeit des quirligen Volker Langer. 1:3 - und das Stadion wurde still wie eine Bibliothek. Die Stuttgarter versuchten noch einmal alles, spielten mit 51 Prozent Ballbesitz und feuerten insgesamt zwölf Torschüsse ab, während Verl mit neun Abschlüssen auskam. Doch Effizienz schlägt Ästhetik, und der SC Verl war an diesem Abend das Paradebeispiel dafür. Es half auch nichts, dass der VFL wütend anlief. Guillaume Berthier ließ sich in der 50. Minute zu einem taktischen Foul hinreißen, sah Gelb - und nur eine Minute später Gelb-Rot. "Ich wollte einfach zeigen, dass ich da bin", sagte der junge Franzose zerknirscht. Seine Trainerbank zeigte weniger Verständnis: "Das war das dümmste Doppelfoul seit Erfindung des Trikots", murrte Mislintat. Mit einem Mann weniger war die Partie gelaufen. Zwar versuchten Lionel Vidigal und Stanislaw Sanew in den Schlussminuten noch, den Anschluss zu erzwingen, aber die Abschlüsse verpufften wirkungslos. Verl verteidigte mit jugendlicher Frechheit und der Ruhe einer Mannschaft, die wusste, dass sie an diesem Abend alles im Griff hatte. Trainer Big Bang - ja, der Name ist Programm - grinste nach dem Abpfiff verschmitzt: "Wir wollten eigentlich defensiv stehen und kontern. Dann haben wir gemerkt, dass Stuttgart das für uns übernimmt." In der Mixed Zone summte jemand scherzhaft: "Verl tanzt den Schwabenwalzer", und die Spieler klatschten lachend ab. Sascha Kirsch, Doppeltorschütze und Mann des Spiels, blieb bescheiden: "Ich hatte einfach einen guten Tag. Und einen noch besseren Passgeber." Stuttgart indes bleibt ratlos zurück. Trotz mehr Ballbesitz, trotz engagiertem Auftreten - am Ende fehlen Punkte, Struktur und vielleicht auch ein bisschen Glück. Venni Mislintat verabschiedete sich mit den Worten: "Wir waren heute das schönere Team - aber leider nur im Spiegelbild." Ein Satz, der bleiben dürfte. So wie dieses Spiel, das wieder einmal zeigte, dass Fußball nichts mit Gerechtigkeit, aber viel mit Timing zu tun hat. Und während die Verl-Fans auf der Heimfahrt vermutlich noch über "ihre Jungs" singen, werden die Stuttgarter Spieler am Trainingsplatz wohl vor allem eins tun: Laufarbeit. Viel Laufarbeit. 10.04.643987 03:32 |
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