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Der letzte Spieltag der Saison 2025/26 brachte noch einmal Fußballwetter vom Feinsten - und 56.443 Zuschauer in die Stuttgarter Arena, die sich am Ende über ein verdient souveränes 2:0 ihres VfL gegen Dynamo Dresden freuen durften. Zwei Tore von Noach Van Duzen machten den Unterschied in einer Partie, die sich lange weigerte, Fahrt aufzunehmen - bis der Rechtsaußen beschloss, das Heft des Handelns selbst in die Hand zu nehmen. "Ich dachte mir irgendwann: Wenn keiner trifft, muss ich halt ran", grinste Van Duzen nach dem Abpfiff, während er sich das Schweißband von der Stirn zog. Und tatsächlich war es der 27-Jährige, der das Spiel in Minute 55 mit einem präzisen Abschluss nach Vorlage von Luis Contreras auf die Siegerstraße brachte. Ein Treffer, der fast aus dem Nichts kam - und doch symptomatisch für die Stuttgarter Geduld: erst abwarten, dann zuschlagen. Bis dahin hatte Dynamo Dresden durchaus mitgespielt. Trainer Dynamo Dresden (ja, der Name sorgt in der Pressetribüne immer noch für hochgezogene Augenbrauen) ließ seine Mannschaft mutig anlaufen, früh pressen - und hatte in den ersten zwanzig Minuten sogar mehr vom Spiel. Lucas Klose prüfte Stuttgarts Keeper Jaime Oliveira bereits in der 9. Minute, Alexander Lopez legte kurz darauf nach. Doch danach verflachte das Offensivspiel der Sachsen. "Wir hatten gute Ansätze, aber dann ging uns irgendwie die Luft aus", seufzte Kapitän Uwe Völker später in der Mixed Zone. Der VfL Stuttgart kam dagegen nur langsam in Schwung. Trainer Venni Mislintat hatte seine Elf offensiv ausgerichtet, aber ohne übermäßigen Druck - "wir wollten Fußball spielen, nicht rennen wie auf dem Jahrmarkt", erklärte er mit einem Augenzwinkern. Juanito Brito versuchte es zweimal aus der Distanz, Guillaume Berthier prüfte Dresdens jungen Keeper Antonio Plataci, doch zur Pause blieb es beim torlosen 0:0. Die Halbzeit brachte dann Bewegung: Mislintat wechselte gleich doppelt - unter anderem kam der 18-jährige Maurizio Corone zu seinem Debüt im Tor, nachdem Oliveira wegen einer leichten Oberschenkelverhärtung passen musste. "Ich hatte kurz weiche Knie, aber dann hat mich William Lujan angebrüllt: ’Du packst das, Junge!’ - da war ich wieder da", erzählte Corone lachend. Und tatsächlich: Kurz nach Wiederanpfiff wackelte das Netz - allerdings auf der anderen Seite. Van Duzen verwertete in der 55. Minute einen Konter über Contreras eiskalt. Dresden, nun im Rückstand, versuchte zu reagieren, doch die Offensivbemühungen blieben Stückwerk. Jan Erdmanns Versuch in der 76. Minute landete in den Armen des jungen Corone, der sich damit endgültig in die Herzen der Fans spielte. Während Dynamo seine Pressinglinie immer weiter nach vorne schob, lauerte Stuttgart auf Konter. In der 90. Minute dann die Entscheidung: William Lujan behauptete den Ball an der Strafraumgrenze, legte quer - und erneut Van Duzen, diesmal mit der Innenseite, sorgte für das 2:0-Endergebnis. Die Arena tobte, die Fans sangen, und Mislintat klatschte mit seinem Torschützen ab, als wäre gerade die Meisterschaft gewonnen. Statistisch gesehen war das Spiel erstaunlich ausgeglichen: 49 Prozent Ballbesitz für Stuttgart, 51 für Dresden. Doch die Schwaben schossen zwölfmal auf das Tor, während Dynamo nur dreimal wirklich gefährlich wurde. "Wenn du so viele Chancen hast, musst du sie irgendwann machen", sagte Van Duzen - und grinste, als er hörte, dass beide Treffer von ihm stammten. "Dann hab ich wohl meinen Soll erfüllt." Dynamo-Trainer Dresden blieb gelassen: "Wir sind jung, wir lernen. Heute hat man gesehen, dass Erfahrung manchmal wichtiger ist als Lauffreude." Sein Team hatte sich bemüht, in der Schlussphase sogar aggressiver agiert, aber ohne Fortune. Der VfL Stuttgart verabschiedete sich damit mit einem Heimsieg aus der Saison - und mit der Erkenntnis, dass die Mischung aus jugendlicher Frische und abgeklärter Routine durchaus funktioniert. "Wenn wir das nächste Jahr so weitermachen, wird’s spannend oben in der Tabelle", versprach Mislintat, bevor er in der Kabine verschwand - vermutlich, um Van Duzen eine wohlverdiente Kiste Kaltgetränke zu spendieren. Und während die Fans nach dem Schlusspfiff noch "VfL ole" in den Nachthimmel sangen, summte der junge Corone leise in sich hinein: "Was für ein Abend." Ein Abend, der Stuttgart lächeln ließ - und Dresden mit der Erkenntnis zurückließ, dass Offensivgeist zwar schön ist, aber Tore eben doch entscheiden. 05.05.643990 16:50 |
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