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Der Sonntagabend in Stuttgart bot alles, was Fußballherzen höherschlagen lässt: fünf Tore, zwei Gelbe Karten, ein aufbrausender Trainer und 56.700 Zuschauer, die zwischen Euphorie und Nervenzusammenbruch pendelten. Am Ende jubelte der VfL Stuttgart über ein 3:2 gegen den SC Hamburg - ein Ergebnis, das ebenso verdient wie hart erkämpft war. Schon in der zweiten Minute zischte der erste Schuss von Joshua Rausch knapp am Pfosten vorbei, und man ahnte: Heute wird’s turbulent. Nur zehn Minuten später setzte Innenverteidiger Eduardo Cabrero ein frühes Ausrufezeichen. Nach einer Ecke von Riccardo Ottonello stieg der 31-Jährige am höchsten und köpfte das Leder unhaltbar in die Maschen - 1:0 in der 12. Minute. "Ich hab’ einfach die Augen zu und den Kopf hin", grinste Cabrero später, "und gehofft, dass keiner im Weg steht." Kaum hatten die Hamburger die Köpfe wieder oben, da klingelte es erneut. Eine Minute später nutzte Gleb Schalimow einen Abpraller, schob eiskalt zum 2:0 ein und rannte mit ausgestreckten Armen in Richtung der Cannstatter Kurve. "Ich hab’s schon gerochen, dass der Ball wieder rausspringt", sagte der Mittelstürmer mit einem Augenzwinkern. Der SC Hamburg, von Trainer Tim Engel gewohnt aufgeräumt und taktisch diszipliniert, brauchte eine Weile, um sich zu sortieren. Erst in der 42. Minute kam Hoffnung auf, als Jack Chevallier nach Vorarbeit von Alf Ibsen den Ball trocken ins rechte Eck setzte. 2:1 - und plötzlich wurde es wieder ein Spiel. Die Pause kam für Stuttgart wohl etwas zu früh. Direkt nach Wiederanpfiff, in der 47. Minute, glich Hamburg durch Nestor Caballero aus. Nach feinem Doppelpass mit Olaf Wagner ließ der Argentinier VfL-Keeper Gabriel Greenwald keine Chance. "Da haben wir kurz geschlafen", knurrte Stuttgarts Trainer Venni Mislintat nach dem Spiel. "Und zwar alle elf gleichzeitig." Doch die Antwort folgte prompt. Eine Minute später, 48. Spielminute, zog Luis Contreras aus zwanzig Metern ab - das Netz zappelte, das Stadion tobte. 3:2! "Ich wollte eigentlich flanken", gab Contreras lachend zu, "aber manchmal hilft der Zufall mehr als die Taktiktafel." Danach entwickelte sich eine Partie, die weniger etwas für Feingeister war, sondern mehr für die Freunde des gepflegten Herzklopfens. Hamburg hatte mehr Ballbesitz (53,5 Prozent), Stuttgart die besseren Zweikämpfe (52,8 Prozent) und vor allem die klareren Chancen - 16 Torschüsse gegenüber 8 der Gäste sprechen eine deutliche Sprache. In der 63. Minute wechselte Mislintat den ausgepumpten Ottonello aus und brachte Tyler Montgomery. Später kam der junge Marcio Dominguez für Henry Prentiss - und brachte ordentlich Betrieb über die rechte Seite. "Der Bub hat keine Angst, das merkt man", lobte der Trainer. Hamburg versuchte alles, drängte, kombinierte, und Jack Chevallier prüfte Greenwald in der 71. Minute mit einem satten Distanzschuss. Doch der VfL-Keeper fischte den Ball mit einer Flugeinlage aus dem Winkel - ein Moment, der vom Publikum mit einem kollektiven Aufatmen quittiert wurde. Die Schlussphase war dann ein Wechselbad der Gefühle. Nestor Caballero rauschte in der 72. Minute erneut in den Strafraum, doch der Abschluss landete in den Händen des Torwarts. Eine Minute später sah Hamburgs Rechtsverteidiger Harrison Ramsay Gelb nach einem rustikalen Einsteigen - sinnbildlich für den Frust der Gäste. "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht", resümierte Hamburg-Coach Engel. "Aber Stuttgart war galliger, das muss man anerkennen." Stuttgart hingegen feierte ausgelassen. Schalimow sprang nach Abpfiff auf Cabreros Rücken, Contreras posierte für Selfies mit Balljungen, und Mislintat umarmte gefühlt jeden Ordner. "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte", brummte er, bevor er in der Mixed Zone verschwand. So bleibt der VfL Stuttgart nach dem vierten Spieltag im Soll und beweist, dass Einsatz manchmal mehr zählt als Ballbesitz. Hamburg hingegen wird sich fragen, wie man mit so viel Kontrolle so wenig Zählbares herausholen kann. Am Ende bleibt ein Abend voller Emotionen, kleiner Dramen und großer Erleichterung. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen seufzte: "Wenn das so weitergeht, brauch ich bald Herztabletten - aber bitte die mit VfL-Logo drauf." 22.02.643987 19:32 |
Sprücheklopfer
Die sollen sich nicht so anstellen, bei mir zählen nur glatte Brüche als Verletzungen.
Otto Rehhagel