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Ein kühler Pokalabend in Stuttgart, 56.335 Zuschauer mit Schal, Zipfelmütze und der obligatorischen Stadionwurst - und ein Spiel, das zwar kein Feuerwerk, dafür aber ein Musterbeispiel für taktische Geduld war. Am Ende jubelt der VfL Stuttgart über ein 1:0 gegen Kaiserslautern und zieht damit ins Halbfinale ein. Und das dank eines Mannes, der den Ball so trocken in die Maschen setzte, als wäre es ein Trainingskick am Dienstagmorgen: Joshua Rausch. Schon in der ersten Minute zeigte Stuttgart, dass sie keine Gäste zum Tee eingeladen hatten. Linksverteidiger Riccardo Ottonello prüfte den Lauterer Keeper Santiago Ferreira mit einem satten Schuss - ein Weckruf der rustikaleren Sorte. "Wir wollten zeigen, dass wir hier zu Hause sind", meinte Trainer Venni Mislintat später mit einem Grinsen, "und Riccardo hat das offenbar sehr wörtlich genommen." Kaiserslautern hingegen versuchte, das Spiel mit Kontern zu öffnen. Ihr Coach Harvey Specter, der auch an der Seitenlinie eher aussah, als würde er gleich einen Gerichtssaal betreten statt ein Spielfeld, ließ wie gewohnt auf Balance und schnelle Umschaltmomente setzen. Doch die Defensive der Schwaben stand sicher - und wenn mal was durchkam, griff Torwart Jaime Oliveira rechtzeitig zu. In der 21. Minute fiel dann die Szene des Abends: Maxim Tillman, der mit elegantem Kurzpassspiel glänzte, steckte den Ball perfekt in den Lauf von Joshua Rausch, der aus halbrechter Position flach ins lange Eck abschloss - 1:0. Das Stadion explodierte, und Rausch rannte jubelnd in Richtung Cannstatter Kurve. "Ich hab’s gar nicht richtig gesehen, nur gespürt, dass er drin ist", sagte Rausch später, noch mit Rasenstücken im Haar. Nach dem Führungstreffer blieb Stuttgart am Drücker. Lionel Vidigal, quirlig wie eh und je, versuchte es gleich mehrfach (10., 28., 68., 69., 75., 86. Minute) - ein Feuerwerk an Energie, aber ohne Fortune. "Wenn der Junge irgendwann das Zielwasser findet, wird’s gefährlich für die Liga", scherzte Mislintat. Kaiserslautern kam sporadisch zu Chancen über Javi Alvar und Riley Lockwood, doch die Schüsse waren eher höflich als zwingend. Vier Torschüsse insgesamt, laut Statistik - die Defensive des VfL ließ sich selten in Verlegenheit bringen. "Uns hat die letzte Idee gefehlt", gab Specter nach der Partie zu. "Vielleicht hätten wir weniger auf Konter und mehr auf Mut setzen sollen. Aber gut, das ist jetzt leicht gesagt, wenn man draußen friert und die anderen feiern." Im zweiten Durchgang verwaltete Stuttgart clever. Vicente Valente und Uwe Schubert zogen im Mittelfeld die Fäden, während Ottone... pardon, Ottonello, hinten kompromisslos abräumte. Einmal krachte’s heftig, als Valente beim Schuss in der 88. Minute den Ball fast samt Torwart ins Netz beförderte - nur fast. Kurz vor Schluss dann eine Schrecksekunde: Innenverteidiger Ricardo Frechaut verletzte sich und musste raus. Für ihn kam Eduardo Cabrero, der die letzten Minuten routiniert runterspielte. "Er meinte, er könne weiterlaufen", erzählte Mislintat, "aber wenn einer humpelt wie ein alter Stier, dann nehme ich ihn lieber raus." Der eingewechselte Nachwuchskeeper Maurizio Corone durfte in der 88. Minute noch Pokalluft schnuppern - eine symbolische Geste, die das Publikum mit Applaus quittierte. Und als Schiedsrichter Götz in der 93. Minute abpfiff, war klar: Stuttgart steht verdient im Halbfinale. Die Zahlen untermauern das: 17 Stuttgarter Torschüsse gegen 4 Lauterer, 52,5 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, Zweikampfquote 56 zu 44 Prozent - das ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer kontrollierten Offensive. "Wir haben nicht alles richtig gemacht, aber das Entscheidende schon", bilanzierte Mislintat mit einem zwinkernden Blick zur Presse. "Und das war: ein Tor mehr schießen als der Gegner." Rausch wiederum grinste nur: "Wenn wir so weitermachen, brauchen wir bald neue Pokalvitrinen." Ein Satz, der im schwäbischen Dialekt wie eine Prophezeiung klingt. Und wer weiß - vielleicht war dieser Arbeitssieg der erste Schritt zu etwas Größerem. Fazit des Abends: Kein Glanzspiel, aber eins fürs Herz. Stuttgart kämpft, Kaiserslautern kontert, das Flutlicht flackert - und am Ende jubelt der VfL. Wie sagte ein Zuschauer auf der Tribüne treffend: "Schöner wird’s nimmer, aber weiter schon." 15.11.643987 21:47 |
Sprücheklopfer
Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport und nichts für Tunten.
Axel Kruse nach einer roten Karte