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59.000 Zuschauer im Stuttgarter Stadion hielten am Donnerstagabend den Atem an, als Gleb Schalimow zum letzten Elfmeter anlief. Der Ball zischte halbhoch rechts ins Netz - und plötzlich explodierte das Stadion. Nach 126 nervenaufreibenden Minuten stand fest: Der VfL Stuttgart ist Pokalsieger 2026, mit 8:7 nach Elfmeterschießen gegen den tapferen SC Verl. Dabei hatte zunächst alles nach einer Verl-Sensation ausgesehen. Schon in der 17. Minute brachte der junge Rechtsaußen Volker Langer die Ostwestfalen in Führung. Über die linke Seite eingeleitet von Morgan Perlman, drosch Langer den Ball aus 14 Metern ins linke Eck - unhaltbar für VfL-Keeper Jaime Oliveira. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Langer später, "normalerweise fliegt der Ball dann auf den Parkplatz." Der VfL, unter Trainer Venni Mislintat gewohnt offensiv eingestellt, suchte verzweifelt die Lücken in Verls kompakter Defensive. Doch die Gäste verteidigten mit der Disziplin eines Schachgroßmeisters - und der Leidenschaft einer Mannschaft, die wusste, dass sie nur mit Herzblut bestehen konnte. 53 Prozent Ballbesitz für Verl, das sagt schon einiges. Stuttgart rannte, passte, flankte - aber kam kaum durch. "In der Halbzeit hab ich den Jungs gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Schmutz an den Knien", verriet Mislintat nach dem Spiel. Seine Worte wirkten. Nach der Pause erhöhte Stuttgart das Tempo, brachte mit Noach Van Duzen einen frischen Flankengott und stellte auf noch offensiver um. Verl hingegen lauerte auf Konter, doch die Beine wurden schwer, und die entlastenden Flanken blieben aus. In der 77. Minute kam der Moment des Ausgleichs: Luis Contreras setzte sich im Mittelfeld durch, spielte einen Pass mit chirurgischer Präzision in den Lauf von Gleb Schalimow, der eiskalt blieb und zum 1:1 einschob. "Ich hatte so viel Zeit, ich dachte kurz über meinen nächsten Urlaub nach", witzelte Schalimow später. Danach spielte nur noch Stuttgart. 16 Torschüsse insgesamt zeugen von Dauerbeschuss, während Verl auf 13 kam. Besonders in der Verlängerung wurde es wild: Schalimow prüfte Keeper Mayer in der 120. Minute gleich zweimal, Carl Derlei verfehlte kurz darauf knapp. Verl dagegen verteidigte mit allem, was Beine und Lunge hergaben. Und dann kam das Elfmeterschießen - jener grausame Fußballmoment, in dem Helden und Pechvögel geboren werden. Stuttgart verwandelte sieben von sieben, Verl ebenfalls - bis Lasse König, der sonst so verlässliche Linksverteidiger, zum Punkt schritt. Der Ball flog in die Nacht, irgendwo in Richtung Cannstatter Kurve. "Ich hab den Ball immer noch nicht gefunden", raunte ein Ordner danach, halb lachend, halb mitleidig. Schalimow war es vorbehalten, den Schlusspunkt zu setzen. Der 28-Jährige, schon Ausgleichstorschütze, drosch den Ball ins Netz und riss die Arme hoch. "Ich wusste, dass ich ihn mache. Wir hatten im Training so oft geübt, dass ich fast schon Albträume von Elfern habe", sagte er. Verls Trainer Big Bang - der Name ist Programm - nahm die Niederlage mit Humor: "Wenn man das Finale im Elfmeterschießen verliert, hat man eigentlich gewonnen - nur halt nicht den Pokal." Seine Mannschaft hatte sich teuer verkauft, kämpfte mit Herz und Verstand, und brachte den Favoriten an den Rand der Verzweiflung. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen: Stuttgart hatte leicht mehr Torschüsse, Verl etwas mehr Ballbesitz. Die Gelben Karten verteilten sich gerecht - Innes und Franke für Verl, Daens und später Van Duzen für Stuttgart. Die Verlängerung war dann eher ein konditioneller Überlebenskampf als ein fußballerisches Feuerwerk. Als Kapitän Dirk Maus schließlich den Pokal in den Nachthimmel stemmte, sah man bei Mislintat kurz das Glitzern in den Augen. "Das ist kein Glanzfußball gewesen, aber es war Charakterfußball", sagte er - und verschwand mit einem Lächeln in der Spielertunnel. Verl hingegen nahm die Medaillen mit erhobenem Kopf entgegen. Volker Langer, der frühe Torschütze, fasste es am besten zusammen: "Heute waren wir nur einen Elfmeter vom Märchen entfernt." So endete ein Finale, das alles hatte: Dramatik, Helden und Tragödien - und einen Pokalsieger, der in der Verlängerung des Mutes siegte. Stuttgart jubelt, Verl trauert - und der Fußball lacht, weil er wieder einmal die schönste Form des Wahnsinns gezeigt hat. 26.09.643993 04:48 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: