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Es war ein nasskalter Abend in Verl, aber 37.846 Zuschauer ließen sich das Spektakel am 7. Spieltag der 1. Liga Deutschland nicht entgehen. Und sie wurden belohnt - nicht mit Spannung, sondern mit Dominanz. Der SC Verl machte kurzen Prozess mit Borussia Fulda, gewann 2:0 und hätte, ehrlich gesagt, auch 5:0 gewinnen können. Schon in der zweiten Spielminute sorgte Sascha Kirsch für den ersten Paukenschlag. Der rechte Flügelstürmer des SCV nahm einen feinen Pass von Mike Lutz auf, schaute kurz - und zimmerte den Ball ins linke Eck. Fulda-Keeper Lasse Lehmann sah die Kugel wohl erst, als sie schon hinter ihm zappelte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Lehmann später mit einem gequälten Lächeln. Kirsch dagegen grinste: "Ich hatte heute einfach Lust - und offenbar auch etwas Zielwasser im Tee." Verl blieb danach im Dauerangriff. Schon nach acht Minuten prüfte Tomas Rodriguez den Keeper, dann Morgan Perlman, dann wieder Kirsch. Es war, als hätte Trainer Big Bang seine Jungs mit einem Espresso-Infusionssystem ausgestattet. Fulda dagegen? Nun ja, sie standen kompakt - so kompakt, dass sie offensiv praktisch unsichtbar blieben. Kein einziger Torschuss fand den Weg Richtung Torwart Bernd Ledig. Nicht einer. "Wir wollten aus einer stabilen Ordnung heraus kontern", erklärte Gästecoach Ali Baba nach dem Spiel. "Leider kam der Ball nie zu uns." Ein Satz, der die Partie besser zusammenfasst als jede Statistik. Statistisch gesehen war es ein Spiel auf ein Tor: 19 Torschüsse für Verl, null für Fulda. 59 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von fast 60 Prozent - die Hausherren kontrollierten Ball, Raum und Zeit, als hätten sie ein Patent darauf. Trainer Bang, nicht gerade als Mann der leisen Worte bekannt, kommentierte das mit einem zufriedenen Nicken: "Wir haben heute erwachsen gespielt - na gut, bis auf die Szene, in der Edward Innes dachte, Gelb würde ihm stehen." In der 69. Minute sah Innes die Karte, nachdem er sich zu energisch in einen Zweikampf geworfen hatte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich wach bin", verteidigte sich der Innenverteidiger später lachend. Fulda sammelte ebenfalls zwei Gelbe - Jacopo Locatelli (28.) und Alfred Samuelsson (57.) hielten wenigstens farblich dagegen, wenn schon nicht spielerisch. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Verl belagerte das gegnerische Tor. Joel O’Brien, der 19-jährige Mittelstürmer mit dem Charme eines Schulbuben und der Kaltschnäuzigkeit eines Routiniers, kam gleich mehrfach gefährlich zum Abschluss. In der 85. Minute wurde er für seine Beharrlichkeit belohnt: Wieder war Mike Lutz der Vorlagengeber, O’Brien schob überlegt ein - 2:0, Deckel drauf, Lichter aus. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", sagte O’Brien bescheiden. "Mike macht die ganze Arbeit, ich krieg den Applaus." Lutz, der stille Regisseur im Mittelfeld, schmunzelte: "Das ist Teamarbeit - einer läuft, einer denkt, einer trifft. Heute durfte ich zweimal denken." Fulda versuchte in den letzten Minuten, wenigstens einen Ehrenschuss zu platzieren, doch der blieb ein Traum. Stattdessen probierte Verl noch ein paar Distanzschüsse - Rodriguez in der 90., Kirsch in der Nachspielzeit - zur Freude der Fans, die längst feierten. Taktisch war das Ganze eine klare Sache. Verl startete noch verhalten, wurde ab Minute 45 zunehmend offensiver, spielte über die Flügel und drängte Fulda tief in die eigene Hälfte. Pressing? Fehlanzeige - brauchte man nicht, wenn der Gegner ohnehin nie den Ball hatte. Fulda hielt an seiner "balancierten" Philosophie fest, was in diesem Fall bedeutete: Man balancierte zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Nach Abpfiff standen die Spieler des SC Verl Arm in Arm vor der Kurve, während Big Bang zufrieden in die Hände klatschte. "So macht Fußball Spaß", sagte er - und fügte mit einem Seitenblick auf die Statistik hinzu: "Wenn wir das nächste Mal aus 19 Schüssen vier Tore machen, spendier ich Kaffee für alle." Ein Reporter fragte den Fuldaer Trainer, was er seiner Mannschaft nun sage. Ali Baba antwortete trocken: "Dass man Spiele nicht gewinnt, wenn man nicht aufs Tor schießt." Treffender lässt sich das 0:2 kaum zusammenfassen. So blieb am Ende ein klarer Heimsieg und die Erkenntnis: Wer in Verl bestehen will, braucht mehr als gute Absichten. Vielleicht auch einfach mal einen Schuss. Und während die Flutlichtmasten verlöschten, murmelte ein älterer Fan auf der Tribüne: "Schön war’s. Nur ein bisschen kurz - aber wenn die anderen nicht mitspielen, kann man’s ja auch nicht ändern." 29.03.643987 14:02 |
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