Sportwoche
+++ Sportzeitung für Österreich +++

Veilchen-Wunder in Waidhofen: Vom 0:2 zum 3:2 - ein violettes Lehrstück in Geduld

Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die selbst Drehbuchautoren als zu kitschig ablehnen würden. Der 33. Spieltag der 1. Liga Österreich zwischen dem SV Waidhofen und Veilchen Wien war so eine Geschichte: 40.000 Zuschauer sahen, wie die Gastgeber erst wie künftige Helden aussahen - und am Ende nur noch Statisten im eigenen Drama waren. 2:3 (1:0) lautete das Endergebnis, und wer in der 50. Minute kurz Bier holen war, kam zurück und konnte seinen Augen nicht trauen.

Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Waidhofen startete mit offenem Visier, offensiv ausgerichtet, von Trainerin Brigitte Temmel mutig eingestellt. Schon in der 2. Minute prüfte der 19-jährige Julian Korn den Wiener Keeper Hans Haag - der mit einer Glanzparade seinen Arbeitstag früh eröffnete. Die Gäste wirkten in dieser Phase wie ein Team, das noch im Bus sitzt. "Wir waren gedanklich wohl noch auf der Tangente", gestand später Veilchen-Coach Olgaar Olgaarson schmunzelnd.

In der 33. Minute belohnte sich Waidhofen für den dominanten Auftritt: David Beauvilliers, der flinke Franzose auf links, zirkelte den Ball nach feiner Einzelaktion ins lange Eck - 1:0, und das Stadion bebte. Die Fans sangen, die Bandenwerbung flackerte - und Veilchen Wien schien in einer violetten Identitätskrise zu stecken.

Mit 52 Prozent Ballbesitz und spielerischer Kontrolle ging es in die Pause. Temmel sah zufrieden aus, tippte sich an den Notizblock und sagte später: "Ich dachte, wir hätten sie da, wo wir sie haben wollten."

Nach dem Seitenwechsel folgte der nächste Streich: Duarte Castano, der elegante Linksfuß mit dem südländischen Temperament, vollendete in der 50. Minute nach Vorlage des Innenverteidigers Marcio Galindo - 2:0. Die Fans sprangen sich in die Arme. Es roch nach einem Heimsieg mit Sahnehäubchen.

Doch kaum war der Jubel verklungen, kam der violette Albtraum. Veilchen Wien wachte auf - und zwar mit Wucht. In der 59. Minute traf Oskar Müller nach Zuspiel von Dirigent Dirk Peters zum 2:1-Anschluss. Müller, 30 Jahre alt, routiniert, grinste danach in die Kameras: "Ich hab’ einfach mal draufgehalten. Das war mehr Trotz als Technik."

Und plötzlich spielten nur noch die Gäste. Peters hatte nun Platz, Zeit und offenbar auch Spaß daran, Waidhofens Defensive auseinanderzunehmen. In der 72. Minute verwertete der eingewechselte Hugo Jordao - ebenfalls nach feiner Vorarbeit von Peters - zum 2:2. Der junge Portugiese zeigte Freude, die irgendwo zwischen purem Glück und ungläubigem Staunen lag. Nur acht Minuten später wiederholte er dieses Kunststück: Wieder Peters, wieder Jordao, wieder Tor. 3:2!

Trainer Olgaarson schüttelte danach lachend den Kopf: "Ich wollte ihn eigentlich rausnehmen - und dann schießt er uns zweimal ins Paradies." Tatsächlich hatte der Coach in der 71. Minute noch Yannik Konrad gegen Oskar Burkhardt getauscht und Jordao kurz darauf eingewechselt. Ein Wechsel, der sich als goldrichtig erwies - oder, wie Olgaarson sagte: "Manchmal muss man einfach Glück haben, dass der Assistent die Tafel zu spät hochhält."

Waidhofen stemmte sich in den Schlussminuten noch einmal gegen die Niederlage. Stefano Arcella prüfte Haag in der 90. Minute mit einem wuchtigen Schuss, doch der Wiener Keeper blieb standhaft. Die letzten Sekunden verstrichen zwischen Gelben Karten (Maurice, Tellez, Carter) und hektischem Gebrüll. Als Schiedsrichter Danninger schließlich abpfiff, sackten einige Waidhofener auf den Rasen - während die Veilchen tanzten.

Statistisch gesehen war Wien das gefährlichere Team: 12 Torschüsse zu 5, dazu eine Zweikampfquote von 54 Prozent. Waidhofen hatte zwar etwas mehr Ballbesitz, aber weniger Biss. Trainerin Temmel fasste es trocken zusammen: "Wir haben aufgehört, Fußball zu spielen, als wir dachten, gewonnen zu haben."

Auf der Pressekonferenz grinste Olgaarson: "Ich sag’s mal so: Die Jungs haben das Spiel heute erst verstanden, als sie 0:2 hinten lagen." Peters, der dreifache Assistgeber des Abends, ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Manchmal braucht man halt ein bisschen Druck, um zu funktionieren - wie eine alte Espressokanne."

Und so bleibt vom Abend in Waidhofen die Erkenntnis, dass Fußball eben kein Rechenspiel ist, sondern eine Laune des Moments. Die Veilchen haben bewiesen, dass selbst ein 0:2 kein Todesurteil ist - und Waidhofen hat gelernt, dass 50 starke Minuten manchmal einfach nicht reichen.

Oder, um es mit den Worten eines Fans zu sagen, der beim Hinausgehen seufzte: "Erst haben wir sie verprügelt, dann haben wir ihnen applaudiert. Fußball halt."

13.04.643990 17:30
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager