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Es war wieder einmal Derby-Zeit in Wien, und 46.061 Zuschauer im prallgefüllten Stadion bekamen all das, was man von einem Stadtduell erwartet: Leidenschaft, Hektik, Tore - und natürlich eine rote Karte. Am Ende jubelte Blau-Gelb Wien über einen 2:1-Auswärtssieg bei den Veilchen, die zwar mehr Ballbesitz (52,7 Prozent) und Torschüsse (13 zu 8) hatten, aber am Ende mit leeren Händen dastanden. Das Spiel begann mit einem Feuerwerk - zumindest in den Rängen, wo die Fans beider Lager ihre Pyrotechnik offenbar synchron abgestimmt hatten. Auf dem Rasen tasteten sich die Teams zunächst ab, ehe Veilchen-Verteidiger Peter Reinhardt in der 15. Minute beschloss, dass er offenbar ein verkannter Stürmer ist. Nach einem herrlichen Pass von Marcel Maurice rauschte der Rechtsverteidiger heran und donnerte den Ball zum 1:0 ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Reinhardt später und fügte hinzu: "Trainer Olgaarson sagt immer, ich soll mutiger werden - ich glaub, das war mutig genug." Doch die Freude der Heimfans währte kurz. Nur sieben Minuten später klingelte es auf der anderen Seite: Carlos Zubiaurre legte quer, Fabio Domanico vollendete eiskalt zum 1:1. Trainer Patrick Jurkovitz ballte an der Seitenlinie die Faust - und schrie seinem Team zu: "Jetzt spielt endlich Fußball, keine Panik!" Offenbar mit Erfolg, denn Blau-Gelb stabilisierte sich zusehends. Die Veilchen dagegen wirkten überrascht, dass der Gegner sich nicht an den vorher vereinbarten Drehbuchverlauf hielt ("Wir führen, ihr verliert"). In der zweiten Hälfte wurde es hitziger. Veilchen-Stürmer Marc Schramm prüfte mehrfach Torhüter Ricardo Valdes, doch der Routinier zwischen den Pfosten parierte mit einer Gelassenheit, als hätte er gerade einen gemütlichen Sonntagskaffee in der Hand. "Ich hab die Sonne im Rücken gehabt - und Schramm im Blick", erklärte Valdes süffisant nach dem Spiel. In der 54. Minute dann der Knackpunkt: Jörg Schubert bereitete über links vor, Salvador Xuarez bedankte sich mit einem satten Schuss ins rechte Eck - 2:1 für Blau-Gelb. Die Veilchen-Defensive schaute dem Ball nur hinterher, als wäre er ein besonders hübscher Schmetterling. Trainer Olgaar Olgaarson reagierte mit gleich drei Wechseln innerhalb von fünf Minuten - ein deutliches Zeichen, dass er nicht länger zusehen wollte, wie seine Elf in Schönheit untergeht. Doch statt neuer Energie kam Unruhe ins Spiel. Die Gäste zogen sich klug zurück, setzten auf Konter und ließen die Veilchen anlaufen. In der 73. Minute wurde es dann turbulent: Der 21-jährige Phillipp Hennig, gerade erst eingewechselt, sah nach einem rüden Einsteigen direkt Rot. "Er wollte wohl ein Zeichen setzen - leider das falsche", knurrte Jurkovitz. Die Unterzahl schien Blau-Gelb jedoch kaum zu stören. Mit zehn Mann verteidigten sie, als hinge ihr Leben davon ab - und vielleicht tat es das ja auch, zumindest das sportliche. Die Schlussphase gehörte wieder den Hausherren. Maurice, Peters und Müller feuerten aus allen Lagen, doch Valdes wurde zum Mann des Abends. In der 89. Minute zwang Maurice den Keeper zu einer Glanzparade, die das Stadion kollektiv aufstöhnen ließ. "Der Ball hat mich einfach gefunden", sagte Valdes später mit einem Augenzwinkern. Nach dem Schlusspfiff lagen sich die Blau-Gelben in den Armen, während die Veilchen mit gesenktem Kopf vom Platz schlichen. Trainer Olgaarson versuchte, Fassung zu bewahren: "Wir hatten das Spiel im Griff - bis wir es eben nicht mehr hatten." Sein Gegenüber Jurkovitz grinste breit: "Wir haben heute gezeigt, dass Mut manchmal wichtiger ist als Ballbesitz. Und ein bisschen Glück gehört auch dazu - aber das nehmen wir gerne mit." Das Wiener Derby hat also wieder einmal seine eigenen Gesetze bestätigt: Wer weniger Chancen hat, gewinnt. Wer mehr läuft, verliert. Und wer denkt, er habe alles im Griff, bekommt meist in der 54. Minute die Quittung. Vielleicht tröstet es die Veilchen, dass sie zumindest in der Statistik vorne lagen - aber wie sagte schon ein alter Fußballphilosoph: "Statistik schießt keine Tore." In diesem Sinne: Blau-Gelb feiert, die Veilchen grübeln, und Wien bleibt gespalten - aber um eine unterhaltsame Fußballnacht reicher. 10.04.643987 04:54 |
Sprücheklopfer
Wenn sie mich heute Scheiße fragen, wissen Sie auch nicht, ob Sie morgen noch ihren Job haben.
Andreas Brehme nach einer Niederlage auf die Frage, ob er glaubt, am nächsten Tag noch Trainer des 1.FC Kaiserslautern zu sein.[t]Andreas Brehme