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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Fußballer eigentlich Frostschutzmittel trinken. Minusgrade, der Atem sichtbar, das Spielfeld hart wie ein Brett - und trotzdem: 31.854 Zuschauer strömten ins Grazer Stadion, um am 19. Spieltag der 1. Liga Österreich mitzuerleben, wie der SV Graz und die Veilchen Salzburg um Punkte und Würde kämpften. Am Ende Stand ein deutliches 1:3 (1:1), das die Gäste aus Salzburg mit abgeklärter Routine und späten Treffern für sich entschieden. Die Partie begann schwungvoll, als wollten beide Teams die Kälte mit Bewegung bekämpfen. Schon in der 2. Minute prüfte Laurens Keersmaekers, Innenverteidiger der Veilchen, mit einem überraschenden Fernschuss die Handschuhe von SV-Keeper Ronald Seidel. "Ich wollte nur mal schauen, ob er wach ist", grinste Keersmaekers später. Seidel war es - noch. Die Grazer, angetrieben vom unerschrockenen 18-jährigen Pattrick Zimmermann, antworteten mit energischen Angriffen über die rechte Seite. Zimmermann, kaum alt genug für den Führerschein, wirbelte den erfahrenen Emilio Velazquez mehr als einmal schwindelig. Der Lärmpegel im Stadion stieg, als Miguel Bauza in der 13. Minute knapp verzog. Salzburgs Trainer Franz Peeters rief seinem Team zu: "Ruhig bleiben, die frieren sich schon noch fest!" Doch es waren die Veilchen, die zuerst jubelten. In der 31. Minute bediente Verteidiger Keersmaekers mit einem präzisen Diagonalball den 34-jährigen Rechtsaußen Alberto Figo, der den Ball aus halbrechter Position trocken ins lange Eck setzte - 0:1. "Ich hab einfach gemacht, was ich schon 15 Jahre mache: den Ball sehen, den Ball lieben, den Ball schießen", sagte Figo mit einem Lächeln, das so breit war wie die Salzach. Graz schlug aber erstaunlich reif zurück. Nur vier Minuten später stand der nächste Teenager im Rampenlicht: Lucas Horst, ebenfalls 18, brachte die Grazer nach einer Vorlage von Philipp Hammer mit einem platzierten Schuss ins linke Eck zurück ins Spiel. 1:1 - und plötzlich kochte die Tribüne. "In dem Moment dachte ich: das läuft hier!", erzählte Trainer Matt Steu später. "Leider lief’s dann nur noch bergab." Kurz vor der Pause gab’s Gelb für Jan Riedel, der Figo mit einem rustikalen Tritt stoppte. "Ich hab den Ball gespielt - also, irgendwann mal", verteidigte er sich lachend. Und als William Arnaud in der 42. Minute ebenfalls Gelb sah, notierte man in der Pressebox: Graz kämpft, Salzburg kombiniert. Nach dem Seitenwechsel blieb das Muster gleich. Graz rannte, Salzburg passte. Der Ballbesitz sprach mit 54 Prozent für die Gäste, die sich nicht aus der Ruhe bringen ließen. Graz hatte mehr Torschüsse (14:12), doch Salzburg hatte die Tore. Das zweite folgte in der 84. Minute: Luis Munoz vollendete eine feine Kombination über Manfred Seidel zum 1:2. "Das war wie ein warmer Kakao in der Kälte", grinste Munoz. Dann kam es noch dicker für Graz. Youngster Arnaud, schon verwarnt, foulte übermotiviert - Gelb-Rot in der 81. Minute. Trainer Steu warf die Mütze in den Schnee. "Er hat Herz, vielleicht ein bisschen zu viel davon", kommentierte er trocken. In der Nachspielzeit machte Salzburg endgültig den Deckel drauf: Der 35-jährige Vincent Galindo erzielte nach Vorlage von Munoz das 1:3 (92.). Ein Tor der Erfahrung - Galindo traf mit der Ruhe eines Mannes, der schon alles gesehen hat. Nach dem Schlusspfiff klatschten die Salzburger Spieler ihre Fans ab, während Graz frustriert in die Kabine verschwand. "Heute haben die Buben Lehrgeld bezahlt", meinte Steu. "Aber lieber jetzt als im Sommer." Peeters hingegen war sichtlich zufrieden: "Wir hatten die Kontrolle, wir hatten Geduld - und wir hatten Figo. Mehr braucht man manchmal nicht." Die Statistik unterstreicht den Eindruck: Salzburg mit leichtem Ballbesitzvorteil, Graz mit etwas mehr Schüssen, aber weniger Effizienz. Die Veilchen spielten abgeklärt, fast emotionslos - ein bisschen wie ein Schachmeister im Eishockeystadion. Und so bleibt vom kalten Januarabend die Erkenntnis: Die Jugend von Graz kämpft mit Herz, die Alten von Salzburg mit Köpfchen. Wenn man so will, war das 1:3 auch ein Generationenduell - und diesmal siegte die Routine. Zum Abschied sagte ein Grazer Fan mit einem Augenzwinkern: "Wenn’s nächstes Mal wieder schneit, sollen die Salzburger ihre Ski mitbringen - vielleicht sind wir dann schneller." Ein bisschen Galgenhumor darf sein, wenn man gegen so viel Erfahrung verliert. 05.09.643987 13:50 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer