Anpfiff
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Vegesacker Arbeitssieg gegen blasse Borussen - Declerck trifft und rettet den Abend

Es war einer dieser norddeutschen Winterabende, an denen man sich fragt, warum Fußball eigentlich draußen gespielt wird. 4. Spieltag der 2. Liga, 20:30 Uhr Anstoß, Flutlicht, Nieselregen - und 35.036 tapfere Zuschauer im Vegesacker Stadion, die sich am Ende die Finger warm klatschten: SG Vegesack schlägt Mönchengladbach mit 1:0. Kein Spektakel, aber ein Sieg, der nach Arbeit, Mut und einem Hauch Wahnsinn schmeckte.

Trainer Christian Lehmann hatte vor dem Spiel noch gewarnt: "Gladbach kommt mit Ballbesitz, wir kommen mit Herz. Mal sehen, was länger hält." Und er sollte recht behalten. Während die Gäste aus dem Westen 58 Prozent Ballbesitz für sich verbuchten, gehörten die Chancen eindeutig den Hausherren. 14 Torschüsse für Vegesack, gerade einmal zwei für die Borussen - das sagt alles über die Schlagrichtung an diesem Abend.

Die erste Halbzeit glich einem Geduldsspiel. Vegesack, taktisch klar auf Offensive und Flügelangriffe eingestellt, rannte an. Van Vechten prüfte schon in der 9. Minute den Gladbacher Torwart Noe Acevedo, Putnam zog kurz darauf aus der Distanz ab - beide Male klatschte der Ball nur in die Handschuhe des Keepers. "Ich dachte, irgendwann fällt der schon mal rein", grinste Putnam später, "aber Acevedo hatte wohl Magneten in den Handschuhen."

Die Gäste? Viel Ball, wenig Biss. Takis Panagoulias versuchte aus der Mitte das Spiel zu lenken, doch die Pässe versandeten regelmäßig im Vegesacker Gegenpressing. Der einzige Lichtblick: ein halbherziger Versuch von Michel Marco in der 27. Minute, der so weit am Tor vorbeiging, dass ein Balljunge kurzzeitig zur Berühmtheit wurde, weil er ihn elegant mit der Brust stoppte.

Zur Pause stand es 0:0 - und man hörte aus der Vegesacker Kabine deutlich, wie Trainer Lehmann seine Jungs "etwas lauter" an die Pflicht erinnerte. "Ich hab nur gesagt, sie sollen so weitermachen - vielleicht hat’s ein bisschen nach Donner geklungen", scherzte Lehmann später.

Und tatsächlich: Kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, schlug Vegesack zu. In der 49. Minute kombinierte sich Albert Putnam auf der rechten Seite durch, flankte mit chirurgischer Präzision in den Strafraum - und Romain Declerck machte das, was ein Mittelstürmer eben tun muss: Kopf runter, Ball rein, Netz zappelt. 1:0. Das Stadion explodierte, und Declerck rannte jubelnd zur Eckfahne, wo er laut eigener Aussage "nur kurz verschnaufen wollte". "Ich hab das Tor nicht gefeiert, ich hab geatmet", meinte er lachend.

Von Gladbach kam danach erstaunlich wenig. Trainer Michael Gottschalk stand regungslos an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, als wollte er sich selbst in den Wintermantel zurückziehen. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber leider das Tor vergessen", sagte er später mit einem Seufzer. Seine Mannschaft blieb ungefährlich, die einzige nennenswerte Aktion: eine gelbe Karte für Bradley Linney in der 67. Minute - Symbolbild des Abends.

Vegesack verteidigte clever, manchmal rustikal, aber nie unfair. Bernardo Aguas sah früh Gelb, spielte danach aber wie ein erfahrener Schachspieler: immer einen Schritt vor dem Gegner. Im Mittelfeld zog Caio Castro die Fäden, bis er in der 71. Minute für den jungen Olav Hanke Platz machte - ein Wechsel, der frischen Wind brachte. Und hinten hielt der 21-jährige Keeper Dominique Blanchett, was zu halten war - auch wenn das an diesem Abend nicht allzu viel war.

Als der Schiedsrichter nach 93 Minuten abpfiff, jubelten die Vegesacker, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen. Ein 1:0, das nicht schön, aber ehrlich war. "So muss das sein", grinste Lehmann. "Wir sind keine Balletttänzer, wir sind Hafenarbeiter mit Stollen unter den Schuhen."

Die Statistik untermauert den Eindruck: 41,8 Prozent Ballbesitz für Vegesack, aber mehr als sechsmal so viele Schüsse aufs Tor. Effektivität schlägt Ästhetik - ein Lehrstück für all jene, die glauben, Fußball sei nur ein Spiel der Zahlen.

Zum Schluss blieb noch ein launiger Dialog zwischen zwei Fans auf der Tribüne, der das Spiel perfekt zusammenfasste. "Na, das war nix für Feingeister", sagte der eine. "Nee", antwortete der andere, "aber drei Punkte sind drei Punkte - und die wiegen heute schwerer als der Regen."

So endete ein Abend, an dem SG Vegesack zeigte, dass Leidenschaft manchmal mehr Tore schießt als Taktiktafeln. Und Mönchengladbach? Die werden sich fragen müssen, wie man mit 58 Prozent Ballbesitz trotzdem so leer ausgehen kann. Vegesack dagegen darf träumen - zumindest bis zum nächsten Nieselregen.

22.02.643987 20:04
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Ich habe immer gesagt, mich interessiert nicht, wer spielt. Hauptsache ich spiele.
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