// Startseite
| Dagbladet Sport |
| +++ Sportzeitung für Dänemark +++ |
|
|
|
Manchmal kündigt sich ein Abend voller Fußballwunder schon in den ersten Minuten an. Und manchmal reicht ein einziger Fehlpass, um ein Unheil in Bewegung zu setzen. Im Lyngby Stadion war es wohl Letzteres. Vanløse BK zerlegte am 17. Spieltag der 1. Liga Dänemark den Gastgeber Lyngby BC mit 5:2 (3:1) - ein Ergebnis, das selbst den hartgesottensten Lyngby-Fan sprachlos zurückließ. Dabei fing alles harmlos an. 40.557 Zuschauer, Flutlichtromantik, ein milder Januarabend - und schon nach fünf Minuten rauschte der Ball ins Netz. Ausgerechnet Innenverteidiger Sotirios Papaioannou, 34 Jahre jung, stieg nach einer Ecke so hoch, dass die Lyngby-Abwehr kollektiv den Hals verrenkte. "Ich wusste gar nicht, dass ich noch so springen kann", grinste der Grieche später, während er sich demonstrativ die Knie rieb. Lyngby wackelte, Vanløse roch Blut. Nur neun Minuten später spielte Jesper Brodersen einen dieser Pässe, die man nicht trainieren kann - quer durch drei Verteidiger, direkt auf Max Morriss. Der Engländer hatte keine Mühe, das 2:0 zu markieren (14.). Und weil Morriss offenbar Gefallen am Toreschießen gefunden hatte, legte er in der 19. Minute gleich nach. Wieder war es ein blitzschneller Angriff über die rechte Seite, diesmal mit Kim Johannessen als Vorbereiter. Drei Tore in weniger als 20 Minuten - Lyngbys Trainer Hans Kellershoff kaute da bereits sichtbar auf seinem Kaugummi herum. "Wir wollten eigentlich ruhig anfangen", sagte Kellershoff später, "aber dann war plötzlich alles ruhig - nur nicht bei uns hinten." Erst nach einer halben Stunde wagte sich Lyngby wieder aus der Deckung. Maurice Koch, eigentlich linker Verteidiger und selten in Tornähe anzutreffen, fasste sich in der 35. Minute ein Herz und traf mit einem wuchtigen Schuss zum 1:3. Das Publikum erwachte, und für einen Moment schien das Spiel zu kippen. Doch Vanløse blieb gefährlich, fast schon übermütig - 21 Torschüsse insgesamt sprechen eine deutliche Sprache. In der Pause muss Gästecoach SY On seinem Team wohl geraten haben, "einfach weiterzuspielen". Und genau das taten sie. Dirk Siebert, der bullige Mittelstürmer, lauerte in der 70. Minute auf einen Querpass von Lennart Vestergaard und vollendete eiskalt zum 4:1. Nur eine Minute später gab’s die Antwort der Hausherren: Jannick Fiedler, der bis dahin gegen Vanløses Abwehr kaum Land gesehen hatte, schob nach schöner Vorarbeit von John Marshal zum 2:4 ein. "Ich dachte, jetzt wird’s nochmal spannend", gab Lyngbys Torhüter Fynn Krueger zu. "Aber dann kam Siebert wieder." Und tatsächlich - in der 84. Minute setzte der Vanløse-Stürmer mit seinem zweiten Treffer den Schlusspunkt. Ein Tor, das so schnörkellos war, dass man es fast als Lehrvideo für Stoßstürmer verkaufen könnte. Die letzten Minuten waren dann eher Schadensbegrenzung. Kellershoff wechselte noch den jungen Vitor Futre ein, der sich mit einem beherzten Sprint und einer misslungenen Flanke vorstellte. Vanløse hingegen gönnte Papaioannou seinen verdienten Feierabend und brachte den 22-jährigen Pedro Costa - eine symbolische Übergabe zwischen Generationen. Statistisch gesehen war Lyngby gar nicht so chancenlos: 53 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse, zwei Tore. Doch Vanløse war in jeder entscheidenden Szene wacher, direkter, schlicht gefährlicher. Und während die Lyngby-Spieler nach dem Abpfiff noch lange auf dem Rasen standen, feierten die Gäste ausgelassen vor dem Fanblock. "Wir haben heute gezeigt, dass Offensive auch Arbeit ist", meinte Vanløse-Coach SY On, der mit einem breiten Lächeln aus der Kabine kam. "Und Max Morriss hat wohl vergessen, dass er eigentlich nur ein Flügelspieler ist." Morriss selbst nahm’s gelassen: "Zwei Tore, eine Dusche, drei Punkte - klingt nach einem guten Abend." Für Lyngby bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt - und dass man auch mit einem "ausgewogenen" taktischen Konzept (so die Statistik) ganz schön aus der Balance geraten kann. Vielleicht tröstet sie der Gedanke, dass man gegen einen Gegner verloren hat, der an diesem Abend einfach alles traf, was nach Tor aussah. Und vielleicht hilft ein bisschen Humor: Als Kellershoff nach dem Spiel gefragt wurde, was er seiner Mannschaft nun sage, antwortete er trocken: "Wahrscheinlich nichts, sie hören ja doch nicht zu." Ein Abend, der für Vanløse zum Fußballmärchen und für Lyngby zur Lehrstunde wurde - mit fünf Toren, zwei Doppelpacks und einer Erkenntnis: Wer früh ins Spiel findet, darf am Ende auch laut lachen. 23.07.643987 07:33 |
Sprücheklopfer
Sie sollen nicht glauben, dass sie Brasilianer sind, nur weil sie aus Brasilien kommen.
Paul Breitner über die Dortmunder Dede und Evanilson