Dagbladet Sport
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Vanløse zerlegt Varde - ein 5:1, das nach mehr schmeckt

Das Flutlicht brannte, die Luft war klar und 41.789 Zuschauer in Kopenhagen bekamen ein Spektakel serviert, das selbst neutralen Beobachtern ein anerkennendes Nicken abrang. Vanløse BK fegte am Freitagabend am 22. Spieltag der 1. Liga Dänemark den Gast Varde BK mit 5:1 (4:0) vom Platz - und das mit einer Spielfreude, die fast unhöflich wirkte.

Schon nach sechs Minuten begann der Tanz: Jesper Brodersen, der Mann mit der Ruhe eines Buchhalters und dem Schuss eines Vorschlaghammers, traf nach einem feinen Zuspiel des 19-jährigen Kim Johannessen zum 1:0. Der Rest der ersten Halbzeit glich einem Lehrfilm über Offensivfußball - mit Vanløse in der Hauptrolle und Varde als unbezahltem Statisten.

In der 18. Minute revanchierte sich Johannessen mit einem Tor, das in seiner Entstehung fast zu schön war, um wahr zu sein. "Ich dachte, Jesper schießt selbst, aber plötzlich war der Ball bei mir - und dann war’s einfach", grinste der junge Flügelspieler nach dem Spiel, als wüsste er, dass seine Unbekümmertheit bald Schlagzeilen machen wird.

Sechs Minuten später legte Fritjof Bjerre nach, 18 Jahre jung, linkes Mittelfeld, unerschrocken. Arnau Muno hatte den Ball clever von der Seite hereingebracht, und Bjerre jagte ihn trocken unter die Latte - das 3:0. Trainer SY On stand da an der Seitenlinie, verschränkte die Arme und murmelte, halb ernst, halb amüsiert: "Wenn sie so weitermachen, muss ich mich gar nicht mehr einmischen."

Spätestens nach Max Morriss’ Treffer in der 33. Minute - ein Abschluss wie aus dem Lehrbuch - war klar, dass Vanløse nicht nur gewinnen, sondern glänzen wollte. 4:0 zur Pause, und das bei nur 47 Prozent Ballbesitz. Wer behauptet, Ballbesitz sei gleich Dominanz, hat dieses Spiel nicht gesehen.

"Wir hatten viel Ball, aber selten den Ball, den wir wollten", sagte Vardes Mittelfeldmann Jesper Knudsen mit einem gequälten Lächeln. Seine Mannschaft hatte tatsächlich 53 Prozent Ballbesitz, doch daraus resultierten nur fünf Torschüsse - gegen 22 der Gastgeber. Zahlen, die so deutlich sprechen, dass man sie fast nicht kommentieren muss.

Nach der Pause schaltete Vanløse einen Gang zurück, aber nicht ab: In der 61. Minute durfte auch noch der Jüngste ran. Frode Frost, 17, Innenverteidiger und frisch von der Jugend hochgezogen, köpfte nach einer Ecke von Yngvar Skov das 5:0. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", lachte Frost, während die Fans seinen Namen sangen.

Von Varde kam in der Offensive wenig, aber wenigstens gelang Alfred Poulsen kurz vor Schluss (89.) der Ehrentreffer. Ein Trostpflaster, das kaum klebte, aber immerhin verhinderte, dass Torhüter Kai Ottosen seinen ersten Profi-"Zu-Null"-Eintrag bekommt. Ottosen, ebenfalls 17, nahm’s sportlich: "Ich hätte das Clean Sheet schon gern gehabt, aber hey - wenigstens hatte ich was zu tun beim Jubeln."

Trainer SY On lobte nach dem Abpfiff die Mischung aus jugendlicher Leichtigkeit und taktischer Disziplin: "Wir spielen offensiv, aber nicht kopflos. Das ist kein Zufall, das ist Arbeit - und vielleicht ein bisschen Wahnsinn."

Auf der anderen Seite wirkte Vardes Coach (der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung sehen wollte) sichtlich bedient: "Wir haben nicht schlecht begonnen, aber nach dem ersten Tor war’s, als hätte jemand das WLAN abgeschaltet." Seine Spieler nickten, und einer murmelte: "Wir sind in der ersten Halbzeit einfach nicht hochgefahren."

Vanløse präsentierte sich über 90 Minuten als Mannschaft, die verstanden hat, dass Fußball Spaß machen darf. 22 Torschüsse, fünf Tore, vier verschiedene Torschützen, und das alles mit einer Startelf, deren Durchschnittsalter kaum über 21 lag - das grenzt an jugendliche Rebellion.

Die Zuschauer verabschiedeten ihr Team mit stehenden Ovationen, während sich die Spieler lachend in den Armen lagen. Jesper Brodersen winkte noch einmal in die Kurve und sagte, halb ernst, halb schelmisch: "Heute haben wir Fußball gespielt - nicht gearbeitet."

Wenn Vanløse so weitermacht, könnte man in dieser Liga bald vom "Vanløse-Effekt" sprechen: jung, frech, torhungrig - und dabei so charmant, dass man ihnen selbst das fünfte Tor kaum übelnehmen kann.

Und Varde? Nun, sie werden sich die Highlights wohl noch ein paarmal anschauen müssen. Vielleicht finden sie darin ja den Ballbesitz, den sie im Spiel verloren haben.

30.09.643987 18:42
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic
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