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Es war ein kalter Freitagabend in Kopenhagen, aber die 42.148 Zuschauer im Vanløse-Stadion spürten davon nur wenig - zu sehr heizte ihre Mannschaft das Spielfeld auf. Vanløse BK besiegte Birkerød FF am 16. Spieltag der 1. Liga Dänemark mit 2:0 (1:0) und ließ dabei kaum Zweifel aufkommen, wer an diesem Abend Herr im Haus war. Trainer SY On hatte seine Elf offensiv eingestellt - und das von der ersten Minute an. Schon nach sieben Minuten prüfte Innenverteidiger Gunnar Hoffmann den Birkerøder Keeper Alfred Toth mit einem beherzten Fernschuss. Der Ball zischte knapp am Pfosten vorbei, und Hoffmann grinste danach: "Ich wollte nur testen, ob er wach ist." Toth war wach - und blieb es, denn er bekam an diesem Abend gut zu tun. Insgesamt 17 Torschüsse feuerte Vanløse ab, während Birkerød ganze einen zustande brachte. Und das war in Minute 74 - ein eher verzweifelter Versuch von Magnus Andersson, der weit über die Latte segelte. "Da habe ich wohl zu sehr an Rugby gedacht", witzelte Andersson nach dem Spiel. Vanløses Angriffsspiel trug früh Früchte. In der 31. Minute kombinierten sich Claus Andreassen und Arnau Muno sehenswert durch den Strafraum: Andreassen flankte präzise, Muno nahm den Ball volley - 1:0! Das Stadion bebte. "Das war wie im Training - nur dass da keiner jubelt", grinste Muno später. Birkerød-Coach Andreas Depner gestikulierte wild an der Seitenlinie, rief "Ruhig bleiben!", doch seine Mannschaft blieb eher ruhig als gefährlich. Zwar hatte sie mit knapp 52 Prozent etwas mehr Ballbesitz, doch der wirkte wie ein Placebo: Viel Ball, wenig Wirkung. Zur Pause war klar: Vanløse kontrollierte das Spiel, auch wenn der Ballbesitz das Gegenteil andeutete. "Statistiken sind wie Würstchen - man will gar nicht wissen, wie sie gemacht werden", meinte SY On mit einem Augenzwinkern in der Pressekonferenz. Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild gleich. Anton Nørgaard zog in Minute 46 aus der Distanz ab, Toth lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. Kurz darauf feierte das Publikum den 18-jährigen Fritjof Bjerre, der frech aufspielte und in der 53. Minute ebenfalls einen satten Schuss abgab. "Der Junge hat Pfeffer in den Beinen", schwärmte Kapitän Hoffmann. In der 59. Minute sah Vanløses Routinier Sotirios Papaioannou Gelb - und wurde kurz darauf ausgewechselt. "Ich wollte nicht riskieren, dass der alte Grieche den Abend in der Kabine beendet", erklärte SY On trocken. Für ihn kam Pedro Costa, der hinten souverän abräumte. Birkerød dagegen verlor endgültig den Faden. Rechtsverteidiger Ludvig Jakobsen holte sich erst Gelb (25.) und später - nach einem rustikalen Einsteigen gegen Claus Andreassen - Gelb-Rot (84.). "Ich habe nur den Ball gesehen", beteuerte Jakobsen, während Depner die Stirn in die Hände legte. Doch da war das Spiel längst entschieden. Nur zwei Minuten später, in der 86. Minute, schlug wieder Arnau Muno zu. Nach einer butterweichen Flanke von Linksverteidiger Esteban Bermúdez köpfte der Spanier wuchtig zum 2:0 ein. Das Stadion stand Kopf, und selbst der sonst stoische Trainer On ließ sich zu einem kleinen Tänzchen hinreißen. "Das war kein Tanz, das war Gleichgewichtsverlust", lachte er danach. Birkerød versuchte in den letzten Minuten noch Schadensbegrenzung, doch Vanløses Torwart Mario Mendoza hätte sich fast einen Tee kochen können - so wenig kam auf sein Tor. Der einzige Schuss der Gäste blieb sinnbildlich für deren Offensivleistung: bemüht, aber harmlos. Am Ende stand ein verdienter Sieg für Vanløse BK, der nicht nur in der Tabelle, sondern auch im Selbstvertrauen Punkte bringt. Arnau Muno wurde zum Mann des Abends - zwei Tore, fünf weitere Torschüsse, unermüdlich unterwegs. "Ich schulde Claus und Esteban ein Abendessen. Ohne ihre Pässe hätte ich nur halbe Treffer", gab er bescheiden zu. Trainer Depner suchte nach Erklärungen: "Wir hatten eigentlich einen Plan - aber der lag wohl noch im Bus." Vanløse dagegen blickt optimistisch nach vorn. "Wir wollten zeigen, dass wir auch im Januar heißlaufen können", so SY On. Und nach einem Blick auf die 42.000 jubelnden Fans fügte er an: "Bei dieser Kulisse kann man gar nicht frieren." Ein Abend, an dem Vanløse BK nicht nur Birkerød FF, sondern auch die Kälte besiegte - und Arnau Muno endgültig zum Publikumsliebling aufstieg. 22.07.643987 10:25 |
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund