// Startseite
| Dagbladet Sport |
| +++ Sportzeitung für Dänemark +++ |
|
|
|
Ein kalter Januarabend, Flutlicht über Viborg, 27.000 Zuschauer - und am Ende ein Ergebnis, das die Heimfans frösteln ließ: Viborg IF 1, Vanløse BK 3. Auf dem Papier war Viborg der Favorit, auf dem Rasen aber tanzten andere. Dabei begann alles so, wie es sich die Gastgeber erträumt hatten. Schon in der 11. Minute bediente der junge Frode Andersson von links den flinken Filip Aagaard, der aus kurzer Distanz trocken zum 1:0 einschob. "Ich hab einfach den Fuß hingehalten - und gehofft, dass keiner merkt, dass ich eigentlich auf dem anderen Flügel stehen sollte", grinste Aagaard nach dem Spiel. Doch die Freude währte kaum acht Minuten. Vanløses 19-jähriger Kim Johannessen, ein Wirbelwind mit mehr Tempo als Erfahrung, setzte sich auf der rechten Seite durch und legte mustergültig für Christopher Harrington auf. Der Routinier blieb eiskalt - 1:1. Von da an begann, so schien es, das Spiel langsam in grün-weiße Verzweiflung zu kippen. Viborg hatte mehr Ballbesitz (53 Prozent) und versuchte, das Spiel ruhig aufzubauen. Aber Vanløse spielte, als hätten sie den Kaffee intravenös bekommen: 14 Torschüsse, aggressive Zweikämpfe, Pressing, das eher nach "Vollgas" als nach "BEHIND" aussah - jedenfalls wirkte die Taktikanweisung, nur bei Rückstand zu pressen, spätestens nach der Pause wie vergessen. Trainer SY On grinste später: "Ich sag immer, Pressing ist wie Schokolade. Wenn man einmal anfängt, kann man nicht mehr aufhören." In der zweiten Hälfte versuchte Viborg, die Kontrolle zurückzugewinnen. Javi Mendes prüfte den jungen Vanløse-Keeper Kai Ottosen in der 57. und 87. Minute, doch der 17-Jährige parierte jeweils glänzend - und wurde von seinen Mitspielern gefeiert, als hätte er den Pokal gewonnen. "Ich hatte einfach Angst, dass mir der Ball durch die Handschuhe rutscht", gab Ottosen ehrlich zu. Dann kam die 76. Minute. Wieder Harrington, diesmal ohne Assist, dafür mit Wucht: Aus halbrechter Position zog der Rechtsaußen ab, der Ball schlug unhaltbar im kurzen Eck ein. 1:2 - und plötzlich war das Stadion still. "Ich dachte, der Torwart bewegt sich, aber er blieb einfach stehen. Vielleicht war das mein Glück", sagte Harrington, der sich seinen zweiten Treffer des Abends mit einem breiten Lächeln abholte. Nur sechs Minuten später setzte der Teenager Johannessen den Deckel drauf. Nach schöner Vorarbeit von Hjalmar Bentsen tanzte er sich durch die müde Viborg-Abwehr und schob zum 1:3 ein. Ein Tor, das so leichtfüßig aussah, dass man fast vergaß, dass es bereits sein dritter Torschuss war. "Ich hab einfach gemacht, was Hjalmar geschrien hat - und das war: Lauf!", lachte der 19-Jährige später. Viborgs Trainer - sichtlich angefressen - wollte nach dem Spiel keinen Namen nennen, aber meinte trocken: "Manche meiner Spieler haben wohl gedacht, Ballbesitz gewinnt Spiele. Leider zählt der Ball erst, wenn er im Netz ist." Statistisch betrachtet war es ein merkwürdiges Spiel: Mehr Ballbesitz, aber nur sechs Torschüsse für Viborg, während Vanløse doppelt so oft abzog. Auch in den Zweikämpfen lagen die Gäste mit fast 55 Prozent gewonnenen Duellen vorne. Gelbe Karten gab’s reichlich: Albin Molgaard sah früh Gelb für eine rustikale Grätsche (31.), ebenso Vanløses junger Anders Andreasen (45.) und schließlich der erfahrene Gunnar Hoffmann (77.), der nach einem wütenden Rempler an der Seitenlinie sogar noch den Ball wegdrosch - zur Freude der vibrierenden Gästefans hinter dem Tor. Ein Moment blieb besonders in Erinnerung: Als Vanløses 17-jähriger Frode Frost in der 82. Minute für den ausgepowerten Hoffmann eingewechselt wurde, raunte ein Zuschauer: "Der sieht aus wie sein kleiner Bruder!" - worauf ein anderer trocken antwortete: "Dann hat er wohl bald die größere Karriere." Am Ende jubelten die Gäste ausgelassen. Trainer SY On fasste es gewohnt trocken zusammen: "Wir sind kein Team, das schön spielt. Wir sind ein Team, das trifft. Und das zählt im Fußball ja manchmal." Für Viborg bleibt die Erkenntnis, dass Statistiken keine Punkte bringen und Ballbesitz nichts wert ist, wenn der Gegner mit jugendlichem Übermut und eiskalter Effizienz zuschlägt. Vielleicht dachte mancher Fan beim Verlassen des Stadions, dass das 1:3 etwas zu hoch ausfiel - aber wer ehrlich war, wusste: Vanløse hatte einfach mehr Bock auf dieses Spiel. Und so ging ein kalter Abend in Viborg zu Ende, an dem der Wind nicht das Einzige war, das den Gastgebern ins Gesicht blies. 15.05.643987 00:15 |
Sprücheklopfer
Magaths Training ist wie ein Zahnarzttermin. Man fürchtet sich vorher, aber danach fühlt man sich besser.
Jan-Aage Fjörtoft