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Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die so vorhersehbar sind wie ein dänischer Krimi - Spannung bis zur 60. Minute, dann die große Wendung. Vanløse BK hat am 10. Spieltag der 1. Liga Dänemark genau dieses Drehbuch befolgt und den Aalborg SC mit 3:1 geschlagen. Dabei sah es zur Pause ganz anders aus: 0:1 hinten, das Publikum unruhig, Trainer SY On mit verschränkten Armen im Nieselregen. Und dann kam die zweite Halbzeit - und mit ihr der Aufstand der Vanløser. 37. Minute: Emil Mikkelsen, Aalborgs flinkfüßiger Linksaußen, nutzte eine der seltenen Chancen eiskalt. Nach feinem Zuspiel von Ragnvald Knudsen zog er ab, und plötzlich stand es 0:1. "Ich dachte kurz, wir hätten das Publikum zum Schweigen gebracht", grinste Mikkelsen später. Nun ja - für rund 25 Minuten hatte er recht. Denn Vanløse ballerte, was das Zeug hielt. Schon in der ersten Halbzeit hagelte es Torschüsse: 17 insgesamt am Ende, während Aalborg magere drei zustande brachte. Pedro Morte prüfte den Keeper gleich mehrfach (23., 30., 36. Minute). Doch Björn Nygaard, Aalborgs Torhüter, war in der ersten Hälfte noch ihr Bester. Dann kam die 46. Minute und mit ihr ein entscheidender Wechsel: Dirk Siebert raus, Thierry Beaumanoir rein. "Ich hab ihm nur gesagt: Mach’s französisch - also elegant, aber effektiv", witzelte Trainer SY On später. Das Spiel kippte. Vanløse wurde aggressiver, bissiger - und bekam endlich, was es verdiente. In der 62. Minute war es dann soweit: Claus Andreassen, der unermüdliche Rechtsmittelfeldspieler, traf nach Vorarbeit von Max Morriss zum 1:1. Ein Treffer, der das Stadion endgültig aufweckte. 46.791 Zuschauer sprangen auf, als hätte jemand den Strom wieder eingeschaltet. "Ich habe Max nur schreien hören: ’Jetzt oder nie!’ - und dann flog der Ball rein", erzählte Andreassen. Drei Minuten später war Morriss selbst an der Reihe. Nach Vorlage des Rechtsverteidigers Lennart Vestergaard schlenzte er den Ball ins lange Eck - 2:1. Der Jubel war so laut, dass man ihn vermutlich noch in Aalborg hören konnte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Morriss. "Wenn du 17 Schüsse brauchst, muss wenigstens einer rein." Aalborg hingegen verlor völlig den Faden. Ihr Innenverteidiger Enok Aagaard musste in der 54. Minute verletzt raus - und danach fehlte die Ordnung. Trainer Benny Frandsen versuchte mit drei Wechseln in der 50. Minute (darunter ein Torwarttausch auf Stefan Thomsen) das Ruder herumzureißen. Doch seine Jungs wirkten, als hätten sie den Fahrplan verlegt. In der 79. Minute sah Vanløses Abwehrhüne Sotirios Papaioannou Gelb, zwei Minuten später traf sein Kollege Gunnar Hoffmann nach einer Ecke per Kopf zum 3:1. Vorlage: der agile Hjalmar Bentsen, der an diesem Abend auf der linken Seite unermüdlich rackerte. Selbst der Trainer klatschte diesmal begeistert. "Das war ein Kopfball wie aus dem Lehrbuch - hart, präzise, und mit einem Grinsen", sagte SY On nach dem Spiel. Aalborg kam danach kaum noch vor das Tor. Emil Mikkelsen, der Torschütze, war längst ausgewechselt; der 18-jährige Alfred Kragh durfte ran, aber blieb blass. Immerhin: Die jungen Ersatzspieler sammelten Erfahrung - und Frandsen Humor. "Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit gewonnen und in der zweiten vergessen, dass es weitergeht", meinte er mit einem Schulterzucken. Statistisch war die Sache klar: 55,8 Prozent Ballbesitz, fast 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 17 Torschüsse - Vanløse war die klar bessere Mannschaft. Dass sie trotzdem erst nach einer Stunde den Turbo zündeten, passte ins Bild dieses kuriosen Abends. Am Ende feierten die Fans ihr Team mit Gesängen, während SY On zufrieden in die Kabine verschwand. "Ich sag’s meinen Jungs immer: Fußball ist wie Kaffee - manchmal musst du ihn zweimal aufbrühen, bis er wirkt." Ein Satz, der den Abend perfekt beschreibt. Aalborgs Espresso war nach 45 Minuten leer, Vanløses Latte Macchiato kam mit extra Schaum zurück. Und wer das Spiel gesehen hat, weiß: Heiß serviert schmeckt der Sieg einfach besser. 03.05.643987 07:20 |
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