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Van Ranst erlöst Lyngby spät - ein Geduldsspiel mit Happy End

Es war einer dieser kühlen dänischen Abende im Januar, an denen der Atem in kleinen Wolken über das Spielfeld zieht und man sich fragt, warum man eigentlich nicht zu Hause geblieben ist. 27.657 Zuschauer im Lyngby Stadion hatten darauf eine klare Antwort: weil Fußball manchmal eben genau dann seine schönsten Geschichten schreibt, wenn die Finger längst taub sind. Lyngby BC besiegte Varde BK mit 1:0 - spät, knapp, aber verdient.

Schon nach zwei Minuten gab Elias Van Ranst das erste Lebenszeichen ab. Ein satter Schuss aus der Drehung, doch Vardes Torwart Harald Johannessen roch den Braten und lenkte den Ball über die Latte. "Ich wollte nur mal schauen, ob er wach ist", grinste Van Ranst später. Die Antwort: war er. Und wie. Der 33-jährige Keeper war über 80 Minuten der Albtraum jedes Lyngby-Stürmers.

Varde, etwas defensiver als sonst, überließ dem Gastgeber die Initiative, kam aber ebenfalls früh zu einer Gelegenheit: Jorge Coelho prüfte Lyngbys Fynn Krueger in der dritten Minute, danach aber war es ein zähes Ringen um jeden Ball. Lyngby spielte offensiv, mit flinken Flügeln, während Varde BK aus einer geordneten Formation heraus auf Konter lauerte.

Trainer Hans Kellershoff, stets in Bewegung an der Seitenlinie, rief nach einer Viertelstunde: "Leute, wir spielen Fußball, kein Schach!" - was seine Mannschaft offenbar als Weckruf verstand. Bjarke Juul zog kurz danach zweimal ab (12. und 18. Minute), aber Johannessen blieb unüberwindbar.

"Wir hatten sie eigentlich am Haken", meinte Lyngbys Mittelfeldmotor John Marshal später, "aber der Ball wollte einfach nicht rein. Ich hab sogar kurz überlegt, ob das Tor vielleicht zu klein ist."

Die erste Halbzeit endete torlos, doch langweilig war sie nicht. Lyngby hatte sieben Torschüsse, Varde gerade mal zwei - aber das Ergebnis: 0:0. "Das war schon fast Zen-Fußball", kommentierte ein Zuschauer ironisch in der Pause, während er sich den dritten Kaffee gönnte.

Nach dem Seitenwechsel blieb das Bild gleich: Lyngby drückte, Varde verteidigte - und der Ballbesitz kippte leicht zu Gunsten der Gäste (51,5 Prozent). Doch Ballbesitz ist bekanntlich kein Wert an sich, wenn man damit nichts anfängt.

In der 54. Minute wechselte Kellershoff: Riccardo Del Carretto kam für den jungen Bendt Karlsen, Johann Fuchs ersetzte Niclas Schultz. Frisches Blut, frische Ideen - und tatsächlich: Lyngby wurde wieder gefährlicher. Marshal zwang Johannessen erneut zu einer Glanzparade, Juul verzog knapp, Aagaard scheiterte gleich dreimal (65., 79., 82.).

Dann die 85. Minute: endlich das, worauf das ganze Stadion gewartet hatte. Riccardo Del Carretto, eben noch mit Gelb verwarnt, sprintete über rechts, flankte scharf in den Strafraum - und dort stand Van Ranst goldrichtig. Kopfball, Tor, Ekstase. 1:0! Der Belgier riss die Arme hoch, drehte jubelnd ab, während Johannessen fassungslos auf den Rasen starrte. "Ich hab die Flanke nur reingeschlagen, weil ich keine Lust mehr auf Verlängerung hatte", witzelte Del Carretto nach dem Spiel.

Varde versuchte danach noch einmal zu reagieren, Sobolewski prüfte Krueger in der 86. Minute, doch der Lyngby-Keeper blieb cool wie ein Eisblock. Danach nur noch Abpfiff, Jubel, Erlösung.

"Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte", bilanzierte Trainer Kellershoff, während er sich den Schal enger zog. "Wir haben 17 Torschüsse gebraucht, aber wenigstens war der letzte der richtige."

Vardes Coach, der sich zu keiner allzu emotionalen Reaktion hinreißen ließ, murmelte nur: "Wir hatten einen Plan. Leider hatte Lyngby einen besseren."

Statistisch gesehen war das Spiel klar: 17:4 Torschüsse, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Lyngby, ein Tor zur rechten Zeit. Taktisch blieb Kellershoff seiner offensiven Linie treu, während Varde mit seiner ausgewogenen, aber wenig druckvollen Spielweise letztlich zu harmlos blieb.

Und so ging ein Abend zu Ende, der alles hatte: Frust, Spannung, eine späte Erlösung - und das wohlige Gefühl, dass selbst im tiefsten Winter Fußballherzen warm schlagen können.

Oder, wie Van Ranst beim Rausgehen in Richtung Kabine lachend sagte: "Ich hab heute gelernt - Geduld ist wirklich eine Tugend. Aber bitte nicht jeden Spieltag wieder."

05.03.643987 04:00
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Ich habe immer gesagt, mich interessiert nicht, wer spielt. Hauptsache ich spiele.
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