// Startseite
| Jamaica News Bulletin |
| +++ Sportzeitung für Jamaica +++ |
|
|
|
Es war einer dieser Abende im tropischen Februar, an denen der Ball schon beim Aufwärmen zu tanzen beginnt. 60.229 Zuschauer im vollbesetzten Falmouth-Stadion sahen ein Spiel, das weniger nach Rechenschieber und mehr nach Bauchgefühl roch - und ein 35-jähriger Linksstürmer namens Jasper Van Achte hatte eindeutig das beste Bauchgefühl von allen. Zwei Tore, ein Lächeln, ein paar graue Haare - und eine Stadionkurve, die nach dem Schlusspfiff noch immer "Jasper! Jasper!" brüllte. Schon nach 60 Sekunden war das Spiel elektrisiert. Van Achte, offenbar noch nicht einmal richtig verschwitzt, nutzte eine Lücke in Clarendons noch im Tiefschlaf befindlicher Abwehr und drosch das Leder humorlos ins Netz - 1:0 nach einer Minute, der früheste Treffer des Spieltags. "Ich wollte eigentlich erst schauen, wie der Platz ist", grinste Van Achte später, "aber dann lag der Ball halt so schön da." Clarendon Sporting - mit der gewohnten offensiven Grundordnung, aber der Kreativität einer Steuererklärung - wirkte von diesem frühen Schock wie betäubt. Zwar hatten sie knapp 48 Prozent Ballbesitz, aber was sie damit anfingen, blieb ein Rätsel. Ihr einziger Torschuss in 90 Minuten kam in Minute 36 von Dylan Ross. Torwart Ernesto Ferrer, der bei den Villagers kaum Arbeit hatte, rief ihm nach der Parade angeblich zu: "War das alles?" Ross antwortete nicht - wahrscheinlich, weil er Ferrer kaum gehört hat vor lauter Pfeifkonzert. Hermann Tüllinghoff, der erfahrene Trainer der Villagers, lehnte währenddessen seelenruhig an der Bande, als habe er alles schon zehnmal erlebt. "Wir wollten heute defensiv schwach und offensiv stark sein", sagte er mit einem Augenzwinkern. "Hat geklappt." Tatsächlich spielten seine Männer laut Taktikanalyse offensiv ausgerichtet, aber mit zurückhaltender Aggressivität - eine Art gepflegte Lässigkeit, die Clarendon nie zu greifen bekam. Die Statistik sprach ohnehin eine deutliche Sprache: 15 Torschüsse zu 1, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe und ein Publikum, das jeden Angriff feierte, als ginge es um die Meisterschaft. Und irgendwie ging es darum auch: Mit diesem Sieg katapultieren sich die Villagers wieder ins obere Tabellendrittel der 1. Liga Jamaicas. In der zweiten Hälfte blieb das Spiel eine Demonstration der Effizienz. Die Villagers ließen laufen, Clarendon lief hinterher. In der 45. Minute wechselte Tüllinghoff doppelt - der junge Joel Marshal kam für den müden José Maria Longas, und Aki Lampi ersetzte Finlay Hannigan im Sturmzentrum. Später, in der 64. Minute, durfte auch noch Ricardo Velasco ran. "Ich wollte frische Beine, aber ehrlich gesagt: Die Alten haben’s vorher schon erledigt", meinte Tüllinghoff schmunzelnd. Und dann kam die 82. Minute - wieder Van Achte. Diesmal bedient von eben jenem Joel Marshal, der keine Viertelstunde auf dem Platz war. Ein kurzer Doppelpass, ein Haken, ein trockener Abschluss: 2:0. Der Rest war Jubel, Konfettiregen und ein verlegen grinsender 21-Jähriger, der nach Abpfiff sagte: "Ich hab einfach nur gehofft, dass Jasper mich überhaupt sieht." Er sah ihn. Und ganz Falmouth sah zu. Clarendon versuchte es noch einmal mit Scheingefechten, aber die Luft war raus. Lediglich Ryan Hennessy fiel in der 72. Minute auf - allerdings mit einer Gelben Karte, nicht mit einem Geistesblitz. Trainer der Gäste (dessen Name die Vereinsleitung nach Abpfiff lieber nicht nannte) verschwand wortlos in der Kabine. Ein Reporter rief ihm nach, ob er etwas zur Leistung seiner Mannschaft sagen wolle. "Nein", kam es kurz und knapp zurück - immerhin ehrlich. Als der Schiedsrichter um 21:53 Uhr abpfiff, stand es 2:0 - ein Ergebnis, das deutlicher war, als die Zahlen zeigen. Die Villagers kontrollierten das Geschehen, ohne sich je zu verausgaben, während Clarendon so harmlos blieb wie ein zahnloser Tiger auf Diät. Jasper Van Achte wurde folgerichtig zum Mann des Abends gewählt. "Ich spiele, weil’s mir Spaß macht", sagte er, den Spielball unter dem Arm, "und weil ich noch laufen kann." Trainer Tüllinghoff konterte lachend: "Solange er läuft, schreibe ich ihn auf." Ein Spiel, das keine taktische Lehrstunde war, aber eine einfache Wahrheit bestätigte: Erfahrung schlägt Eifer - zumindest, wenn Erfahrung zwei Tore schießt. Und irgendwo im Stadion, zwischen Zuckerrohrduft und Abendbrise, summte ein Fan: "So spielt nur Falmouth." Es klang ein bisschen kitschig - aber nach diesem Abend durfte es das ruhig. 02.04.643990 02:45 |
Sprücheklopfer
Das spricht vielleicht für eine schlechte Vereinskarriere - aber das war ein Höhepunkt meiner Laufbahn!
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was ihm der Siegtreffer gegen Bayern München bedeutet