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Unermüdlicher Kaufmann rettet Bensheim ein 2:2 gegen Oldenburg

Ein lauer Februarabend in Bensheim, Flutlicht, Wurstduft und 9662 Zuschauer, die sich auf einen dieser typischen 3.-Liga-Abende gefasst machten: Kampf, Krampf und gelegentliche Kunst. Am Ende stand ein 2:2 zwischen dem FC Bensheim und dem VfB Oldenburg - ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie gerecht wurde, aber niemanden so richtig zufrieden machte.

Dabei fing alles ganz nach Oldenburger Geschmack an. In der 25. Minute nahm Esteban Albacar, der sonst eher für die feinen Bälle bekannt ist, Maß und drosch den Ball aus 20 Metern in den Winkel. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der Mittelfeldmann hinterher. "Aber wenn’s so reingeht, beschwert sich keiner." Tat auch keiner, außer FC-Trainerin Jana Meiners, die an der Seitenlinie kurz die Stirn rieb.

Bis zur Pause blieb Bensheim bemüht, aber harmlos. 46 Prozent Ballbesitz, viele halbherzige Abschlüsse - und ein Publikum, das sich mehr über den Pausenkaffee als über die Offensivbemühungen unterhielt. "Wir haben zu brav gespielt", gab Meiners später zu. "Ich hätte mir gewünscht, dass jemand mal mutig durchzieht - oder wenigstens den Ball trifft."

Und siehe da: Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, passierte genau das. In der 47. Minute war es der unermüdliche Johann Kaufmann, der nach Vorarbeit von Alexandre Declark die Kugel irgendwie über die Linie stocherte. Ein klassisches "Willens-Tor", wie man in der Fachsprache sagt - oder, wie Kaufmann selbst meinte: "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du 14 Mal schießt, darf auch mal einer reingehen."

Doch die Freude währte kurz. Nur fünf Minuten später stellte Xavi Aguas auf 2:1 für Oldenburg - nach feinem Zuspiel von Linksverteidiger Sven Schrader, der in dieser Szene aussah wie ein brasilianischer Spielmacher. "Ich hab ihm gesagt, dass er das nie wieder so machen soll", scherzte Gästecoach Kurt Kurt später. "Wir sind schließlich keine Samba-Truppe."

In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Beide Teams feuerten aus allen Lagen: 14 Torschüsse pro Seite sprechen eine deutliche Sprache. Bensheim blieb offensiv, Oldenburg kontrollierte etwas mehr den Ball - 54 Prozent Ballbesitz für die Gäste, aber kaum Entlastung in der Schlussphase.

Dann kam wieder Kaufmann. 77. Minute. Diesmal nach Vorlage des quirligen Nevio Santos. Ein schneller Doppelpass, ein kurzer Antritt - und der Ball zappelte im Netz. Jubel, Erleichterung, ein bisschen Ekstase auf den Rängen. "Ich glaub, der Rasen hat mir geholfen", meinte Kaufmann grinsend. "Der Ball ist so blöd gesprungen, dass selbst der Torwart überrascht war."

Oldenburg versuchte danach, das Spiel zu retten, doch Keeper Christopher Jones im Bensheimer Tor hatte einen dieser Tage, an denen er einfach alles hielt - oder zumindest so tat. Einmal schoss Ivar Johnsen ihn direkt an, ein anderes Mal klärte Jones artistisch per Faustabwehr. "Ich hab einfach gehofft, dass keiner mehr trifft", sagte er trocken nach dem Spiel.

Am Ende blieb es beim 2:2, und beide Trainer suchten das Positive. "Wir haben Moral gezeigt", lobte Jana Meiners ihre Mannschaft. "Und Johann hat gezeigt, dass Alter keine Ausrede ist." (Kaufmann ist 31, also in Bensheim schon fast ein Veteran.) Kurt Kurt sah das naturgemäß etwas anders: "Wir hätten das Spiel gewinnen müssen. Aber gut - wir sind Oldenburg. Wir lieben Spannung."

Statistisch gesehen war’s ein Duell auf Augenhöhe: 14 Torschüsse, fast identische Zweikampfwerte (50 zu 49 Prozent), etwas mehr Ballbesitz für Oldenburg, etwas mehr Herzblut bei Bensheim. "Wenn man die Zahlen liest, könnte man denken, es war langweilig", meinte Meiners zum Abschluss. "War’s aber nicht - ich hab mindestens fünf neue graue Haare."

Und das Publikum? Es ging zufrieden nach Hause - oder zumindest nicht unzufrieden. Schließlich hatte man vier Tore gesehen, reichlich Emotionen und einen Kaufmann, der fast im Alleingang den Punkt rettete.

Vielleicht war’s nicht das Spiel des Jahres. Aber eines dieser Spiele, die man später mit einem Achselzucken und einem Lächeln zusammenfasst: "War gar nicht so schlecht heute." Und in der 3. Liga ist das manchmal schon großes Kino.

25.04.643990 09:12
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