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Es war ein kühler Abend in Volos, doch die 20.000 Zuschauer im Panthessaliko-Stadion hatten keine Zeit zum Frieren. Zu spannend ging es beim 1:1 zwischen Niki Volos und Ergotelsis am 6. Spieltag der griechischen Super League zu - ein Spiel, das alles bot, was man von einem Montagabend erwarten kann: frühe Tore, gelbe Karten, ein Platzverweis und jede Menge theatralische Gesten, die auch in einem antiken Drama nicht fehl am Platz gewesen wären. Ergotelsis startete furios. Schon in der ersten Minute prüfte Fotios Sisinis den Niki-Keeper Theofanis Samaras mit einem Distanzschuss - ein Vorgeschmack auf die offensive Marschrichtung der Gäste. In der 12. Minute dann die frühe Belohnung: Nach herrlicher Vorarbeit von Sisinis drosch Astianax Papazoglou den Ball aus halbrechter Position in die Maschen. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du zu viel nachdenkst, ist der Moment vorbei", grinste der Torschütze später in die Kameras. Niki Volos schien kurz geschockt, aber nicht geschlagen. Trainer Leonidas Mavros - ganz in schwarz, mit der Körpersprache eines Mannes, der lieber selbst auf dem Platz stünde - trieb seine Männer lautstark an. "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen endlich Fußball spielen und nicht Touristen unter Flutlicht sein", erzählte er mit einem Augenzwinkern nach Abpfiff. Der Appell wirkte. Nach einigen vergebenen Chancen - unter anderem zwei gefährlichen Versuchen von Aristodimos Katranas (21.) und Anton Kirjakow (25.) - fiel in der 37. Minute der Ausgleich. Katranas flankte punktgenau von links, und Pattrick Seifert vollendete volley zum 1:1. Stadion und Trainer explodierten gleichermaßen. "Ich hab den Ball kommen sehen und gedacht: Wenn ich jetzt danebenhaue, wechsle ich mich selbst aus", witzelte Seifert später. Mit 1:1 ging es in die Kabinen - und das völlig verdient. Volos hatte zwar leicht mehr Ballbesitz (52,8 Prozent) und auch mehr Torschüsse (13 zu 8), doch Ergotelsis blieb jederzeit gefährlich. Besonders Papazoglou und der junge Stavros Zagorakis sorgten immer wieder für Alarm in der Niki-Abwehr. Die zweite Halbzeit begann mit einem Schussfeuerwerk beider Seiten, aber ohne Ertrag. Domazos, der quirlige Mittelfeldmotor der Hausherren, zirkelte in der 52. Minute knapp vorbei, während Ergotelsis auf Konter lauerte. Dabei blieb es jedoch erstaunlich zivil - na ja, bis zur 64. Minute, als Aigefs Venizelos von Niki Volos nach rustikalem Einsteigen Gelb sah. Die passende Antwort kam prompt von der Tribüne: ein kollektives "Ooooh!" und ein ironischer Applaus. Ergotelsis schien in der Schlussphase die Luft auszugehen. Gleich drei Gelbe Karten auf Seiten der Gäste (Christou, Koudas und Alexiou) zeugen von einer zunehmend ruppigen Gangart. In der 91. Minute dann der unrühmliche Schlusspunkt: Andronikos Christou, bereits verwarnt, grätschte noch einmal ungestüm - und sah folgerichtig Gelb-Rot. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte er sich später, "aber der Ball war wohl schneller." Taktisch blieb das Spiel erstaunlich konservativ. Beide Teams setzten laut Statistik über 90 Minuten auf eine ausgewogene, fast spiegelbildliche Ausrichtung - kein Hochpressing, keine wilden Experimente. Es war, als hätten sich beide Trainer vor dem Anpfiff darauf geeinigt, den Ball höflich zu teilen. Trotzdem: Spannung war genug da. Kirjakow hätte in der 88. Minute beinahe zum Helden werden können, doch seine Direktabnahme strich Zentimeter über die Latte. Trainer Mavros vergrub das Gesicht in den Händen, während der Gästecoach - vermutlich innerlich erleichtert - so tat, als müsse er dringend seine Stoppuhr prüfen. Nach dem Schlusspfiff wirkten beide Seiten erleichtert, nicht verloren zu haben. "Mit zehn Mann in Volos zu bestehen, das ist wie ein Sieg", meinte Ergotelsis-Kapitän Papazoglou. Dagegen sagte Niki-Verteidiger Anaximenis Vlahos trocken: "Wenn wir noch fünf Minuten länger gespielt hätten, wäre der Ball vielleicht freiwillig reingegangen." So blieb es beim gerechten 1:1 - ein Spiel, das mehr von Emotion und Einsatz lebte als von taktischen Finessen. Niki Volos bleibt damit im Tabellenmittelfeld, während Ergotelsis mit dem Punkt zufrieden sein darf. Ein Zuschauer fasste es auf der Tribüne treffend zusammen: "Beide wollten gewinnen, keiner konnte - typisch griechisch, wir teilen eben gern." Und irgendwie hatte er recht. 17.03.643987 23:20 |
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Mario Basler