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Ein lauer Märzabend in Okanagan, 53.885 Zuschauer im Stadion, und zwei Teams, die sich offenbar schon beim Einlaufen heimlich auf ein 1:1 geeinigt hatten - so fühlte sich das Spitzenspiel zwischen den Okanagan Bulls und den North York Stars am Mittwochabend an. Doch wer genau hinsah, bekam 90 Minuten ehrlichen, manchmal wilden Fußball geboten - inklusive früher Feuerwerke, verpasster Chancen und einem Vincent Travassos, der offenbar beschlossen hatte, den Ball häufiger auf das Tor als ins Tor zu schießen. Kaum hatte Schiedsrichter McDougall angepfiffen, da legten die Stars los wie ein Torpedo. In der 5. Minute war es Isaac Baskin, der nach einem feinen Zuspiel von Agustin Marques die Kugel flach ins rechte Eck schob. Der 33-Jährige grinste danach, als hätte er gerade den Beweis geliefert, dass Erfahrung eben doch durch nichts zu ersetzen ist. "Ich hab einfach gesehen, dass der Keeper zu früh gezuckt hat", erklärte Baskin später mit einem Schulterzucken. Doch die Bulls reagierten prompt - und zwar wie ein wütender Stier. Nur vier Minuten später traf Vincent Travassos nach Vorlage von Roberto Ferrer zum Ausgleich. Ein klassischer Stürmertreffer: schnell, entschlossen, trocken abgeschlossen. "Robbie hat mir den Ball perfekt auf den Fuß gelegt", sagte Travassos später. "Ich musste nur noch Danke sagen." Trainer Markus Merk hatte es da schon schwer, die Fassung zu wahren. "Da stand’s 1:1, und ich dachte: Na wunderbar, jetzt haben wir das Soll erfüllt. Können wir den Rest bitte im Mittelfeld austragen?", witzelte er nach dem Spiel. Was folgte, war ein Spiel mit klarer Rollenverteilung: Die Bulls kontrollierten das Geschehen - 51 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse - aber die Stars blieben gefährlich, wenn sie es mal über die Mittellinie schafften. Besonders Christiano Ferron und Rodion Arschawin versuchten immer wieder, den Riegel der Bulls zu knacken, doch Torhüter Marcio Futre blieb aufmerksam. "Ich hab heute mehr Bälle gefangen als Fische in meinem letzten Angelurlaub", lachte der Keeper nach Abpfiff. In der zweiten Hälfte wurde es ruppiger, aber nie böse. Lediglich Hugo Garcia sah Gelb, nachdem er in der 73. Minute mehr Ball als Gegner getroffen hatte - nur leider in umgekehrter Reihenfolge. Die Bulls drängten derweil auf das zweite Tor: Butragueno prüfte den Stars-Keeper Letourneur mehrfach aus der Distanz, und der junge Jaime Couto schoss in der Schlussphase gleich dreimal binnen zwei Minuten - einmal in die Arme des Torwarts, einmal daneben, einmal darüber. "Ich wollte zeigen, dass ich Mut habe", grinste Couto, "nächstes Mal ziele ich vielleicht auch." Dass ausgerechnet in der 45. Minute Roberto Ferrer, der Vorlagengeber zum 1:1, ausgewechselt wurde, sorgte bei den Fans für gemischte Reaktionen. Merk verteidigte seine Entscheidung mit einem Augenzwinkern: "Antonio Arrondo musste rein, weil er sich schon warmgelaufen hatte. Und ich wollte nicht, dass das umsonst war." Die letzte Viertelstunde war ein Spiegelbild des gesamten Spiels: Die Bulls machten Druck, die Stars verteidigten clever, und irgendwo dazwischen schien der Schiedsrichter schon über die Nachspielzeit nachzudenken. In der 90. Minute rauschte erneut Couto heran, verzog aber - sinnbildlich für einen Abend, an dem alles passte, nur das Ergebnis nicht. Am Ende stand ein 1:1, das beide Seiten mit gemischten Gefühlen quittierten. "Ein Punkt ist okay", meinte Stars-Coach - der sich selbst lieber im Hintergrund hielt -, "aber wenn man so früh führt, will man mehr." Markus Merk dagegen blieb gelassen: "Wir haben gezeigt, dass wir auch defensiv was können. Und offensiv... na ja, wir haben’s wenigstens versucht." Statistisch gesehen war der Abend schnell erzählt: 14:5 Torschüsse, 53 zu 46 Prozent Zweikampfquote zugunsten der Bulls, aber eben auch nur ein Tor. Und das fiel früh. Danach war viel Engagement, wenig Präzision und eine Prise kanadische Gelassenheit. Als die Spieler schließlich vom Platz trotteten, applaudierte das Publikum freundlich, aber nicht euphorisch. Ein älterer Fan auf der Tribüne fasste es wohl am besten zusammen: "Schönes Spiel. Nur das Ende war etwas zu früh." Vielleicht war’s genau das - ein Spiel, das zu früh seinen Höhepunkt erreichte. Doch wenn die Bulls weiter so anrennen und die Stars so effizient bleiben, dürften beide Teams noch öfter Schlagzeilen schreiben. Nur hoffentlich mit einem Ergebnis, das etwas weniger nach Gentlemen’s Agreement aussieht. 25.06.643993 14:36 |
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