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Ein lauer Abend in Bucaramanga, 59.000 Zuschauer, Trommeln, Vuvuzelas, und irgendwo zwischen Begeisterung und Nervenzusammenbruch ein gewisser Trainer Papa Ancelotti, der nach 90 Minuten einmal tief durchatmete und murmelte: "Manchmal reicht ein Tor - aber schön ist das nicht." Recht hatte er. UD Bucaramanga gewann zum Auftakt der Copa Libertadores-Gruppenrunde mit 1:0 gegen Barbican FC - ein Ergebnis so knapp wie verdient, so zäh wie eine alte Fußballweisheit. Das Tor des Abends fiel in der 24. Minute, als Rui Mascarenhas, der quirligste Portugiese seit Cristiano auf Madeira, einen Pass von Iker Allegri elegant verarbeitete und den Ball mit einem satten Flachschuss ins linke Eck drosch. Torwart Christophe Martineau vom Barbican FC streckte sich vergeblich - und klatschte danach ironisch in die Hände. "Ich dachte, er schießt mit dem schwachen Fuß", grinste er später bitter. Bis dahin hatte sich ein offenes Spiel entwickelt. Beide Teams mit je zwölf Schüssen aufs Tor - eine Statistik, die trügt. Denn echte Hochkaräter waren selten. Schon in der 5. Minute prüfte Allegri den Barbican-Keeper, kurz danach jagte Marc Grenier den Ball auf der anderen Seite knapp über die Latte. Es war ein lebendiger Start, aber keiner, der vor Spielfreude sprühte - eher so, als hätten beide Mannschaften den Ballbesitzvertrag (50,1 % zu 49,8 %) bereits vor Anpfiff unterschrieben. Bucaramanga spielte aus einer ausgewogenen Formation, aggressiv, aber ohne übermäßiges Risiko. Taktisch "balanced", wie es im modernen Jargon heißt, und das über die vollen 90 Minuten. Barbican dagegen hielt an seinem Kurzpass-Glauben fest - und brachte Papa Ancelotti mit seinen blitzschnellen Umschaltmomenten mehrmals zum Fluchen am Spielfeldrand. "Die spielen ja, als hätten sie WLAN-Verbindung zwischen den Schuhen", soll er einem Assistenten zugeraunt haben. Doch dann kam die 24. Minute - und Mascarenhas’ Moment. Der Portugiese riss nach seinem Treffer die Arme hoch, deutete auf den Himmel und wurde von seinen Mitspielern fast erdrückt. "Iker hat mich gesehen, bevor ich selbst wusste, wo ich hinlaufe", sagte der Siegtorschütze anschließend mit einem Schmunzeln. Allegri, der Vorlagengeber, konterte: "Ich sehe ihn auch im Schlaf - meistens, wenn ich Albträume habe." Barbican reagierte mit wütenden Angriffen. Andrew Forsythe zog aus der Distanz ab (27.), Francois Reacock (!) köpfte nach einer Ecke gefährlich (30.), aber Bucaramangas Torhüter Finlay Linney hielt, was zu halten war - und das mit einer Ruhe, die man sonst nur bei Yoga-Retreats findet. "Ich habe einfach den Ball angeschaut, als wäre er ein alter Freund", erklärte Linney später trocken. Kurz vor der Pause geriet das Spiel ruppiger: Anton Ragulin sah Gelb (22.), Paulo Cunha folgte ihm in der 48. Minute - beide Male wegen "übermotivierten Einsatzes", wie der Schiedsrichter diplomatisch formulierte. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", rechtfertigte sich Cunha, "leider war der Gegner auch da." Nach dem Seitenwechsel blieb das Geschehen ausgeglichen. Mascarenhas schoss weiter aus allen Lagen (51., 53.), während Barbican mit Koenraad Van Zandt und Michel Baskin gefährlich konterte. In der 65. Minute hatte Grenier den Ausgleich auf dem Fuß, doch Linney rettete erneut. "Das war der Moment, in dem ich kurz an Wunder glaubte - aber dann fiel mir ein, ich bin Brite", witzelte der Keeper. Trainer Peter Heinze von Barbican FC sah das naturgemäß anders. "Wir waren das bessere Team, aber der Ball hatte heute andere Pläne", knurrte er auf der Pressekonferenz, während er an seinem Wasser nippte, als sei es ein Bitterspiritus. Tatsächlich war Barbican im Zweikampf leicht überlegen (50,3 % Tacklingquote), doch im letzten Drittel fehlte die Präzision - oder einfach das Glück. Als der Schlusspfiff ertönte, jubelten die Fans von Bucaramanga, als hätten sie die Copa schon gewonnen. Papa Ancelotti klopfte jedem Spieler auf die Schulter, als würde er ihnen das Abiturzeugnis überreichen. "Ein Arbeitssieg", fasste er zusammen. "Aber lieber schwitzen als zittern." Barbican FC verließ das Stadion mit hängenden Köpfen, aber auch dem Gefühl, dass hier mehr drin war. "Wenn wir so weiterspielen, holen wir unsere Punkte - nur hoffentlich nicht erst im Rückspiel", meinte Mittelfeldmann Forsythe mit Galgenhumor. So bleibt es beim 1:0 - ein Ergebnis, das in keiner Highlight-Zusammenfassung glänzen wird, aber in Bucaramanga für ruhige Nächte sorgt. Und wer weiß: Vielleicht war dies der Beginn einer kleinen Libertadores-Romanze. Oder, wie Mascarenhas es formulierte, während er sich in der Mixed Zone lachend den Schweiß von der Stirn wischte: "Ein Tor ist wie ein Espresso - kurz, stark, und manchmal genug, um den ganzen Abend wach zu bleiben." 19.08.643990 09:45 |
Sprücheklopfer
Das ist Wahnsinn! Da gibt's Spieler im Team, die laufen noch weniger als ich!
Toni Polster nach einer Niederlage