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Was für ein Fußballabend in Bucaramanga! 59.000 Zuschauer im Estadio Alfonso López erlebten am 10. Spieltag der 1. Liga Kolumbien ein Wechselbad der Gefühle, das mit einem späten 2:1-Erfolg der Hausherren endete. Atletico Cucuta war früh in Führung gegangen, UD Bucaramanga drehte die Partie spät - und das Publikum tobte, als wäre gerade die Meisterschaft entschieden worden. Dabei begann alles wie ein schlechter Witz aus Sicht der Gastgeber. Keine sechs Minuten waren gespielt, da durfte Cucutas Oscar Murray bereits zum Jubeln abdrehen. Nach feinem Zuspiel von Silvestre Ruiz zog der linke Mittelfeldmann aus 18 Metern ab, der Ball klatschte noch an die Unterkante der Latte und zappelte schließlich im Netz. Torwart Finlay Linney konnte nur hinterherblicken - und schüttelte später den Kopf: "Ich dachte, der Ball sei schon draußen. War er aber offensichtlich nicht." UD Bucaramanga, trainiert vom altgedienten Papa Ancelotti (nicht verwandt mit dem italienischen Namensvetter, aber genauso charmant verschmitzt), ließ sich davon nicht beirren - im Gegenteil. Schon in der Anfangsphase schossen die Hausherren aus allen Lagen. 23 Torschüsse am Ende des Abends sprechen Bände. Damiano Decollatura prüfte den gegnerischen Keeper Asier Domingos gefühlt im Minutentakt, Pascal Letourneur zirkelte Flanken, als wolle er den Ball hypnotisieren. Nur das Tor fehlte. "Wir haben gespielt, als wäre das Tor verschlossen", meinte Ancelotti später mit einem halben Lächeln. "Ich habe in der Pause gesagt: Wenn ihr weiter so spielt, brauchen wir bald einen Schlosser." Nach dem 0:1 zur Pause blieb Bucaramanga seiner offensiven Linie treu - 54,7 Prozent Ballbesitz, starkes Pressing, aggressives Zweikampfverhalten. Cucuta dagegen verlegte sich zunehmend aufs Kontern, lange Bälle sollten die Entscheidung bringen. Doch mit jeder Minute schien der Druck der Heimelf größer zu werden. In der 70. Minute fiel endlich der Ausgleich - und wie! Benyamin Fournier spielte einen Pass in den Lauf von Pascal Letourneur, der rechts in den Strafraum zog und aus spitzem Winkel ins kurze Eck drosch. 1:1, die Arena bebte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Letourneur später zu, "aber wenn’s drin ist, sagt man natürlich, das war Absicht." Das 1:1 war verdient, aber Bucaramanga wollte mehr. Trainer Ancelotti brüllte von der Seitenlinie: "Noch zehn Prozent mehr Einsatz!" - was seine Spieler offenbar wörtlich nahmen. Der Druck blieb enorm, Cucuta verteidigte verzweifelt, doch in der 88. Minute brach die Abwehrkette endgültig. Wieder war Letourneur beteiligt - diesmal als Vorlagengeber. Nach einem energischen Sprint über die rechte Außenbahn legte er den Ball klug zurück auf Attila Radoki, der aus 20 Metern Maß nahm und den Ball mit einem satten Linksschuss im linken Winkel versenkte. 2:1! Die Stadionlautsprecher kamen kaum gegen den Lärm der Fans an. "Ich habe gar nicht gesehen, dass der Ball schon drin war", grinste Radoki nach Abpfiff. "Ich hab einfach weitergeschossen - sicher ist sicher." Cucuta versuchte in den Schlussminuten noch einmal alles, doch es blieb beim verdienten Sieg für Bucaramanga. Die Statistik untermauert den Eindruck: 23:7 Torschüsse, klarer Ballbesitzvorteil, fast 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Gästecoach Felix Eckball - nomen est omen - zeigte sich nachsichtig: "Wir haben früh getroffen, dann aufgehört, Fußball zu spielen. Vielleicht dachten meine Jungs, es sei schon Halbzeit nach zehn Minuten." Mit dem 2:1 klettert UD Bucaramanga in der Tabelle weiter nach oben und zeigt, dass Leidenschaft, Geduld und ein Quäntchen Chuzpe am Ende doch belohnt werden. Und Trainer Papa Ancelotti? Der schloss seine Pressekonferenz mit einem Augenzwinkern: "Ich hab gesagt, die Jungs sollen offensiv bleiben. Aber dass sie so lange warten, um mich alt aussehen zu lassen - das war nicht abgesprochen." Ein Abend, der in Bucaramanga noch lange besungen werden dürfte - ohne dass jemand die genaue Melodie braucht. 11.09.643990 01:50 |
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Ich grüße meine Mama, meinen Papa und ganz besonders meine Eltern.
Mario Basler