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Ein lauer Abend in São Paulo, 50.148 Zuschauer, eine tropische Luftfeuchtigkeit, die jedem Außenverteidiger schon beim Aufwärmen den Schweiß in die Stutzen trieb - und dennoch wurde Fußball gearbeitet, geackert und manchmal sogar zelebriert. Am Ende jubelte der Gast: UD America gewann beim CD Sao Paulo mit 2:1 (1:0) und nahm drei Punkte mit, die man eher in einem Museum für Effektivität ausstellen sollte. Die Partie begann mit einem Feuerwerk aus Halbchancen. Schon nach drei Minuten prüfte Antonio Jorge den Gästetorhüter Simon Decaluwe - der Belgier im Kasten Amerikas klebte allerdings wie eine Katze auf Speed auf der Linie. Und Jorge? Der zuckte nur mit den Schultern, als wolle er sagen: "Na gut, dann halt beim nächsten Mal." Es folgten noch zwei "nächste Male" in den Minuten 6 und 11, beide endeten im Fangnetz. Und während Sao Paulo noch den Rhythmus suchte, hatte UD America ihn längst gefunden. In der 15. Minute setzte Sergio Menendez auf links zum Sprint an, flankte butterweich - und Werner Becker, der blondgelockte Rechtsaußen mit deutschem Namen und brasilianischem Temperament, köpfte eiskalt zum 0:1 ein. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", grinste Becker später. "Hat geklappt." Trainer Pat Kick sah auf der heimischen Bank nicht so amüsiert aus. Er zupfte nervös an seinem Hemdkragen und schimpfte in Richtung Linienrichter, obwohl der am Treffer völlig unbeteiligt war. "Wir haben uns das selbst eingebrockt", sagte er später ehrlich. "Wer so zögerlich verteidigt, bekommt eben eins eingeschenkt." Die Statistik zur Pause sprach eine klare Sprache: 8 zu 12 Torschüsse, 46 Prozent Ballbesitz für Sao Paulo, aber null Zählbares. UD America dagegen spielte abgeklärt, mit einer Mischung aus Geduld und gelegentlichem Wahnsinn. Trainer Max Struse, bekannt für seinen lakonischen Stil, meinte in der Halbzeit: "Wir führen, also machen wir weiter wie bisher. Vielleicht treffen wir ja wieder aus Versehen." Nach der Pause wurde es dann tatsächlich hitziger - und kurzzeitig sogar gerecht. Daniel Oliveira, erst zur Halbzeit eingewechselt, stocherte in der 59. Minute den Ball nach einer unübersichtlichen Strafraumszene über die Linie. 1:1, der Jubel im Morumbi-Stadion war ohrenbetäubend. Oliveira rannte zur Eckfahne, küsste das Vereinswappen und brüllte irgendwas, das selbst die Lippenleser noch beschäftigt. Sao Paulo witterte die Wende, schaltete auf Offensive, presste hoch - und lief prompt in die klassische Konterfalle. In der 71. Minute kam eine Ecke von Andrew Lewis, die eigentlich harmlos aussah. Doch aus dem Hintergrund - und das ist wörtlich zu nehmen - rauschte Innenverteidiger Jordan Vermeirsch heran und köpfte das Leder mit der Wucht eines Presslufthammers ins Netz. 1:2. Ein Innenverteidiger als Matchwinner. "Ich hatte eigentlich gar keine Erlaubnis, so weit vorne zu stehen", lachte Vermeirsch hinterher. "Aber wenn man schon da ist, kann man ja auch was Nützliches tun." Trainer Struse grinste nur: "Ich sage immer, ein guter Verteidiger weiß, wann er Unsinn machen darf." In der Schlussphase warfen die Hausherren alles nach vorne. Trainer Kick brachte den 17-jährigen Miguel Gutierrez - das Publikum feierte den Debütanten, als würde er gleich den Ausgleich schießen. Tat er aber nicht. Stattdessen sammelte UD America noch zwei Gelbe Karten (Cenadi in der 70., Akin in der 83.), streute ein paar taktische Fouls ein und verteidigte das Ergebnis mit jener stoischen Ruhe, die man sonst nur bei Taxifahrern im Stau sieht. Am Ende standen 18 Torschüsse und 54 Prozent Ballbesitz für die Gäste - Zahlen, die zeigen, dass der Sieg kein Zufall war. Sao Paulo kämpfte, rannte, biss - doch die Effizienz blieb eine Fremdsprache. "Wir haben viel probiert, aber manchmal will der Ball einfach nicht", seufzte Kapitän Sezer Sekman. "Vielleicht war’s der Wind. Oder Murphy’s Law." Als der Schlusspfiff ertönte, reckte Struse die Faust, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. Pat Kick dagegen verschwand wortlos in den Katakomben. Vielleicht, um seine Taktiktafel zu trösten. Ein Spiel, das alles bot: Tempo, Tore, Emotionen - und am Ende einen Sieger, der weniger schön, dafür umso cleverer spielte. UD America bleibt damit im Rennen um die internationalen Plätze, während Sao Paulo weiter nach der Form sucht, die einst gefürchtet war. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wir haben gut gespielt - aber leider nicht gewonnen. Wie immer." 25.04.643990 04:25 |
Sprücheklopfer
Ja gut, ich sag mal so: Woran hat's gelegen? Das ist natürlich die Frage und ich sag einfach mal: Das fragt man sich nachher natürlich immer!
Olaf Thon auf die Frage nach dem Grund einer Niederlage