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Ein warmer Februarabend in Luque, 27.357 Zuschauer, Trommeln, Fahnen, und das Gefühl, heute müsse einfach alles klappen. Atletico Luqueno empfing am 16. Spieltag der paraguayischen Primera División den unbequemen UD 2 de Mayo - und ging am Ende mit 1:3 unter. Die Bilanz klingt deutlich, und sie war es auch. Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Hausherren. Schon nach zwei Minuten prüfte Ernesto de la Sota den Gästetorhüter mit einem kernigen Schuss, und die folgenden Minuten glichen einem Belagerungszustand. Antonio Santos und Xavi Longas droschen Bälle aufs Tor, als gäbe es Punkte für Entschlossenheit. Doch die Latte, der Torwart und das Pech bildeten ein Dreigestirn gegen Luqueno. Und dann - typisch Fußball - das Gegentor aus dem Nichts: In der 21. Minute entwischte der 20-jährige Agustin Puerta über links, bekam den Ball von Sergi Makukula in den Lauf, und schlenzte ihn mit der Selbstverständlichkeit eines Routiniers ins lange Eck. 0:1. Der Jubelblock der Gäste, etwa 200 Menschen stark, tanzte, als wäre das Stadion nur für sie gebaut. "Wir hatten das Spiel eigentlich im Griff", knurrte Luquenos Trainer (dessen Name das Vereinsgeheimnis bleiben darf) später. "Aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb, auch wenn wir in der ersten Halbzeit wohl den Titel gewonnen hätten." Die Statistik gab ihm recht: 51 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse - und trotzdem lag man zurück. UD 2 de Mayo lauerte, sammelte Kräfte und wirkte erstaunlich abgeklärt. Trainer Nurullah Sahin stand an der Seitenlinie mit der Ruhe eines Mannes, der wusste, dass seine Jungs gleich wieder zuschlagen würden. Nach der Pause kam Luqueno wütend aus der Kabine. Nelson Simao, der rechte Flügelstürmer mit der Dynamik eines Schnellzuges, traf in der 54. Minute endlich zum 1:1. Antonio Santos hatte mustergültig vorbereitet, und das Stadion explodierte. "Ich dachte, jetzt drehen wir das Ding", sagte Simao später. "Aber dann kam dieser Puerta wieder - wie aus dem Nichts." Ja, dieser Puerta. In der 63. Minute schnappte er sich einen Pass von David Lalonde und verwandelte eiskalt zum 2:1. Während die Heimfans noch die Hände in die Luft warfen, drehte Puerta ab, grinste in Richtung Tribüne und zeigte auf sein Herz. Es war die Szene des Abends - ein 20-Jähriger, der mit einem Lächeln die Hoffnung einer ganzen Stadt zerschlug. Luqueno versuchte alles: Cruz nach vorne, Custodio als hängende Spitze, und hinten Lomban mit Gelb auf der Kippe, aber weiter voll im Risiko. Doch es half nichts. In der 85. Minute machte der eingewechselte Gabriel Landry, gerade einmal 18, den Deckel drauf. Hjalmar Bruhn hatte sich auf links durchgewühlt, passte scharf in die Mitte, und Landry schob den Ball lässig über die Linie. 1:3. Sahin ballte die Faust, so unauffällig wie möglich. "Ich habe ihm vor dem Spiel gesagt: Wenn du reinkommst, mach’s wie im Training - nur bitte ins richtige Tor", lachte der UD-Trainer nach der Partie. Landry grinste daneben und flüsterte: "Ich hatte Angst, dass er mich sonst nächste Woche wieder in die Jugend schickt." Die letzten Minuten wurden zum Schaulaufen für 2 de Mayo. Selbst als Julio Vazques in der 83. Minute Gelb sah, grinste er nur müde. Luqueno mühte sich, aber der Ball wollte einfach nicht mehr über die Linie. Am Ende blieb den Gastgebern nur der Applaus der eigenen Fans für Einsatz und Leidenschaft. UD 2 de Mayo zeigte, was Effizienz bedeutet: neun Torschüsse, drei Tore. Atletico Luqueno hatte fast doppelt so viele, aber eben nur einen Treffer. "Wenn du vorne deine Chancen nicht nutzt, bestraft dich der Fußballgott - und heute hieß er Puerta", murmelte ein Fan beim Verlassen des Stadions. Und während die Spieler von 2 de Mayo in der Kabine lauthals sangen (das Lied sei hier dem Urheberrecht zuliebe verschwiegen), starrte Luqueno in eine bittere, aber lehrreiche Nacht. Vielleicht war es kein schönes Erwachen - aber eines, das zeigt: Ballbesitz ist Silber, Effizienz ist Gold. Oder, wie Nurullah Sahin es trocken zusammenfasste: "Wir haben heute nicht mehr gemacht, als nötig war. Und genau das war genug." 19.11.643990 19:11 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme