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Wenn Fußball zum Spektakel wird, dann so wie an diesem Dienstagabend im Estadio Cali. 59.000 Zuschauer verwandelten die Arena in ein brodelndes Tollhaus, als Sporting Cali im Viertelfinal-Hinspiel der Amerikaliga die Greenstars GSC mit 5:3 (3:1) bezwang - ein Spiel voller Tempo, Treffer und kleiner Dramen, die den Fußball so liebenswert machen. Schon in der zwölften Minute gab Michel Mendes den Startschuss für das Torfestival. Nach feinem Zuspiel von Silvestre Sa Pint drosch der 31-Jährige den Ball derart wuchtig ins Netz, dass selbst die Eckfahne kurz erzitterte. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Mendes später und zuckte mit den Schultern. "Aber manchmal muss man dem Ball einfach vertrauen." Die Greenstars reagierten postwendend. Julien Prentiss, der bullige Mittelstürmer mit der Eleganz eines Bulldozers, nutzte in der 27. Minute eine Vorlage von Jean-Pierre Jean-Pierre (ja, der heißt wirklich so) und glich aus. Trainer Ostkurve Berlin - ein Name wie ein Punkband-Titel - brüllte zufrieden: "Das war der Moment, in dem wir Cali kurz den Stecker gezogen haben." Leider blieb der Stromausfall nicht lang. Nur eine Minute später schlug Adrian Domingo eiskalt zurück. Der junge Linksaußen traf nach Pass von Noe Vaz zur erneuten Führung, und kaum hatte man den Jubel beendet, stand es schon 3:1: Gerard Barthez vollendete in Minute 29 nach Vorarbeit von - genau - Domingo. Die Greenstars-Defensive wirkte da so überfordert, als hätten sie plötzlich gelernt, dass Abseits kein französischer Käse ist. Zur Pause sah alles nach einem ruhigen Abend für Sporting aus. Doch wer in Cali an Ruhe glaubt, hat noch nie den zweiten Durchgang erlebt. Greenstars kam mit Wut im Bauch aus der Kabine, und tatsächlich: Guy Larocque brachte die Gäste in der 60. Minute mit einem satten Schuss wieder heran. Assistgeber Ashton Carter sprintete jubelnd über den halben Platz. "Wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können", erklärte er später - und fügte mit einem Zwinkern hinzu: "Nicht nur verteidigen." Drei Minuten später wurde es richtig wild: Thierry Maurice vollendete einen schnellen Angriff über die linke Seite - 3:3! Das Stadion schwieg kurz, man hörte nur das entfernte Lachen der mitgereisten Fans aus Greenstar City. Doch dann kam die Antwort, so schnell wie ein Tropenschauer: In der 67. Minute traf Nelio Hernan nach Vorlage von Rafael Makukula zum 4:3, und kaum war der Ball wieder im Spiel, legte Adrian Domingo nach - sein zweites Tor (68.), diesmal nach Pass von Georges Landry. 5:3, und das Publikum drehte endgültig durch. "Ich hab’ einfach draufgehalten", sagte Domingo nach dem Spiel, während er sich das Schweißband vom Arm zog. Trainer Michael Jakel grinste zufrieden: "Ich hab ihm gesagt, er soll mal schießen, bevor er denkt - heute hat er’s wörtlich genommen." Statistisch war Sporting Cali das klar aktivere Team: 17 Torschüsse gegenüber 11 der Gäste, 55 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von knapp 53 Prozent. Die Offensive stand permanent unter Strom, während Greenstars trotz kämpferischer Leistung nie ganz die Kontrolle fand. Die Partie hatte aber mehr als nur Tore zu bieten. In der 76. Minute sah Hernan Gelb, nachdem er einen Greenstars-Spieler etwas zu temperamentvoll "begrüßt" hatte - "Ich wollte nur den Ball", beteuerte er, während sein Trainer ihm von der Seitenlinie ein deutliches "Beruhig dich!" zurief. Auch taktisch blieb es spannend: Beide Teams spielten offensiv, aber während Cali aus allen Lagen draufhielt ("ANYTIME", wie das Trainerhandbuch sagt), suchten die Greenstars lieber die perfekte Schussposition - was in der Theorie schön klingt, in der Praxis aber zu spät kam. Kurz vor Schluss wechselte Jakel noch den erschöpften Barthez für den jungen Jorge Rocha ein, und auch Greenstars-Coach Berlin brachte frische Beine - oder zumindest das, was nach 70 Minuten tropischer Hitze noch als solche durchging. Nach dem Abpfiff jubelte Cali ausgelassen, während die Gäste mit hängenden Köpfen, aber erhobenem Stolz in die Kabine trotteten. "Wir haben noch ein Rückspiel", sagte Ostkurve Berlin trotzig. "Und wir bringen dann den Sturm mit." Ein Reporter fragte Michel Mendes, was er im Rückspiel erwarte. "Noch mehr Tore", lachte der, "aber bitte nicht gegen uns." Ein unvergesslicher Abend also in Cali - acht Tore, Emotionen im Überfluss und eine Heimmannschaft, die mit einem Bein schon im Halbfinale steht. Wenn das Rückspiel nur halb so feurig wird, sollte man die Feuerlöscher schon mal bereithalten. 16.11.643987 03:00 |
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