Canadian Soccer
+++ Sportzeitung für Kanada +++

Toronto untergeht im eigenen Stadion - Quebec Blues tanzen den Siebener-Walzer

Es war ein frostiger Februarabend in Toronto, aber auf dem Rasen des SC brannte die Luft - zumindest aus Sicht der Quebec Blues. 32.000 Zuschauer erlebten ein Spiel, das schon nach wenigen Minuten in Richtung Spektakel abbog - allerdings nur für eines der beiden Teams. Am Ende stand es 2:7 (2:3) aus Sicht der Gastgeber. Ein Ergebnis, das selbst in der 1. Liga Kanada Seltenheitswert hat.

Dabei fing alles so verheißungsvoll an. Bereits in der 4. Minute donnerte Brandon Dunn den Ball nach einer schnellen Kombination über die linke Seite in den Winkel - 1:0 für Toronto! Das Stadion tobte, die Fans sangen, und Trainer der Gastgeber (dessen Name man sich vielleicht besser spart) ballte die Fäuste. Drei Minuten später war die Euphorie allerdings Geschichte: Joseph Johnstone, der rechte Wirbelwind der Blues, glich nach feinem Zuspiel von Daan Bolsius aus. "Ich hatte das Gefühl, wir haben den Wecker gestellt - und sie sind aufgewacht", murmelte Dunn später.

Und wie sie aufwachten. Nur zwei Minuten später drehte Kobe Piersens das Spiel. Der bullige Linksaußen traf nach einer etwas kuriosen Vorlage von Innenverteidiger Rhys Hamlin - der offenbar dachte, er sei plötzlich Zehner. "Rhys hat einfach durchgezogen", grinste Quebec-Coach Lutz Lindemann hinterher, "und Kobe war da, wo ein Stürmer eben sein muss."

Toronto versuchte danach, den Ball zu halten - Ballbesitz 54,5 Prozent spricht dafür -, aber was nützt die Kugel, wenn sie nie im Netz landet? Vier Torschüsse insgesamt, während Quebec satte 18 abfeuerte. Die Statistik ist gnadenlos, und sie erzählt dieselbe Geschichte wie das Spiel: Toronto spielte, Quebec traf.

Noch einmal keimte Hoffnung auf, als Adrianos Fyssas in der 36. Minute nach Vorlage von Joshua Martel zum 2:2 traf. Das Heimteam jubelte, als hätte man gerade den Titel gewonnen. Doch die Blues antworteten wie ein schlecht gelaunter Konzertpianist: ein druckvoller Anschlag, ein präziser Ton - und schon stand es 2:3. Wieder Piersens, wieder Bolsius als Vorbereiter, diesmal kurz vor der Pause.

In der Kabine muss Lindemann wohl nur gesagt haben: "Jungs, wir haben noch Hunger." Denn nach dem Seitenwechsel rollte eine blaue Welle über Toronto hinweg. Christopher Berard erhöhte in der 68. Minute auf 2:4, eingeleitet vom gerade eingewechselten Youngster Louis Prinsloo, der mit 17 Jahren wirkte, als hätte er schon 100 Spiele auf dem Buckel. Acht Minuten später machte Diego Sousa das 2:5 - und grinste dabei so breit wie der Ontariosee.

Toronto taumelte, Quebec tanzte. Johnstone legte in der 85. Minute nach, wieder mit Assist von Prinsloo, und Sousa setzte in der Nachspielzeit den Deckel drauf. 2:7. Eine Demontage in Blau.

"Wir wollten eigentlich defensiv sicher stehen", sagte ein sichtlich konsternierter Noah Dunn nach dem Abpfiff. "Aber nach dem dritten Tor war’s, als hätten wir die Fernbedienung verloren." Sein Trainer stand daneben, nickte stumm und starrte auf den Boden. Lindemann dagegen genoss die Bühne: "Das war heute kein Zufall. Wir haben mutig gespielt, aggressiv, offensiv - genau so, wie man auswärts auftreten muss."

Ein Blick in die Taktikdaten bestätigt das: Quebec begann offensiv, wurde nach der Pause noch druckvoller (Pressing: YES, Schussverhalten: ANYTIME). Toronto blieb brav "balanced", fast höflich - und wurde dafür abgestraft.

Selbst die Gelben Karten der Blues (Bolsius in der 58., Hamlin in der 64.) wirkten eher wie kleine Erinnerungshäppchen: "Wir sind da, keine Angst, Toronto." Als dann auch noch die Wechsel perfekt griffen - Berard kam, traf, Prinsloo assistierte -, war klar, dass die Blues an diesem Abend alles richtig machten.

Als das Flutlicht ausging, blieb den Fans von Toronto nur Galgenhumor. Einer rief vom Oberrang: "Wir hatten wenigstens mehr Ballbesitz!" Der Ordner neben ihm lachte trocken: "Ja, aber sie hatten mehr Tore."

Vielleicht fasst das diesen Abend am besten zusammen. Toronto hatte den Ball, Quebec hatte den Plan. Und Tore sind nun mal keine Währung, die sich mit Prozenten aufwiegen lässt.

Zum Schluss ein augenzwinkerndes Fazit: Wenn die Quebec Blues so weiterspielen, sollten sie ihre Busreisen schon mal verlängern - Richtung Meisterfeier. Toronto SC dagegen? Vielleicht lieber ein Torschusstraining bei Tageslicht. Oder, wie Brandon Dunn es formulierte: "Wir haben heute viel gelernt. Leider alles auf die harte Tour."

02.04.643990 01:07
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wir lassen uns nicht nervös machen, und das geben wir auch nicht zu!
Olaf Thon
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager