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Tor-Feuerwerk am Millerntor: St. Pauli und Stuttgart trennen sich 3:3

59.000 Zuschauer am ausverkauften Millerntor erlebten am Freitagabend ein Fußballspiel, das man auch als "emotionales Achterbahnfahren auf nassem Rasen" bezeichnen könnte. St. Pauli und der VfL Stuttgart lieferten sich beim 3:3 (1:1) ein Duell voller Leidenschaft, Chaos - und Momente, in denen selbst der Linienrichter kurz vergessen haben dürfte, für wen er eigentlich pfeift.

Schon in der zweiten Minute sorgte Vicente Valente von den Schwaben für den ersten Aufreger - allerdings nicht mit einem Geniestreich, sondern mit einem beherzten Griff zum Trikot des Gegners. Gelb, und das noch bevor der Pauli-Fan in der dritten Reihe seinen ersten Schluck Bier genommen hatte. "Ich wollte nur zeigen, dass wir wach sind", grinste Valente später, während sein Trainer Venni Mislintat die Stirn rieb.

St. Pauli begann mit viel Druck, 20 Torschüsse sollten es am Ende werden. Besonders Joel Cabell, der quirlige Rechtsaußen, hatte offenbar beschlossen, dass der Ball heute sein bester Freund werden müsse. Nach mehreren vergeblichen Versuchen in den Anfangsminuten traf er in der 32. Minute endlich - ein trockener Abschluss nach feiner Vorarbeit von Paul Jacob. 1:0, und der Kiez bebte.

Doch wer dachte, die Stuttgarter würden sich ergeben, wurde sechs Minuten später eines Besseren belehrt. Rechtsverteidiger Ruben Daens, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, verwandelte eine Hereingabe von Youngster Samuel Breze eiskalt zum 1:1. "Ich hab einfach mal draufgehalten", sagte Daens hinterher mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Überraschung und Stolz schwankte.

Zur Pause war das Spiel offen, die Statistiker notierten 53 Prozent Ballbesitz für St. Pauli, aber Stuttgart blieb gefährlich. Trainer Gustav Holzhauer wirkte an der Seitenlinie wie ein Mann, der gerade zwischen Genie und Wahnsinn pendelt. "Wir hätten 3:1 führen müssen, aber stattdessen reden wir über einen Ausgleich. Typisch St. Pauli", meinte er halb lachend, halb fluchend.

Nach Wiederanpfiff drehte die Partie endgültig auf. In der 52. Minute zirkelte Alexander Darabont den Ball nach Pass von Philipp Bertram ins lange Eck - 2:1. Nur zwei Minuten später erhöhte erneut Cabell nach traumhafter Kombination mit Albert Mino auf 3:1. Das Stadion kochte, Bierduschen inklusive.

Doch Stuttgart wäre nicht Stuttgart, wenn sie nicht noch ein Chaos-Kapitel schreiben würden. In der 58. Minute brachte Marcio Dominguez die Schwaben wieder heran, nach Flanke von Ernesto Vaz. Und als Ingvar Abramson in der 92. Minute - jawohl, in der Nachspielzeit - einen präzisen Pass von Riccardo Ottonello verwertete, explodierte die Gästebank vor Freude. 3:3, Endstand.

"Ich hab nur gehofft, dass der Schiedsrichter nicht vorher abpfeift", erklärte Abramson mit einem Grinsen, das man sonst nur bei Lottogewinnern sieht. Trainer Mislintat feierte das Remis wie einen Sieg: "Moral ist das, was man braucht, wenn man eigentlich schon verloren hat. Und davon hatten wir heute reichlich."

Bei St. Pauli hingegen dominierten gemischte Gefühle. Cabell, mit zwei Toren Mann des Abends, ging nachdenklich vom Platz: "Ich hätte lieber gewonnen. Zwei Tore sind schön, aber am Ende zählt nur das Ergebnis." Holzhauer verschwand wortlos in den Katakomben - angeblich, um "erstmal tief durchzuatmen".

Statistisch gesehen war St. Pauli das aktivere Team: 20 Torschüsse zu 11, leichtes Plus im Ballbesitz, die bessere Zweikampfquote. Doch Fußball ist kein Matheunterricht. Stuttgart nutzte seine Chancen eiskalt und bewies, dass man auch mit weniger Spielanteilen viel Spaß haben kann - zumindest als neutraler Zuschauer.

Die Fans jedenfalls bekamen mehr geboten, als sie vermutlich erwartet hatten: Emotionen, Tore, Karten, Verletzungen (Kai Ackermann musste nach 62 Minuten vom Platz) und einen Schlussakkord, der die Kiezkneipen bis in die Morgenstunden füllen dürfte.

Oder, wie es ein älterer Pauli-Anhänger beim Verlassen des Stadions trocken formulierte: "3:3? Das ist kein Ergebnis, das ist ein Lebensgefühl."

Und so endete ein Abend, an dem beide Seiten etwas mitnehmen konnten - St. Pauli die Erkenntnis, dass man Spiele auch ohne Niederlage verlieren kann, und Stuttgart den Glauben, dass ein Punkt manchmal wie ein Sieg schmeckt.

Das Fazit eines neutralen Beobachters? Fußball, wie er sein sollte: unberechenbar, dramatisch, ein bisschen verrückt - und genau deshalb so verdammt sehenswert.

25.07.643990 06:47
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Hass gehört nicht ins Stadion. Solche Gefühle soll man gemeinsam mit seiner Frau daheim im Wohnzimmer ausleben.
Berti Vogts
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