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Torfestival in Verl - Heimteam zerlegt Vegesack mit 8:3

Es gibt Spiele, die beginnen mit einem vorsichtigen Abtasten. Und es gibt Spiele wie dieses: Nach fünf Minuten stand es bereits 1:0 für den SC Verl, nach acht Minuten 1:1. Der Rest war ein rauschendes Fußballfest - zumindest für die 45.845 Zuschauer, die am Montagabend die heimische Arena in eine ausgelassene Feiermeile verwandelten. Am Ende leuchtete ein kaum zu glaubendes 8:3 (3:2) auf der Anzeigetafel.

"So was siehst du nicht alle Tage", grinste Verls Trainer Big Bang nach Schlusspfiff. Der Name war Programm - seine Mannschaft explodierte förmlich. Schon in der fünften Minute klingelte es, als Tomas Rodriguez nach Vorlage von Günter Bach den Ball humorlos unter die Latte drosch. Doch kaum hatten die Fans die Bierbecher wieder gehoben, antwortete Benjamin Sonntag für die SG Vegesack - ein Sonntagsschuss am Montag, wenn man so will.

Die Partie blieb wild. In der 18. Minute traf Sascha Kirsch zum 2:1, nachdem er sich auf rechts durchgetankt hatte. Vegesacks Hansen Van Vechten glich in der 24. Minute erneut aus - das letzte Mal, dass die Gäste wirklich mithalten konnten. Denn noch vor der Pause stellte Kirsch mit seinem zweiten Treffer auf 3:2. "Ich dachte schon, wir spielen Handball", witzelte er hinterher, "da fällt ja alle paar Minuten einer rein."

Nach dem Seitenwechsel ging das Spektakel weiter. Vegesacks George Anderson hatte kurz nach Wiederanpfiff den Mut, aus spitzem Winkel abzuziehen - 3:3 in der 50. Minute. Doch was dann folgte, war ein Lehrstück in Sachen Offensivdrang. Verl traf im Fünf-Minuten-Takt, als hätte jemand den Turbo gezündet: Rodriguez (52.), Hernan (53.), John (72.), Rodriguez erneut (73.) und schließlich Frei (77.) machten das halbe Dutzend voll - plus zwei.

"Wir wollten Spaß haben", sagte Rodriguez, der mit drei Treffern und drei weiteren gefährlichen Abschlüssen zum Mann des Abends avancierte. Spaß hatte auch das Publikum: Es wurde gesungen, getanzt, gejubelt - manch einer dürfte vergessen haben, dass dies ein Bundesligaspiel und kein Freundschaftskick auf dem Bolzplatz war.

Statistisch war Verl das klar bessere Team: 19 Torschüsse, 56,5 Prozent Ballbesitz, 54,7 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Vegesack versuchte zwar, über die Flügel Druck zu machen, wie Coach Christian Lehmann später erklärte: "Wir wollten sie außen knacken, aber Verl hat uns einfach überrollt." Seine Spieler wirkten mit zunehmender Spielzeit ratlos. Nach dem 6:3 sah man den Gästen den Frust an - Corey Boyle holte sich in der 82. Minute noch Gelb, vielleicht aus purer Verzweiflung.

Eine Szene wird den Fans besonders in Erinnerung bleiben: Beim 8:3 dribbelte Morgan Perlman quer durch die Abwehr, sah Mike Frei am langen Pfosten - und der schob cool ein. "Ich hab einfach gedacht: Wenn ich jetzt nicht laufe, redet der Trainer wieder vom Einsatz", lachte Frei später.

Apropos Einsatz: Der SC Verl hatte laut Taktikdaten über 90 Minuten eine offensive Ausrichtung, aber ohne wild zu pressen. Man spielte mit Selbstvertrauen, aber nie kopflos - ein feiner Unterschied, den Big Bang mit einem Augenzwinkern erklärte: "Wir spielen Offensivfußball, aber mit Stil. Wir schießen viel, aber nicht sinnlos."

Vegesack dagegen kämpfte tapfer, wechselte spät noch den erst 17-jährigen Oscar Raab ein, um wenigstens ein bisschen Frische zu bringen. Es half nichts. "Wir haben einfach zu viele Räume gelassen", gestand Lehmann, "und Rodriguez hatte heute wohl noch ein Date mit dem Torpfosten - die beiden mögen sich offensichtlich."

Kurz vor Schluss gönnte Verl sogar seinem jungen Ersatzkeeper Owen Eliot noch ein paar Minuten Einsatzzeit. Der durfte immerhin noch einen Schuss von Jannik Ackermann entschärfen - der letzte kleine Applausmoment für die Gäste.

Nach 90 Minuten blieb das Gefühl, ein verrücktes, fast absurdes Spiel gesehen zu haben. "Das war wie eine Achterbahnfahrt", meinte ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions, "nur dass man am Ende nicht kotzen musste."

Ein bisschen Selbstironie blieb auch beim Sieger: "Acht Tore sind schön", sagte Big Bang, "aber ich hätte gern ein neuntes gesehen. Man soll ja immer hungrig bleiben."

Und so verließ der SC Verl den 23. Spieltag der 1. Liga Deutschland mit breiter Brust und einem Resultat, das in die Vereinschronik eingehen dürfte. Vegesack dagegen wird sich fragen, wie man drei eigene Tore schießen und trotzdem so deutlich verlieren kann. Die Antwort ist einfach: Wenn der Gegner Big Bang heißt, dann ist eben manchmal alles ein bisschen lauter.

02.06.643993 12:50
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic
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