Diarios de Futbol
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Tombstone Colts galoppieren über Real Caracas hinweg

Wenn man im Wilden Westen Fußball spielt, dann kann es schon mal krachen - und genau das tat es am Dienstagabend im Copa-Libertadores-Qualifikationsduell zwischen den Tombstone Colts und Real Caracas. Vor 51.531 Zuschauern im prall gefüllten "Stadium at Dusty Creek" legten die Colts eine zweite Halbzeit hin, die selbst den hartgesottensten Sheriff sprachlos machte: 5:1 hieß es am Ende, ein Ergebnis, das deutlich, aber keineswegs übertrieben war.

Dabei begann alles recht zivilisiert. Real Caracas, trainiert von Eiko Henke, spielte anfangs strukturiert, kontrolliert, fast europäisch. In der 32. Minute belohnte sich das Team sogar: Julian de Almeida traf nach feinem Zuspiel von Altmeister Alex Barros - ein Treffer wie aus dem Lehrbuch, ruhig, präzise, ohne großes Tamtam. "Da dachte ich, wir hätten sie ein bisschen eingefangen", meinte Henke später mit einem gequälten Lächeln. "Aber dann kam dieser Wirbelwind da vorne - wie heißt er? Prinsloo."

Kian Prinsloo, 25, Mittelstürmer, blond, drahtig, und offenbar mit einer Vorliebe für Sekundenbruchteile. Denn kaum hatte Real Caracas das 1:0 gefeiert, legte Prinsloo in der Nachspielzeit der ersten Hälfte eiskalt nach. Patrick Martel, der junge Mittelfeldmotor der Colts, spielte einen Pass zwischen zwei Verteidiger, Prinsloo zog ab - 1:1. Trainer Hendrik Seeger ballte die Faust, drehte sich zu seiner Bank und brummte: "So, jetzt reiten wir."

Und das taten sie. Nach der Pause war das Spiel einseitig wie ein Western-Drehbuch. Prinsloo traf erneut in der 51. Minute, diesmal nach Zuspiel von Joshua Morriss. Acht Minuten später erneut Prinsloo - nach einer Flanke von Rechtsverteidiger Gerard Prudhomme. Real Caracas wirkte da schon wie eine Kutsche mit gebrochenem Rad.

"Wir haben aufgehört zu laufen", gestand Caracas-Verteidiger Pierre Silvestre hinterher, während er sich die Schienbeinschoner auszog. "Und die Colts hören nie auf zu galoppieren."

Die Colts spielten nun wie entfesselt. In der 62. Minute durfte sich auch Cameron Greaves in die Torschützenliste eintragen - ein junger Linksaußen, der aussieht, als hätte er mehr Spaß auf dem Skateboard als im Strafraum. Doch sein Abschluss war eiskalt, vorbereitet - natürlich - von Prinsloo, der an diesem Abend auf alles eine Antwort hatte.

Und weil es so schön war, setzte Prinsloo in der 66. Minute noch einen drauf. Sein viertes Tor, diesmal nach Kopfballvorlage von Innenverteidiger Leon Bosworth. Der Jubel? Eher verhalten. Prinsloo grinste nur, hob die Hand und sagte später: "Ich dachte, fünf reichen."

Real Caracas versuchte es zwischendurch mit frischem Personal - Gallardo für Iniguez, Gil für de Almeida, de Freitas für Barros -, doch die Wechsel wirkten eher wie kosmetische Eingriffe an einem sinkenden Schiff. Insgesamt sechs Torschüsse brachten die Gäste zustande, die Colts dagegen zwanzig. 59,6 Prozent Ballbesitz, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Zahlen, die das Bild bestätigen: Tombstone war in jeder Hinsicht das schnellere, stärkere, entschlossenere Team.

"Wir waren heute einfach zu brav", murmelte Henke nach dem Spiel. "Vielleicht hätten wir auch ein bisschen mehr Cowboy spielen sollen." Seeger hingegen trat mit breiter Brust vor die Mikrofone: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben. Wenn Spaß so aussieht, nehme ich das jeden Tag."

Im Publikum feierten sie den jungen Prinsloo bereits als "Sheriff von Tombstone". Ein kleiner Junge mit Colts-Schal rief ihm beim Verlassen des Platzes zu: "Kian, noch eins!" - "Heute nicht mehr, mein Kleiner", lachte der Stürmer und zwinkerte.

Das war kein Fußballspiel, das war ein Ritt. Real Caracas wurde überrannt, überpowert, überlistet. Die Colts haben mit diesem Sieg beste Chancen, die Gruppenphase der Copa Libertadores zu erreichen - und wenn sie in dieser Form weitermachen, könnte selbst ein brasilianischer Gigant Schwierigkeiten bekommen.

Zum Schluss blieb nur noch die Sonne über dem Stadion, die langsam hinter den staubigen Tribünen versank. Und irgendwo in der Ferne hörte man vielleicht das leise Klingen eines Sporns - das Geräusch, mit dem Legenden beginnen.

"Fußball im Wilden Westen", grinste Coach Seeger zum Abschied, "ist eben nichts für zarte Gemüter."

22.11.643993 20:47
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In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball.
Thomas Häßler
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