Canadian Soccer
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Tigers taumeln, Blues tanzen - Quebec dreht das Spiel spät

Ein Freitagabend in Brampton, Flutlicht, 32.000 Zuschauer, und das, was man in Kanada gern "Eishockey ohne Schlittschuhe" nennt: Fußball mit Leidenschaft, Körperkontakt und einer Prise Chaos. Die Brampton Tigers führten früh, sahen lange wie der sichere Sieger aus - und standen am Ende doch mit leeren Pfoten da. 1:2 (1:0) verloren sie gegen die Quebec Blues, die sich nach zähem Beginn in einen wahren Chancenrausch spielten.

Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Hausherren. In der 13. Minute fasste sich Samuel Marot ein Herz, zog von links in die Mitte und traf nach feiner Vorarbeit von Pierre Kendall flach ins rechte Eck. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war", grinste Marot später. "Ich dachte, der Torwart hat ihn noch." Der Torwart hatte ihn nicht. 1:0 - und das Stadion vibrierte.

Die Tigers kontrollierten zunächst das Geschehen, mit 52 Prozent Ballbesitz und der Gelassenheit eines Teams, das glaubte, den Blues den Stecker gezogen zu haben. Quebec wirkte zwar aggressiv - was sich auch in vier Gelben Karten niederschlug -, aber nicht zwingend. Trainer Lutz Lindemann, der an der Seitenlinie in seiner typisch norddeutsch-grummeligen Art Anweisungen bellte, wirkte nach 30 Minuten, als würde er sich lieber einen heißen Tee holen. "So viele Torschüsse und keiner drin - das ist doch absurd!", rief er einmal in Richtung seines Stürmers Andre Pare, der sich den Ball zurechtrückte und prompt das Fangnetz traf.

Doch Lindemann wäre nicht Lindemann, hätte er die Blues nicht neu sortiert. Nach der Pause kam die Mannschaft mit einer klar offensiveren Haltung zurück. Daan Bolsius, der zentrale Mittelfeldmotor, übernahm das Kommando. In der 51. Minute zog er aus 20 Metern ab - abgefälscht, unhaltbar, 1:1. Assistgeber war ausgerechnet Innenverteidiger Rhys Hamlin, der nach vorne gestürmt war, als ginge es um sein Leben. "Ich hab einfach gedacht, wenn keiner will, dann mach ich’s halt selbst", sagte Hamlin lachend nach dem Spiel.

Das Tor war der Dosenöffner. Die Blues feuerten aus allen Lagen - 22 Schüsse insgesamt, ein Vielfaches der mageren vier Versuche der Tigers. Torwart Sergio Beltran parierte, rettete, fluchte - und musste doch in der 80. Minute kapitulieren. Wieder Bolsius als Strippenzieher, diesmal mit einem butterweichen Pass auf den eingewechselten Barend Veeder. Der fackelte nicht lange und donnerte den Ball ins Netz. 1:2 - die Wende war perfekt.

"Wir haben in der Kabine gesagt: Wir spielen weiter, bis das Stadion leer ist", verriet Veeder später mit einem Grinsen. Lindemann nickte daneben zufrieden: "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches." Seine Blues ließen bis zum Schlusspfiff nicht locker, pressten hoch, liefen, kratzten, bissen - und verdienten sich drei Punkte, die am Ende vielleicht mehr wert sind als alle Statistiken.

Die Tigers dagegen wirkten nach dem Rückstand ideenlos. Patrick Darabont mühte sich vorne redlich, kam aber kaum an den Ball. In der 79. Minute holte sich Verteidiger Joseph Locklear noch Gelb, als er einen Angriff der Blues rustikal stoppte - sinnbildlich für die zunehmende Frustration. Nach dem Abpfiff wirkte Trainer der Tigers (der sich hinter der Bank wortlos die Mütze tief ins Gesicht zog) wie jemand, der lieber einen Spaziergang durch den Schneeregen gemacht hätte.

Taktisch blieb Brampton über 90 Minuten erstaunlich starr: ausgewogen, ohne Pressing, ohne Risiko. Quebec hingegen drehte die Schrauben - offensiv, aggressiv, am Ende mit vollem Einsatz und aktivem Pressing. Der Unterschied war sichtbar.

Und so verließen die Blues den Platz jubelnd, während die Tigers in die Nacht schlichen. "Fußball ist manchmal ein Geduldsspiel", sagte Daan Bolsius zum Abschied. "Heute hatten wir einfach mehr Geduld."

Ein Spiel, das zeigte: Wer 22 Mal aufs Tor schießt, darf sich irgendwann auch belohnen. Und wer nach einem guten Start das Spielen einstellt, bekommt meist die Quittung. In Brampton gab’s sie in Form von zwei späten Blues-Treffern - und einem langen, enttäuschten Schweigen auf den Rängen.

Oder wie ein Fan beim Hinausgehen nüchtern bemerkte: "Tigers? Heute eher Bettkätzchen."

26.09.643993 10:12
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Ich sehe einen positiven Trend: Tiefer kann es nicht mehr gehen.
Olaf Thon
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