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Wenn 32.900 Zuschauer am Samstagabend in Thessaloniki aufstanden, war das nicht wegen des Flutlichts, sondern weil ihre Mannschaft den Gegner in seine Einzelteile zerlegte. Ein 7:0 in der 1. Liga Griechenlands gegen Kallithea FC - ein Ergebnis, das so deutlich war, dass selbst das Stadionbier kurz den Schaum verlor. Von der ersten Minute an zeigte Thessaloniki, dass es an diesem 15. Spieltag keine halben Sachen geben würde. Trainer Johnas Heun hatte seine Elf offensiv eingestellt, "wir wollten gleich zeigen, dass wir daheim keine Geschenke verteilen", sagte er nach dem Spiel mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Zufriedenheit und Mitleid pendelte. Schon in der 23. Minute eröffnete Pol Acevedo den Torreigen, nach feiner Vorarbeit des 18-jährigen Otavio Edmilson. Der Argentinier (31) drosch den Ball derart souverän unter die Latte, dass Kallitheas Torwart Bruno Serna nur noch den Kopf schüttelte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, als er noch reinflog", sagte Serna später mit einem bitteren Lächeln. Kurz vor der Pause legte Acevedo nach (44.), diesmal auf Zuspiel von Theofanis Anagnostou. 2:0 zur Halbzeit - "und da wussten wir, dass es erst richtig losgeht", meinte Heun. Tatsächlich drehte Thessaloniki nach dem Seitenwechsel noch einmal auf. Acevedo schnürte in der 59. Minute seinen Hattrick - der Veteran zeigte, dass Erfahrung manchmal schneller ist als jugendliche Beine. Kallithea, das laut Statistik immerhin knapp 48 Prozent Ballbesitz verzeichnete, wirkte in diesen Momenten wie ein Team, das nicht wusste, auf welchem Kontinent es gerade spielt. Trainer Artemis Ioannis stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte etwas, das wohl "weiter, Männer" heißen sollte, aber eher wie ein letzter Hilferuf klang. Dann kam die Jugend zum Zug: Der 18-jährige Otavio Edmilson belohnte sich in der 70. Minute selbst mit einem Treffer, nachdem er zuvor zwei Tore vorbereitet hatte. "Ich wollte einfach mal wissen, wie sich das anfühlt", scherzte er später in der Mixed Zone. Nur zwei Minuten danach traf Innenverteidiger Vassilios Boutzikos zum 5:0. Ein Kopfballtor nach einem Eckball, so trocken, dass der Stadionsprecher kurz stockte, bevor er überhaupt den Namen durchsagte. Und weil Thessaloniki offenbar beschlossen hatte, dass sieben eine schönere Zahl als fünf ist, krönte der junge Mittelstürmer Ilias Konstantinou den Abend mit einem Doppelpack (85., 89.). Zwei Tore in vier Minuten - und das mit einer Gelassenheit, als würde er im Training auf kleine Tore schießen. "Ich glaube, ich hab gar nicht gemerkt, dass es schon sieben waren", lachte der 21-Jährige später. Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgewogen - 20 zu 6 Torschüsse, 52 zu 48 Prozent Ballbesitz, aber in Wahrheit trennte die Teams eine ganze Liga. Kallithea versuchte, mit "sicherem" Abschlussverhalten (so die taktische Vorgabe) zu agieren, schoss aber fast nie sicher und traf schon gar nicht. Thessaloniki hingegen spielte "ANYTIME", also schoss einfach immer - und das mit Erfolg. Einziger Schönheitsfehler: Zwei Gelbe Karten für Thessaloniki (Marcelo Vieira, 69., und Boutzikos, 88.) sowie eine für Kallitheas Jan Krueger (55.). "Wenigstens da waren wir gleichauf", witzelte Ioannis auf der Pressekonferenz, bevor er trocken hinzufügte: "Ich hoffe, meine Jungs haben wenigstens gelernt, wie man Defensive buchstabiert." Trainer Heun zeigte sich dagegen fast milde: "So ein Spiel darf man nicht überbewerten - nächste Woche fangen wir wieder bei null an." Ein Satz, der nach Understatement klang, aber wohl eher als Warnung an den nächsten Gegner gemeint war. Als die Fans nach 90 Minuten ihre Schals schwangen, hatte die Anzeigetafel längst Feierabend gemacht. 7:0 - ein Ergebnis, das in Thessaloniki wohl noch eine Weile erzählt wird. Und irgendwo in Athen wird Kallitheas Mannschaftsbus noch immer leise rattern, während jemand hinten murmelt: "Das war doch nur ein Albtraum, oder?" Ein Spiel zum Genießen - zumindest für eine Seite. Und für alle anderen ein Lehrstück in Sachen Konsequenz, Spielfreude und gnadenloser Effizienz. Thessaloniki hat an diesem Abend nicht nur Kallithea besiegt, sondern auch den Beweis geliefert, dass Offensivgeist manchmal einfach schöner ist als jede Taktiktafel. 08.11.643990 07:42 |
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