// Startseite
| Athlitiki Icho |
| +++ Sportzeitung für Griechenland +++ |
|
|
|
Ein lauer Abend in Thessaloniki, 26.246 Zuschauer, ein Flutlicht, das flackerte wie ein nervöser Linienrichter - und zwei Teams, die sich nichts schenken wollten. Am Ende trennten sich Thessaloniki und Olympiokos 1:1, in einem Spiel, das mehr Schüsse, Emotionen und Schweißperlen als Tore kannte. Olympiokos begann, als wolle man das Spiel schon in der zehnten Minute abhaken - was ihnen tatsächlich fast gelungen wäre. Alexandros Andreadis, 19 Jahre jung, mit dem Babyface eines Chorknaben und den Nerven eines Pokalhelden, brachte die Gäste nach einem blitzsauberen Zuspiel von Karolos Labropoulos in Führung. "Ich hab einfach draufgehauen", grinste Andreadis nach dem Spiel, "und gehofft, dass keiner merkt, dass ich eigentlich auf den Nebenmann passen wollte." Thessaloniki wirkte in dieser Anfangsphase wie ein Team, das den Anstoß verpasst hatte. Coach Johnas Heun gestikulierte wild an der Seitenlinie, rief "Mehr Herz!" - und bekam zunächst mehr Fehlpässe. Olympiokos drückte, schoss, kombinierte. 14 Torschüsse am Ende sprechen eine klare Sprache - nur, dass sie eben kein zweites Mal ins Netz trafen. Torwart Leonidas Spyropoulos von Thessaloniki war der heimliche Held des Abends. Mit einer Mischung aus Reflex und Wahnsinn hielt er alles, was rot-weiß auf ihn zuflog. In der 35. Minute etwa, als Aris Antoniadis aus fünf Metern abzog und Spyropoulos den Ball mit dem Ohrläppchen parierte - zumindest schwor er das später in der Kabine. "Ich hab’s gehört, nicht gesehen", lachte er. Dann kam die 46. Minute, kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, da schien Thessaloniki plötzlich zu begreifen, dass auch sie mitspielen durften. Rechtsverteidiger Athinagoras Mitroglou, sonst eher Mann fürs Grobe, schnappte sich den Ball, marschierte wie von göttlicher Eingebung geleitet über den Flügel und flankte in den Strafraum. Dort lauerte Stefanos Amanatidis - 19 Jahre alt, kaum älter als die Schülermädchen im Fanblock - und drosch das Leder kompromisslos zum 1:1 in die Maschen. Das Stadion explodierte, Trainer Heun rannte an der Seitenlinie entlang, als wolle er gleich selbst eingewechselt werden. "Ich hab ihm vor dem Spiel gesagt: Wenn du triffst, darfst du heute länger aufbleiben", scherzte der Coach nachher. Olympiokos-Coach Dirk Reichmann hingegen sah das Ganze mit steinerner Miene. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber nicht entschieden. Das ist, als würdest du ein Date perfekt laufen lassen - und am Ende gibt’s doch nur Händedruck." Taktisch lieferten beide Teams ein Spiegelbild: offensiv, kampfstark, manchmal leicht übermotiviert. Aggressivität: stark. Einsatz: stark. Passspiel: ausgeglichen. Oder, wie ein Kollege auf der Pressetribüne murmelte: "Beide spielen, als hätten sie denselben Taktik-Zettel kopiert." Olympiokos versuchte bis zum Schluss, den Sieg zu erzwingen. Antoniadis feuerte aus allen Lagen, Saravakos prüfte den Torwart, Vassiliadis drosch aus 25 Metern - und jedes Mal rauschte der Ball entweder knapp vorbei oder landete in den Händen von Spyropoulos, der an diesem Abend offenbar einen Magneten im Handschuh trug. Thessaloniki dagegen lauerte auf Konter, verteidigte mit Herz und gelegentlichem Chaos. In der 82. Minute hätte Routinier Athanasios Ioannidis beinahe das Spiel gedreht, doch sein Kopfball strich hauchdünn über die Latte. Acht Minuten später donnerte Innenverteidiger Lefteris Kirastas noch einen Verzweiflungsschuss aufs Tor - und der Ball rauschte so hoch, dass er vermutlich noch heute über der Ägäis kreist. Am Ende stand ein 1:1, das Olympiokos frustrierte und Thessaloniki feiern ließ. "Ein Punkt gegen diesen Gegner ist wie ein kleiner Sieg", fand Coach Heun. "Und wenn meine Jungs weiter so kämpfen, schreiben wir bald Geschichte - oder wenigstens Schlagzeilen." Reichmann hingegen wollte nichts von Ausreden hören. "Wenn du 14 Mal aufs Tor schießt und nur einmal triffst, dann brauchst du keinen Psychologen, sondern einen besseren Abschluss." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Teams mit Applaus und einem Gefühl zwischen Zufriedenheit und leichter Verwirrung. Denn wer ein griechisches Fußballspiel besucht, weiß: Es endet selten so, wie man denkt - aber meistens mit Drama, Schweiß und einem Torwart, der sich feiern lässt wie ein Popstar. Und so blieb nach Abpfiff nur eine Frage: Hat Thessaloniki heute einen Punkt gewonnen oder Olympiokos zwei verloren? Vielleicht beides. Aber sicher ist: In dieser Nacht schlief Leonidas Spyropoulos mit einem breiten Grinsen - und Alexandros Andreadis mit dem Gedanken, dass er nächstes Mal besser zielt. Ein gerechtes 1:1, gewürzt mit jugendlicher Unbekümmertheit, taktischer Spiegelung und einer Prise griechischem Fatalismus - genau so, wie man es liebt zwischen Ouzo und Oliven. 17.03.643987 23:02 |
Sprücheklopfer
50 Prozent der Spieler hassen mich.
Mario Basler