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Ein Fußballspiel ist manchmal wie ein Krimi, nur dass der Täter hier oft das eigene Nervenkostüm ist. Beim 1:0-Sieg von Thessaloniki gegen Giannina am 16. Spieltag der griechischen Superliga war das nicht anders. 25.559 Zuschauer sahen ein Spiel, das eigentlich 0:5 hätte ausgehen müssen - wenn Chancenverwertung ein Schulfach wäre, hätte Giannina am Montag Nachhilfe gebraucht. Bereits nach fünf Minuten bebte das Stadion, als Pol Acevedo einen dieser Momente hatte, in denen Zeit und Raum kurz stillzustehen scheinen. Nach einem cleveren Pass von Vikentios Leontiou zog der linke Flügelstürmer aus halblinker Position ab - und der Ball zischte wie an der Schnur gezogen ins rechte Eck. 1:0 für Thessaloniki, ein Blitzstart aus dem Lehrbuch. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Acevedo später, "der Ball wollte wohl auch endlich mal rein." Was danach folgte, war allerdings weniger Lehrbuch und mehr Improvisationstheater. Giannina, vom stets leidenschaftlich gestikulierenden Trainer Kai Häntsch angetrieben, schnürte die Gastgeber minutenlang ein. 17 Torschüsse listete die Statistik am Ende, doch keiner davon fand den Weg ins Tor. Franck Rochefort, Jack Sutherland und Gerasimos Choutos versuchten es aus allen Lagen - Latte, Pfosten, Torwarthandschuh, alles war dabei. "Wir hätten noch drei Stunden spielen können, der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen", murmelte Rochefort nach dem Abpfiff kopfschüttelnd. Thessalonikis Keeper Athinagoras Georgiadis, gerade einmal 19 Jahre alt, wuchs in diesem Spiel über sich hinaus. Mit Katzenreflexen pflückte er eine Hereingabe nach der anderen aus der Luft, parierte Schüsse aus nächster Nähe und wurde zum unbestrittenen Mann des Abends. Selbst Trainer Johnas Heun war beeindruckt: "Athinagoras war heute unser Felsen. Ich glaube, er hat mehr Bälle gefangen als wir Pässe gespielt haben." Ballbesitztechnisch war das Spiel ausgeglichen - 51 Prozent für Thessaloniki, 49 für Giannina - aber das sagte wenig über den Spielverlauf. Während Giannina mit offensiver Ausrichtung und geduldigem Aufbau versuchte, das Heimteam mürbe zu spielen, setzte Thessaloniki auf kontrollierte Aggressivität und gelegentliche Flügelangriffe. Besonders auffällig: Jungspund Angel Di Maria (18), der trotz seines Alters frech aufspielte und in der 79. Minute fast für die Entscheidung sorgte, als er mit einem satten Schuss den Giannina-Keeper Alejandro Ronaldo prüfte. Das Publikum schwankte zwischen Begeisterung und Nervenzusammenbruch. "Ich hab in der 70. Minute aufgehört zu zählen, wie oft ich die Luft angehalten hab", gestand ein Fan mit Thessaloniki-Schal und zitternden Händen. Es war dieser typische Abend, an dem man ahnt, dass Fußball manchmal grausam ehrlich ist: Wer seine Chancen nicht nutzt, muss zusehen, wie der Gegner mit einem einzigen Treffer das Spiel gewinnt. In der 60. Minute wechselte Giannina Trainer Häntsch den erschöpften Innenverteidiger Luca Wolf aus und brachte den jungen Dimosthenis Iosifidis. Ein Versuch, mehr Stabilität in die Defensive zu bringen - vergeblich, denn vorne fehlte weiter das Zielwasser. Selbst in der Nachspielzeit, als Rui Bosingwa noch einmal aus 20 Metern abzog, blieb Georgiadis unüberwindbar. Nach dem Abpfiff fiel die Erleichterung von den Spielern Thessalonikis wie eine nasse Decke. Trainer Heun umarmte jeden, der ihm vor die Füße lief. "Das war kein schönes Spiel, aber ein schönes Ergebnis", lachte er in Richtung der Journalisten. "Manchmal reicht ein Tor und ein sehr guter Torhüter." Gianninas Coach Häntsch hingegen stand mit verschränkten Armen am Spielfeldrand und blickte ins Leere. Auf die Frage, ob er wütend sei, antwortete er trocken: "Nein. Enttäuscht. Und ein bisschen ratlos. Wir haben alles gemacht, außer treffen." So endet ein Abend, der statistisch für die Gäste spricht, aber im Ergebnis für die Gastgeber. Drei Torschüsse, ein Tor - eine Effizienz, die jeden Buchhalter glücklich machen würde. Thessaloniki klettert mit diesem Sieg weiter in der Tabelle, während Giannina die lange Heimfahrt mit dem unguten Gefühl antritt, 90 Minuten lang besser, aber nicht erfolgreicher gewesen zu sein. Manchmal ist Fußball eben kein Spiel der Logik, sondern der Laune. Und an diesem Abend hatte sie ein schwarz-weißes Trikot an und hieß Pol Acevedo. 21.07.643987 16:30 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund