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Ein lauer Montagabend in Asunción, 20.000 Zuschauer, erste Runde der paraguayischen Liga - und einer hatte offensichtlich vergessen, dass Saisonauftakt auch Nervosität bedeuten kann: CF Taquari. Die Gäste aus Taquari spielten, als wäre es schon der 30. Spieltag und sie stünden kurz vor der Meisterfeier. Am Ende hieß es 0:3 aus Sicht von Deportivo Olimpia, und das Ergebnis schmeichelte den Gastgebern fast noch. Dabei begann alles recht harmlos. Olimpia, taktisch gewohnt "balanciert" aufgestellt, versuchte, den Ball zu halten, als würde Ballbesitz allein Punkte bringen. Und tatsächlich: Mit 50,2 Prozent Ballbesitz führten sie diese Statistik knapp an - die einzige Führung des Abends. Trainer Tim Thaler von Taquari kommentierte später süffisant: "Ich habe kein Problem damit, wenn der Gegner den Ball hat - solange wir die Tore haben." Schon früh zeigte sich, wohin die Reise gehen würde: Taquari stürmte, flankte, schoss - und schoss wieder. Ganze 25 Abschlüsse fanden den Weg aufs Tor, während Olimpia-Torwart Jordi Suero mehr zu tun hatte als ein Barkeeper an Karneval. In der 16. Minute zwang José Enrique Galindo ihn erstmals zu einer Parade, wenig später prüften Laurent Billet (24.) und Carlos Deco (29., 30.) den Schlussmann. Olimpia rettete sich mit Ach und Krach in die Pause, 0:0, aber das war pures Glück. Im Pausengang soll Olimpia-Stürmer Rafael Camacho, der schon in der 4. Minute Gelb gesehen hatte, gemurmelt haben: "Wenn wir so weitermachen, brauchen wir bald einen zweiten Torwart." Kollege Adriano Hermenegildo nickte nur stumm - wohlwissend, dass sie beide kaum in die gegnerische Hälfte kamen. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild kaum, nur dass Taquari jetzt auch traf. In der 55. Minute war es Attila Detari, der nach schöner Vorlage von Innenverteidiger (!) Luis Mudarra zum 0:1 einnetzte. "Ich wollte eigentlich nur klären", lachte Mudarra nach dem Spiel. "Aber Attila hat daraus einfach ein Tor gemacht - typisch." Wer nun dachte, Olimpia würde reagieren, sah sich getäuscht. Zwar mühte sich Rafael Camacho mit einem Schuss in der 54. Minute und Adriano Hermenegildo in der 58., doch mehr als ein müdes Raunen auf den Rängen sprang nicht heraus. CF Taquari blieb unbeeindruckt, wechselte früh (Visintin kam zur zweiten Halbzeit für den müde wirkenden Lionel Xavier) und erhöhte gegen Ende das Tempo. In den Schlussminuten wurde es dann wild. Alessio Visintin, frisch und frech, krönte seine Einwechslung mit einem Doppelschlag: In der 91. Minute traf er nach Zuspiel von Galindo zum 0:2 - und nur zwei Minuten später legte er nach, diesmal vorbereitet von Francisco Doreste. 0:3, und Olimpia stand da wie ein Boxer, der noch den Gong sucht. "Wir wollten zeigen, dass unsere Offensive nicht nur ein Gerücht ist", grinste Trainer Thaler nach dem Spiel. "Vielleicht war’s am Ende etwas zu deutlich, aber ich beschwere mich nicht." Olimpias Co-Trainer, der den sichtlich frustrierten Chef an der Pressekonferenz-Tür ersetzen musste, fand wenig Worte: "Drei Gegentore in 40 Minuten, sechs eigene Torschüsse - das ist kein Zufall. Wir müssen das neu sortieren." Dass die Gastgeber hinten wackelten, zeigte auch die Statistik: nur 43 Prozent gewonnene Zweikämpfe, kaum Zweikampfhärte, kein Pressing. Taquari dagegen biss sich in jede Szene, zwei Gelbe Karten (Kozacik, Revivo) zeugen von der physischen Dominanz - aber auch vom Willen, keine Sekunde nachzulassen. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten selbst einige Olimpia-Fans höflich. Vielleicht aus Respekt, vielleicht aus Erleichterung, dass es endlich vorbei war. "Wir haben jetzt erstmal viel zu tun", sagte Verteidiger Dimas Ramallo, der in der 96. Minute noch Gelb sah, als er versuchte, wenigstens einen Gegner festzuhalten. "Wenigstens hab ich ihn kurz gestoppt", fügte er trocken hinzu. So endete ein Spiel, das eigentlich nie offen war. CF Taquari startete mit einem Paukenschlag in die neue Saison - drei Tore, drei Punkte, und eine Duftmarke für die Konkurrenz. Olimpia dagegen muss sich fragen, ob "balanciert" wirklich der richtige Plan ist, wenn der Gegner gerade Tango tanzt. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "Wenn das so weitergeht, wird’s eine sehr lange Saison - zumindest für den Torwart." 11.11.643993 10:45 |
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll