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Es gibt Fußballabende, an denen die Statistiken fast Mitleid mit der Heimmannschaft haben. Der Montagabend im Estadio Nacional von Asunción war so einer. 20.000 Zuschauer kamen, um Deportivo Olimpia im 32. Spieltag der 1. Liga Paraguay gegen CF Taquari zu sehen - und gingen mit dem stillen Verdacht, dass sie Zeugen eines Lehrstücks in Sachen Effizienz geworden waren. Endstand: 0:3 (0:2). Schon nach elf Minuten war klar, wer hier Chef im Ring sein würde. Taquaris Mittelstürmer Attila Detari, ein Mann, der seine Tore offenbar nach Uhrzeit plant, traf mit der Präzision eines Schweizer Bahnhofs. Laurent Billet hatte ihm den Ball maßgerecht serviert, und Detari bedankte sich mit einem trockenen Schuss ins rechte Eck. Olimpia-Keeper Jordi Suero blieb nur das höfliche Nicken. "Ich habe ihn kommen sehen", sagte Suero später, "aber er kam einfach zu schnell - wie meine Schwiegermutter, wenn’s um Kuchen geht." Kaum fünf Minuten später schickte Andre Maier den quirligen Lionel Xavier auf die Reise, und der 31-Jährige zirkelte den Ball sehenswert über den herausstürzenden Suero hinweg ins Netz - 0:2, Minute 16. Taquari spielte da schon mit einer Frechheit, die fast unanständig wirkte: offensiv, aggressiv, aber ohne Hektik. Trainer Tim Thaler sagte später mit einem Grinsen: "Wir wollten gleich zeigen, dass wir heute nicht zum Mate-Trinken hier sind." Olimpia dagegen wirkte, als habe man den Anpfiff mit einer Yoga-Stunde verwechselt. Zwar besaßen die Hausherren laut Statistik mit 50,4 Prozent leicht mehr Ballbesitz, doch was sie damit anfingen, erschloss sich selbst den treuesten Fans nicht. Fünf Schüsse aufs Tor - das klingt nach Aktivität, sah aber in der Praxis eher nach Pflichtübung aus. Julian Jordao probierte es in der 17. Minute aus der zweiten Reihe, Vincent Capucho direkt nach der Pause, Adriano Hermenegildo in der 56. und 67. Minute - alle Versuche landeten in den Armen des eingewechselten Taquari-Keepers Ton Van Tessel, der zur Halbzeit für Alf Abramson gekommen war. "Ich wollte wenigstens schwitzen", grinste der junge Niederländer nach dem Abpfiff. Olimpias Trainer - sein Name blieb an diesem Abend lieber ungenannt - stand stoisch an der Seitenlinie und notierte eifrig auf seinem Klemmbrett. Vielleicht eine Einkaufsliste für den Sommer. Seine Mannschaft blieb taktisch "ausgewogen", was in diesem Fall bedeutete: halbherzig. Kein Pressing, keine Überraschung, kein Aufbäumen. Taquari dagegen blieb seiner offensiven Ausrichtung treu - und schoss aus allen Lagen. Insgesamt 19 Mal feuerten die Gäste auf Sueros Tor. In der 70. Minute war es dann wieder so weit: Detari, der schon beim ersten Treffer zugeschlagen hatte, vollendete nach feinem Zuspiel von Andre Maier zum 0:3. Der Ungar jubelte verhalten, fast höflich, als wolle er die Hausherren nicht noch tiefer ins Unglück stoßen. "Ich hatte einfach Spaß heute", sagte er später. "Wenn der Ball läuft, läuft er - und heute lief er wie auf Schienen." Kurz darauf flogen die Gelben Karten wie Konfetti: Jordao (69.), Tim Link (72.) für Olimpia, Barbosa (74.) und Kozacik (79.) auf Taquaris Seite. Doch selbst das konnte die Stimmung kaum anheizen. Das Publikum pfiff nicht einmal - es seufzte nur. Die Schlussphase war dann eine Mischung aus Schadensbegrenzung und Schaulaufen: Maier testete Suero noch zweimal (75., 86.), Xavier zielte in der 81. Minute knapp vorbei. Olimpia versuchte sich derweil in gepflegtem Ballbesitz, als wolle man wenigstens den Anschein von Kontrolle wahren. Nach dem Abpfiff sprach Thaler von einem "fast perfekten Auswärtsspiel". Der Mann hatte keinen Grund zur Bescheidenheit. "Wir haben vorne eiskalt abgeschlossen und hinten kaum etwas zugelassen. Wenn man auswärts 3:0 gewinnt, darf man schon mal zufrieden sein." Olimpias Kapitän Vincent Capucho klang dagegen, als habe er gerade einen Zahnarzttermin hinter sich: "Wir waren nicht wach. Nach dem 0:1 war irgendwie die Luft raus. Vielleicht war’s der Druck, vielleicht der Gegner, vielleicht einfach Montag." Fazit: CF Taquari zeigte, wie man mit Disziplin und Spielfreude ein Spiel früh entscheidet. Olimpia hingegen zeigte, wie man mit 50 Prozent Ballbesitz trotzdem chancenlos ist. Oder, wie ein älterer Fan beim Rausgehen murmelte: "Die hätten heute auch drei Stunden spielen können - getroffen hätten sie trotzdem nicht." Und so bleibt am Ende ein klarer Sieg für Taquari, ein ratloses Olimpia und die Erkenntnis, dass Statistiken zwar viel verraten - aber manchmal nur bestätigen, was man schon nach elf Minuten ahnte. 02.04.643990 02:37 |
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