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Ein lauer Abend in Taquari, 42.573 Zuschauer, und schon nach fünf Minuten war klar: Das hier wird kein gemütlicher Sonntagsspaziergang für CF Libertad. Eher ein Spießrutenlauf. CF Taquari feierte am 31. Spieltag der 1. Liga Paraguay ein Offensivfest und schickte Libertad mit 6:0 nach Hause - 4:0 stand’s schon zur Pause, und ehrlich gesagt, hätte es auch zweistellig ausgehen können. Der Auftakt war ein Paukenschlag. Carlos Deco, der rechte Wirbelwind in Taquaris Angriff, traf in der 5. Minute nach feinem Zuspiel von Eduardo Mendo. Kaum hatten die Gäste den Ball wieder im Spiel, klingelte es erneut: Attila Detari, der Mittelstürmer mit der Eleganz eines Bulldozers, verwertete in der 9. Minute eine butterweiche Flanke von Rechtsverteidiger Carl Barbosa - 2:0, und Libertad schaute sich ratlos an wie Touristen ohne Stadtplan. "Wir wollten eigentlich ruhig ins Spiel kommen", sagte Libertad-Kapitän Xavi Viqueira später und fügte trocken hinzu: "Das hat etwa zwei Minuten gehalten." Taquari, offensiv eingestellt wie immer unter Trainer Tim Thaler, ließ nicht locker. In der 33. Minute legte erneut Deco nach, diesmal nach einer Vorlage von Innenverteidiger Leah Revivo, der sich aus der Abwehr nach vorne getankt hatte. Zwei Minuten später durfte dann auch Barbosa selbst jubeln - ausgerechnet der Rechtsverteidiger, der sich in dieser Partie eher wie ein Rechtsaußen gebärdete. "Ich hab gesehen, dass kein anderer wollte, also hab ich’s halt gemacht", grinste Barbosa nach seinem Doppelpack später in die Kameras. Zur Halbzeit stand es 4:0, und die Fans sangen bereits Loblieder auf ihre Helden. Trainer Thaler blieb trotzdem auf dem Teppich: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr jetzt nachlasst, lade ich euch alle zum Dauerlauf am Montag ein." Offenbar eine wirksame Drohung. Denn auch nach der Pause blieb Taquari hungrig. Nach einer knappen Stunde traf wieder Barbosa - diesmal nach klugem Querpass von Deco. Der Verteidiger schnürte damit seinen persönlichen Doppelpack, was ihn sichtlich amüsierte: "Ich wollte eigentlich nur flanken, aber der Ball war zu schön, um ihn nicht reinzuschießen." Libertad, das in der gesamten Partie gerade mal vier Schüsse aufs Tor brachte, wirkte zu diesem Zeitpunkt wie eine Mannschaft, die lieber woanders wäre. Einziger Lichtblick: Sie hielten sich beim Foulspiel zurück - aggressiv war höchstens Taquaris Offensivdrang. In der 75. Minute setzte Alessio Visintin den Schlusspunkt. Der frisch eingewechselte Linksaußen, der schon kurz nach seiner Einwechslung für Wirbel gesorgt hatte, traf nach Vorlage von Laurent Billet zum 6:0. Danach war endgültig Partyzeit im Stadion. "Das war Fußball, wie ich ihn liebe", schwärmte Trainer Thaler. "Direkt, mutig, ein bisschen verrückt." Auf die Frage, ob er nach dem 6:0 jetzt vom Titel träume, lachte er nur: "Ich träume höchstens davon, dass meine Jungs morgen pünktlich zum Training kommen." Auf der anderen Seite stand Libertad-Trainer (dessen Name in den Unterlagen nicht einmal mehr erwähnt werden wollte) mit verschränkten Armen und leerem Blick an der Seitenlinie. "Wir haben einfach keinen Zugriff bekommen", murmelte er. "Taquari war in jeder Hinsicht besser - im Laufen, im Denken, im Kaffeeholen." Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen im Ballbesitz - 50,5 Prozent für Taquari, 49,5 für Libertad. Doch die Zahlen lügen: 17 Schüsse auf das Tor für die Gastgeber gegenüber mageren vier bei den Gästen sprechen eine klare Sprache. Es war nicht nur ein Sieg, es war eine Demonstration. In der 66. Minute sah Leah Revivo noch Gelb, vermutlich die einzige Erinnerung daran, dass es auch für Taquari so etwas wie Regeln gab. Ansonsten war es ein nahezu makelloser Abend. Der Schlusspfiff kam als Erlösung für Libertad - und als Triumphgesang für Taquari. "Wir wollten zeigen, dass wir zu Hause niemanden fürchten müssen", sagte Doppeltorschütze Deco, während hinter ihm die Fans noch immer sangen. Vielleicht war es nur ein Spieltag, vielleicht der Beginn einer kleinen Legende. Sicher ist: Wer an diesem Abend in Taquari war, wird sich noch lange daran erinnern, wie eine Mannschaft Fußball spielte, als wäre es ein Fest. Und während draußen die Lichter langsam erloschen, murmelte ein älterer Fan auf der Tribüne: "So spielt man, wenn man Spaß hat." Recht hat er. 21.03.643990 10:22 |
Sprücheklopfer
Das ist Wahnsinn! Da gibt's Spieler im Team, die laufen noch weniger als ich!
Toni Polster nach einer Niederlage