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Ein lauer Märzabend, 43.500 Zuschauer im Estadio Azul, und CF Taquari schien von Beginn an fest entschlossen, den 33. Spieltag der 1. Liga Paraguay in ein Privatfest zu verwandeln. UD De la Mora kam, sah - und wurde zerlegt. 6:0 hieß es am Ende, und ehrlich gesagt: Mit etwas weniger Gnade im Abschluss hätte das Ergebnis auch zweistellig ausfallen können. Schon in den ersten Minuten zeichnete sich ab, dass Trainer Tim Thaler seine Jungs auf Angriff gebürstet hatte. Francisco Tristan wirbelte über die rechte Seite, als hätte er drei Lungen, und prüfte den Gästetorwart Tortosa bereits in der 2. Minute. "Ich hab’s gleich gespürt, heute läuft das", grinste Tristan später. Und wie das lief: In der 18. Minute nahm er eine Vorlage von Ernst Uggla direkt - Wumms, 1:0. Das Stadion bebte, und Thaler klatschte auf der Bank so begeistert, dass der vierte Offizielle kurz dachte, er wolle sich einwechseln. De la Mora? Nun ja. Drei Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände. Marcos Jorge versuchte es in der 5. Minute aus der Distanz, doch der Ball flog so hoch, dass er vermutlich noch immer in Umlaufbahn ist. Der Rest war Schweigen. Zur Pause stand es "nur" 1:0, doch was dann folgte, war ein Offensivfeuerwerk. Francisco Tristan eröffnete den Reigen erneut in der 63. Minute - diesmal flankte Alessio Visintin butterweich von links, Tristan bedankte sich artig mit dem Kopf und dem 2:0. Nur drei Minuten später revanchierte sich Visintin persönlich: Nach Pass von Uggla tanzte er den Verteidiger aus und drosch den Ball zum 3:0 unter die Latte. "Da war’s dann vorbei", meinte UD-Verteidiger Anton Kruse hinterher zerknirscht. "Wir wollten ja offensiv stehen, aber offenbar standen wir eher offen." Und CF Taquari hatte noch nicht genug. In der 85. Minute nahm Eduardo Mendo Maß - nach feiner Vorarbeit von Visintin - und traf zum 4:0. Eine Minute später durfte auch der 19-jährige Francisco Doreste jubeln. Der Youngster, eben erst eingewechselt, schlenzte nach Zuspiel von Mendo den Ball lässig ins Eck. "Ich wusste gar nicht, ob ich mich trauen darf, einfach zu schießen", lachte Doreste später. "Mendo hat nur geschrien: ’Mach!’ - also hab ich gemacht." Als alle schon auf den Schlusspfiff warteten, setzte Visintin in der 94. Minute den Schlusspunkt. Wieder war Mendo der Vorlagengeber, und wieder zappelte die Kugel im Netz. 6:0. Die Statistik? 21 Torschüsse für Taquari, 3 für De la Mora, Ballbesitz 54 zu 46 Prozent. Eine klare Sache. Trainer Tim Thaler zeigte sich nach dem Spiel erstaunlich trocken: "Ich bin zufrieden, aber die Jungs hätten in der ersten Halbzeit mehr Geduld haben müssen." Sein Gegenüber, der sichtlich angeknockte Gastcoach (dessen Namen das Protokoll verschluckte - vermutlich aus Mitleid), stapfte wortlos vom Platz. Gelbe Karten gab’s übrigens auch: Laurent Billet sah eine in der 39. Minute, der junge Doreste in der 91., und bei De la Mora durfte Enrique de Almeida in der 55. Minute ebenfalls Gelb sammeln - vermutlich als Souvenir. Das Publikum verabschiedete die Hausherren stehend. Ein Fan auf der Tribüne brachte es auf den Punkt: "Wenn die so weiterspielen, braucht die Liga bald eine Torprämiensteuer!" CF Taquari bleibt mit dieser Gala in der Spitzengruppe und schickt ein deutliches Signal an die Konkurrenz. UD De la Mora dagegen dürfte die Rückfahrt nach Hause schweigend antreten - vielleicht mit der Frage, ob man wirklich mit einem "offensiven" Plan in so ein Spiel gehen sollte. Und irgendwo in der Kabine summte Francisco Tristan angeblich leise vor sich hin: "Sechs Tore, sechs Gesichter, alle glücklich." Vielleicht war’s ein Lied, vielleicht einfach Freude pur - aber eines ist sicher: CF Taquari hat an diesem Abend Fußball gespielt, wie er sein sollte - frech, spielfreudig, und ein bisschen gnadenlos. Nach so einem Spiel bleibt nur zu sagen: Wenn Schönheit Tore schießt, war das heute ein Kunstwerk in 90 Minuten. 26.09.643993 07:00 |
Sprücheklopfer
Einige Leute müssen hier im Hintergrund ihre Profilneurosen ausleben. Wenn dieser kleinkarierte Käse so weitergeht, dann geh' ich nach Sylt und bau' Sandburgen.
Otto Rehhagel über Querelen in der Führungsetage des FCK