// Startseite
| La Nacion |
| +++ Sportzeitung für Paraguay +++ |
|
|
|
Wenn man pünktlich zum Anpfiff im Estadio Municipal de Taquari war, konnte man kaum glauben, was sich in den ersten Minuten abspielte. 43.500 Zuschauer waren gekommen, viele wohl noch mit Sonnencreme im Gesicht, und kaum hatten sie Platz genommen, zappelte der Ball schon im Netz. Attila Detari, der bullige Mittelstürmer des CF Taquari, traf in der ersten Minute nach einem butterweichen Zuspiel von Rechtsverteidiger Carl Barbosa. "Ich dachte, wir machen erst mal ruhig - aber Attila hat wohl die Uhr falsch gelesen", grinste Trainer Tim Thaler später. Was danach kam, war ein einseitiges Fußballfest, das eher an eine Trainingseinheit erinnerte als an den 9. Spieltag der 1. Liga Paraguay. CF Taquari spielte wie entfesselt, Club Ayes dagegen wirkte, als hätte man ihnen die Gebrauchsanweisung für den Ball vor dem Spiel abgenommen. Statistisch war es nicht einmal ein Klassenunterschied - 51 zu 49 Prozent Ballbesitz, das klingt ausgeglichen. Doch die nackten Zahlen lügen: 17 Torschüsse für Taquari, nur 5 für Ayes. Und während die Hausherren jede Chance nutzten, fanden die Gäste kaum den Weg aus der eigenen Hälfte. In der 34. Minute war es Lionel Xavier, der nach einem eleganten Doppelpass mit Eduardo Mendo zum 2:0 einschob. Drei Minuten später erhöhte Xabier Maniche, der rechte Flügelstürmer mit dem unbändigen Drang nach vorne, auf 3:0 - Vorlage diesmal von Laurent Billet, der an diesem Abend wohl mit einem Kompass in der Tasche spielte, so sicher fand er jeden Mitspieler. Fünf Minuten vor der Pause dann der endgültige Knockout: Wieder Xavier, wieder Billet - 4:0. "Ich habe einfach gespürt, dass heute jeder Ball reinfallen kann", sagte Xavier nach dem Spiel und grinste verschmitzt. "Vielleicht hätten wir in der zweiten Halbzeit auch noch ein paar machen sollen, aber man will ja nicht unhöflich sein." Trainer Thaler sah das ähnlich, wenn auch etwas nüchterner: "Wir haben in der ersten Halbzeit fast alles richtig gemacht. Danach habe ich den Jungs gesagt, sie sollen das Spiel genießen - und keiner hat widersprochen." Ayes-Coach - der Name blieb ungenannt, vielleicht aus Selbstschutz - wirkte dagegen wie jemand, der gerade eine lange Einkaufsliste verloren hat. Nach dem frühen Schock versuchte seine Elf zwar, Ordnung zu finden, wechselte in der 35. Minute den verletzten Filipe Figo aus (Dorinel Barbulescu kam), doch Struktur blieb ein Fremdwort. "Wir wollten eigentlich mutig auftreten", murmelte ein konsternierter Pol Bosingwa, der später noch Gelb sah, "aber nach dem dritten Tor war nur noch Schadensbegrenzung angesagt." Die zweite Halbzeit verlief fast meditativ. Taquari wechselte gleich dreimal zur Pause: Deco kam für Maniche, Exposito ersetzte Mendo, und Lionel Hermenegildo übernahm für Barbosa. Die frischen Kräfte hielten das Tempo hoch, auch wenn der Ball nun öfter durch die eigenen Reihen lief, als dass er ins Netz segelte. Detari prüfte den Torwart mehrfach (48., 50.), Billet wirbelte unermüdlich, und selbst Innenverteidiger Gonzalo hatte seinen Torschussmoment (70.). Es blieb jedoch beim komfortablen 4:0 - ein Ergebnis, das schon zur Pause festgestanden hatte. Einmal wurde es noch hitzig: In der 74. Minute sah Xavier Gelb, offenbar, weil er zu laut lachte, als ein Gegenspieler über den Ball trat. "Ich wollte ihm eigentlich helfen", verteidigte er sich nachher augenzwinkernd. Bei Ayes reichte es am Ende immerhin zu ein paar Alibi-Schüssen - Carvalho in der 71. Minute, Bosingwa kurz vor Schluss -, doch Taquaris Keeper Alf Abramson verbrachte einen der ruhigeren Arbeitstage seiner Karriere. Tim Thaler fasste es am Ende trocken zusammen: "Das war ein Statement. Aber wir wissen, dass man solche Abende nicht jede Woche bekommt." Die Fans sahen das anders. Nach dem Abpfiff tanzten sie auf den Rängen, skandierten Xaviers Namen und forderten augenzwinkernd, man möge das Pausenresultat künftig einfach als Endstand akzeptieren. Ob Club Ayes in der kommenden Woche noch Lust auf Fußball hat, bleibt abzuwarten. Nach diesem 0:4 jedenfalls dürfte die Videoanalyse ein schmerzlicher Abend werden. Und so verließ man das Stadion mit dem Gefühl, etwas Seltenes erlebt zu haben: ein Team, das in 45 Minuten alles erledigte - und ein anderes, das froh war, dass Fußball nur zwei Halbzeiten hat. 21.04.643987 17:38 |
Sprücheklopfer
Die Schuhe müssen immer zum Gürtel passen!
Lothar Matthäus