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Ein Freitagabend in Paraguay, Flutlicht, 41.410 Zuschauer und ein CF Taquari, der Lust auf Spektakel hatte - so lässt sich der 22. Spieltag der 1. Liga Paraguay wohl am treffendsten zusammenfassen. Die Hausherren zerlegten UD 2 de Mayo mit 3:0 (1:0) und ließen dabei keinen Zweifel, wer in diesem Duell das Kommando führte. Schon die ersten Minuten gaben die Richtung vor: Taquari lief hoch an, Attila Detari lauerte wie eine Raubkatze, und der junge Gästekeeper Xavi Hernando durfte sich im Minutentakt beweisen. "Ich dachte schon, wir spielen Handball - so oft kam der Ball zurück in den Strafraum", grinste Taquari-Verteidiger Gunnar Hoffmann später. In der 23. Minute war es dann soweit: Hoffmann schlug einen dieser langen, halbhohen Bälle, die man eigentlich eher als Verzweiflungstat verbucht - aber Detari machte daraus Kunst. Mit der Brust angenommen, ein Drehschuss aus 14 Metern, 1:0. Das Stadion bebte, und selbst Trainer Tim Thaler musste schmunzeln: "Ich hatte eigentlich gerufen, er soll den Ball ablegen. Zum Glück hat er mich ignoriert." 2 de Mayo versuchte es tapfer, wirklich. Sebastian Hummel prüfte Taquaris Keeper Alf Abramson einmal aus der Distanz, Amaury Xavier kurz vor der Pause - doch das war’s auch schon. Zwei Torschüsse in 90 Minuten stehen am Ende für das Team von Nurullah Sahin zu Buche. "Wir wollten offensiv spielen", erklärte Sahin nach dem Spiel, "aber offenbar haben die Spieler die Begriffe ’offensiv’ und ’optimistisch’ verwechselt." Nach dem Seitenwechsel setzte Taquari dort an, wo sie aufgehört hatten - nämlich im gegnerischen Strafraum. Fünf Minuten nach Wiederanpfiff bediente Eduardo Mendo mit einem butterweichen Pass erneut Detari, der eiskalt zum 2:0 einschob (49.). Der Ungar im Sturmzentrum war an diesem Abend einfach nicht zu stoppen. "Ich habe mich gefühlt wie in einem Videospiel auf leichtem Schwierigkeitsgrad", sagte er lachend, bevor er sich brav den Applaus der Fans abholte. Nur fünf Minuten später war die Messe gelesen: Xabier Maniche, der rechte Flügel mit dem linken Fuß, zog nach innen und schlenzte den Ball in den Winkel - 3:0 (54.). Hernando flog zwar fotogen, aber zwecklos. Von der Bank kam Applaus, von den Rängen Jubel - und von Trainer Thaler das vielsagende Kopfschütteln eines Mannes, der weiß, dass seine Mannschaft gerade auf Autopilot läuft. Danach wurde es ruhiger. Taquari ließ den Ball laufen, 55 Prozent Ballbesitz sprechen für sich, und wenn es doch einmal gefährlich wurde, dann fast immer über Detari. Vierzehn Torschüsse verbuchten die Gastgeber insgesamt - die Gäste hielten mit zweien dagegen, was ungefähr der Relation von Elefant zu Ameise entspricht. Kurz vor Schluss sah Andre Maier noch Gelb (93.) - "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch noch da bin", rechtfertigte er sich später halb im Scherz. Auf der anderen Seite hatte Carlos Viqueira schon in der 34. Minute Gelb gesehen, ein Foul, das so sehr nach Frust roch wie ein altes Trainingsleibchen nach Augusthitze. Für die Statistikfreunde: Tacklingquote 57 zu 43 Prozent, Ballbesitz 55 zu 45, Pressing? Fehlanzeige. Beide Teams spielten laut Daten ohne echtes Pressing - was man so allerdings nur sagen kann, wenn man die 90 Minuten von der Couch aus verfolgt. Auf dem Rasen rang UD 2 de Mayo in jeder Szene um Stabilität, während Taquari das Spiel mit stoischer Ruhe dominierte. Nach dem Abpfiff hallte das "Taquari, Taquari!" durch das Stadion, und Tim Thaler wurde gefragt, ob er seine Mannschaft schon auf Meisterkurs sehe. "Ach, wir nehmen’s Spiel für Spiel", sagte er mit dem typischen Trainerlächeln - jenem, das in Wahrheit bedeutet: "Ja, natürlich!" Für 2 de Mayo hingegen bleibt die Erkenntnis eines Abends, der ernüchternder kaum hätte verlaufen können. Trainer Sahin versprach Besserung: "Wir werden analysieren. Und dann trainieren. Vielleicht auch meditieren." Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus - aus Höflichkeit bei den Gästen, aus Begeisterung bei den Hausherren. CF Taquari spielte, als wollten sie das Flutlicht nie wieder ausschalten. Und wenn man ehrlich ist: Nach so einem Abend hätte auch niemand etwas dagegen gehabt, noch ein bisschen sitzen zu bleiben. Fazit eines langen Abends: Taquari brilliert mit Offensivfußball und einem überragenden Detari, 2 de Mayo bleibt freundlich, aber chancenlos. Und irgendwo in der Kabine summte jemand: "So spielt nur der CF Taquari." 30.09.643987 16:35 |
Sprücheklopfer
Es gibt nur einen Ball. Wenn der Gegner ihn hat, muß man sich fragen: Warum!? Ja, warum? Und was muß man tun? Ihn sich wiederholen!
Giovanni Trappatoni