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Manchmal schreibt der Fußball seine Drehbücher schon in den ersten zwanzig Minuten - und lässt danach nur noch den Abspann laufen. So geschehen am 18. Spieltag der 1. Liga Paraguay, als CF Taquari und AD 12 Octubre sich in einem intensiven, mitunter leicht chaotischen 1:1 trennten. 43.500 Zuschauer im Estadio Taquari sahen eine Partie, die früh Fahrt aufnahm und später in taktischem Tauziehen versandete. Bereits in der 8. Minute ging das Team von Tommy Tomsen in Führung. Antonio Galvao, gerade mal 20 Jahre alt und offenbar ohne jede Nerven, nahm nach feiner Vorarbeit von Albert Teixeira Maß und zimmerte den Ball ins rechte Eck. "Ich dachte gar nicht lange nach - einfach draufhalten", grinste Galvao später, als wüsste er, dass seine jugendliche Unbekümmertheit half, wo Routiniers manchmal zaudern. Taquaris Trainer Tim Thaler reagierte an der Seitenlinie mit einem Gesichtsausdruck zwischen "Das hab ich kommen sehen" und "Nicht schon wieder so früh". Seine Mannschaft brauchte elf Minuten, um zurückzuschlagen. In der 19. Minute traf Laurent Billet aus spitzem Winkel - Vorlage von Linksverteidiger Jozef Kozacik, der sich in bester brasilianischer Manier in den Angriff eingeschaltet hatte. "Ich hab einfach gehofft, dass Laurent da ist, wo er sein sollte. Und ja - er war da", lachte Kozacik nach dem Spiel. Danach: viel Kampf, wenig Raum. 12 Octubre blieb offensiv mutig, fast trotzig offensiv ausgerichtet, während Taquari zunehmend versuchte, über Ballbesitz (am Ende 51,7 Prozent) die Kontrolle zurückzugewinnen. Die Zahlen zeigen: Es war ein Duell auf Augenhöhe - 10 Torschüsse für Taquari, 9 für die Gäste. In der 45. Minute flammte die Emotion kurz auf, als Oscars Haddington für ein rustikales Einsteigen Gelb sah. "Er hat doch den Ball gespielt!", schimpfte Coach Tomsen, während der vierte Offizielle trocken entgegnete: "Ja, aber auch das halbe Schienbein." Zur Pause wechselte Thaler gleich dreimal: frische Kräfte im Mittelfeld und Angriff. Unter anderem kam der 18-jährige Francisco Doreste, der in der 87. Minute sogar fast zur Heldengestalt geworden wäre - sein Schuss aus 20 Metern strich jedoch hauchdünn über die Latte. "Ich hab den Jubel schon gehört", meinte Doreste später, "aber der Ball wollte einfach nicht runterfallen." Die zweite Halbzeit war geprägt von Taktik und Temperament. 12 Octubre blieb ihrem offensiven Stil treu, Galvao und Hernandez sorgten immer wieder für Gefahr. Vor allem Hernandez prüfte Keeper Alf Abramson mehrfach - in der 61. und 70. Minute musste Taquaris Torwart sein ganzes Können zeigen. Abramson, danach mit Schweiß und Staub bedeckt, sagte trocken: "Ich hab mir vorgenommen, heute mal kein Tor mehr zu kassieren. Hat geklappt." Auf der Gegenseite versuchten Xavier und Exposito, Struktur ins Offensivspiel zu bringen, doch der letzte Pass blieb Mangelware. Thaler brüllte sich die Stimme heiser, forderte "mehr Mut, mehr Tempo", aber seine Spieler wirkten, als hätten sie gerade ein Drei-Gänge-Menü gegessen. Gegen Ende drängte Taquari noch einmal - Xavier hatte in der Nachspielzeit zwei Abschlüsse (90. und 91. Minute), doch Keeper O’Leary im Tor von 12 Octubre hielt, als ginge es um seine Wohnungseinrichtung. "Ich wollte nur nicht, dass der Bus ohne mich abfährt", witzelte er nach dem Spiel. So blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, mit dem beide Seiten leben konnten, auch wenn keiner wirklich zufrieden war. "Wir hatten Chancen auf das 2:1, aber manchmal ist Fußball einfach ein Spiel der verpassten Momente", sagte Thaler. Tomsen konterte mit einem Schmunzeln: "Naja, manchmal ist er auch ein Spiel der geretteten Punkte." Ein Blick auf die Statistik unterstreicht die Ausgeglichenheit: Tacklingquote 50,9 zu 49,1 Prozent, Ballbesitz fast pari, Torschüsse nahezu identisch. Selbst die Trainer schienen sich in ihrer Gestik zu spiegeln - beide wild gestikulierend, beide nach dem Schlusspfiff mit hochrotem Kopf, beide am Ende mit einem Schulterzucken. Am Montagabend also kein Sieger, aber 43.500 zufriedene Zuschauer, die wussten: Hier wurde gearbeitet, gelitten, gerannt - und manchmal sogar gelächelt. Vielleicht sagte es Laurent Billet am treffendsten, als er in der Mixed Zone noch einmal den Ball ansah, den er in der 19. Minute versenkt hatte: "Der war heute unser bester Freund. Schade, dass er sich nicht noch einmal für uns entschieden hat." Und irgendwo auf der Pressetribüne notierte sich ein Kollege: Gerechtes Remis, viele Geschichten, null Langeweile. Manche Spiele brauchen eben kein 4:3, um groß zu sein. 15.08.643987 09:35 |
Sprücheklopfer
Im Vergleich zu den Artikeln, die sie schreiben, sind die Märchen aus Tausendundeiner Nacht empirische Untersuchungen.
Christoph Daum über türkische Sportjournalisten