Anpfiff
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SV Bremen wacht zu spät auf - Wiesbaden siegt clever mit 2:1

Ein Heimspiel am Freitagabend, Flutlicht, 12.500 Zuschauer im Bremer Stadion - und doch lag schon nach zwölf Minuten eine bleierne Stille über dem Platz. Der SV Bremen verschlief die Anfangsphase, der VfB Wiesbaden nutzte das gnadenlos aus und feierte am Ende einen 2:1-Auswärtssieg, der so unspektakulär wie effizient war.

Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, da klingelte es auch schon im Bremer Kasten. In der 2. Minute zog Wiesbadens Mathias Seitz nach einem feinen Zuspiel von Emilio Bermudez trocken ab - 0:1. Bremens Keeper Mark Engel streckte sich vergeblich, und die Heimfans rieben sich noch die Augen. Trainer Jack Schlakowski winkte erbost an der Seitenlinie. "Ich hatte das Gefühl, meine Jungs standen noch beim Einlaufen", sagte er später mit einem schiefen Lächeln.

Doch es kam noch dicker: Nur zehn Minuten später erhöhte Aitor Tortosa nach einer Standardsituation, vorbereitet vom 17-jährigen Innenverteidiger Esteban Eximeno. 0:2 - und das Publikum murmelte bereits von einer drohenden Abreibung. "Wir haben uns gesagt: Wenn Bremen jetzt anfängt zu spielen, sind wir schon auf der Anzeigetafel", grinste Tortosa nach dem Spiel, sichtlich zufrieden mit seinem zweiten Saisontor.

Bremen zeigte immerhin Reaktion - in Form von Wut und Gelben Karten. Paulo Meireles sah in der 9. Minute den Karton, weil er Seitz an der Seitenlinie stoppte, wie man sonst nur Einkaufswagen stoppt. Wiesbadens Florent Declerck ließ sich das nicht zweimal sagen und revanchierte sich acht Minuten später mit einem rustikalen Einsteigen - ebenfalls Gelb. Ironie des Abends: Declerck war es später, der in der 71. Minute mit Gelb-Rot vom Platz musste, weil er beim Versuch, den Linienrichter zu "überzeugen", etwas zu laut wurde.

Trotz Überzahl brauchte Bremen ewig, um die Wiesbadener Abwehr ins Wanken zu bringen. 15 Torschüsse, 49 Prozent Ballbesitz, aber kaum echte Hochkaräter. Der 37-jährige Inigo Travassos versuchte es mehrfach aus der Distanz - "aus Nostalgie", wie er nach dem Spiel lachend meinte -, doch Wiesbadens Torwart William MacLachlan erwischte einen Sahnetag. "Ich hab heute einfach mal alles gefangen, was nicht angebrannt war", witzelte der Keeper.

Erst in der 85. Minute kam wieder Leben in die Bude: Der erst 17-jährige Kay Buchholz passte flach in den Strafraum, Daniel Morriss hielt den Fuß hin - 1:2. Das Stadion erwachte, Schlakowski warf seine Jacke, und plötzlich glaubte Bremen wieder an ein Wunder. Doch die Uhr war gnadenlos. Zwei Nachspielzeit-Chancen vergab der eingewechselte Jungspund Luca Schmidt - der zweite Versuch in der 95. Minute landete in den Armen von MacLachlan.

"Wenn wir so anfangen wie wir aufgehört haben, gewinnen wir das Rückspiel 5:0", knurrte Schlakowski auf der Pressekonferenz. Sein Gegenüber, Wiesbadens Coach, sah das naturgemäß anders: "Wir haben clever gespielt, früh getroffen und danach mit Herz verteidigt. Mehr wollte ich gar nicht sehen."

Die Statistik untermauert den Eindruck: Bremen mit 15 Schüssen aufs Tor, Wiesbaden mit lediglich fünf, aber eben den entscheidenden zwei Treffern. Ballbesitz nahezu ausgeglichen - 48,6 zu 51,4 Prozent -, doch die Effizienz der Gäste war an diesem Abend schlicht besser.

Kurios am Rande: Als Declerck in der 71. Minute vom Platz musste, rief ein Bremer Fan laut "Jetzt aber, Jungs!", worauf Daniel Morriss ihm zurief: "Mach du’s doch besser!" - ein Moment, der das Spiel eigentlich perfekt zusammenfasste. Viel Wille, viel Emotion, aber zu wenig Zählbares.

Am Ende steht eine bittere, aber lehrreiche Heimniederlage für den SV Bremen. Die Mannschaft kämpfte, rannte und spielte sich Chancen heraus, doch der frühe Doppelschlag der Gäste war wie eine kalte Dusche im Januar. "Wir haben uns selbst geschlagen", gab Morriss selbstkritisch zu, "aber wenigstens haben wir gezeigt, dass wir noch leben."

Und das taten sie - spät, aber immerhin lautstark. Als der Schlusspfiff ertönte, applaudierten die Fans trotzdem. Vielleicht aus Trotz, vielleicht aus Hoffnung. Denn eines ist sicher: Wenn Bremen bald mal wieder pünktlich zum Anstoß erscheint, reicht es auch für mehr als ein 1:2.

Oder, wie ein älterer Herr auf der Tribüne beim Verlassen des Stadions sagte: "Schön war’s trotzdem - aber das nächste Mal bitte mit Wecker."

30.06.643987 04:17
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